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Energieeffizienz in den Westbalkanstaaten – eine Bestandsaufnahme

Im Auftrag der Weltbank untersuchte die Österreichische Energieagentur den Stand der Energieeffizienz in den Westbalkanländern Albanien, Bosnien & Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien. Betrachtet wurden u. a. die politisch-institutionellen Rahmenbedingungen, die Energiemärkte und die Märkte für Energieeffizienztechnologien und Energiedienstleistungen. Die Untersuchung bildete die Basis für Politikempfehlungen zum Ausbau der Energieeffizienz in den einzelnen Ländern.

Untersuchungsergebnisse

In Südosteuropa, inklusive Bulgarien und Rumänien, wird der Bedarf an Energiedienstleistungen (Nutzenergie) bis 2027 voraussichtlich um mehr als 3 Prozent jährlich wachsen. Der gesamte Endenergiebedarf der Westbalkanländer wird bis 2027 von ca. 750 PJ (2005) auf ca. 1250 PJ anwachsen (Angaben IEA)

Mit geeigneten politischen Maßnahmen wären im selben Zeitraum Energieeinsparungen in der Größenordnung von 10–15 % gegenüber den Prognosen möglich. Höhere Energieeffizienz zu erzielen, erfordert zunächst möglichst viele Investitionen  in Projekte zur rationelleren Verwendung von Energie. Eine starke Rolle der Regierungen und klare regulatorische Strukturen können den Investoren Sicherheit bieten, indem sie Barrieren beseitigen, klare Rahmenbedingungen und Standards etablieren, notwendige Informationen ebenso wie finanzielle Förderung für Technologien in einem frühen Entwicklungsstadium zur Verfügung stellen. Noch gibt es jedoch eine Reihe von Hindernissen für einen verbesserten Umgang mit Energie (Energiekonsum) in den Westbalkanländern.

Empfehlungen

Verbesserung der Datenlage: Verlässliche statistische Daten sind unerlässlich, um die aktuelle Situation zu verstehen und um die Effektivität von vorhandenen Effizienzstrategien zu bewerten. Die Bestandsaufnahme zeigte, dass die Datenerfassungssysteme in allen Ländern verbessert werden müssen.
Vollzug der bestehenden Gesetzgebung: In allen Westbalkanländern gibt es Gebäudegesetze, die jedoch vielfach ignoriert und nicht umgesetzt werden. Es empfiehlt sich die Durchführung öffentlicher Bewusstseinsbildungskampagnen über einen ausreichend langen Zeitraum und mit Erfolgskontrollen auf nationaler Ebene.

Verbindliche Aktionspläne: Aktionspläne sollten in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Energiedienstleistungs RL (2006/32/EG) erstellt werden. Diese Aktionspläne sollten zwischen den verschiedenen Ministerien akkordiert werden und konkrete Maßnahmen, Zuständigkeiten und Zeitvorgaben enthalten.

Umsetzung des relevanten Acquis communqutaire: Neben der Energiedienstleistungs-RL sollten die Westbalkanländer aktiv die Anforderungen der EU-Gesetzgebung speziell in Hinblick auf Gebäude und Raumwärme umsetzen.

Monitoring von Energieeffizienzmaßnahmen: Eine Monitoring-Agentur sollte die Gesamtsteuerung und Verantwortung für die Umsetzung der Aktionspläne übernehmen, sie sollte ein politisches Mandat haben, sollte direkt dem Parlament und dem zuständigen Minister berichtspflichtig sein und über adäquates Personal sowie Ausbildung verfügen.
Vorbildrolle des öffentlichen Sektors: Öffentliche Stellen (Behörden) sollten bei der Beschaffung von Geräten und Programmen Energieeffizienzindikatoren (Technologien) anwenden und bestmögliche Energieeffizienzstandards für öffentliche Gebäude anwenden.

Vermeidung von Quersubventionierung: Während Energietarife überall in der Region ein heikles Thema sind und ökonomische, soziale wie auch politische Implikationen haben, zerstören Quersubventionierungen die Energiemärkte, bedeuten einen Anreiz zum Energieverschwenden und machen es für ESCOs wie für innovative Energieeffizienztechnologien unmöglich, in die Märkte einzudringen. Darüber hinaus sollte dem Thema Energiearmut nicht durch Energieförderungen begegnet werden, sondern eher durch gezielte Unterstützungsprogramme für Haushalte mit geringen Einkommen.

Schaffung eines Energieeffizienzfonds: Energieeffizienzmaßnahmen erfordern oft Investitionen mit einer Amortisationszeit von mehr als 2 Jahren (z.B. thermische Isolierung, Kesseltausch etc.) Energieeffizienzfonds sollten einfach erhältliche Förderungen für Investitionen wie auch Beihilfen für Haushalte mit geringem Einkommen bieten.

Projektlaufzeit: Juli 2008 - April 2009

Projektdaten

Auftraggeber

World Bank (Weltbank)

Projektleiter

  • Dr. Stephan Renner, Österreichische Energieagentur
  • Kerstin Schilcher, Österreichische Energieagentur
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gedruckt am: 08.02.2012