Smart Metering in Österreich
In Österreich wissen nur die wenigsten Haushalte, wann sie wie viel Energie verbrauchen und welche Kosten daraus entstehen. Erst bei der Jahresabrechnung kommt die Überraschung ins Haus. Wie verändert sich aber das Verbrauchsverhalten von EnergiekundInnen, wenn sie sofort über ihren Verbrauch informiert werden und – ähnlich wie beim Handy – eine monatliche Abrechnung erhalten? Oder wenn sie ihren Energieverbrauch im Internet verfolgen können? Sparen sie dadurch Energie?
Pilotstudie der Österreichischen Energieagentur zu Smart Metering
Die Österreichische Energieagentur beschäftigt sich in einer Pilotstudie gemeinsam mit der EVN mit der Frage, wie KundInnen auf direktes und indirektes Feedback über ihren Energieverbrauch reagieren. Grundlage für die Erfassung der Verbrauchsdaten bilden neue Zähler, so genannte Smart Meters, die in 270 Haushalten und 30 Gewerbebetrieben eingebaut wurden. Direktes Feedback erhalten die KundInnen über ein handliches Display, das alle relevanten Informationen zum Verbrauch und zu den entstehenden Kosten enthält. Zusätzliches indirektes Feedback wird über eine Internet-Plattform sowie über eine monatliche Abrechnung geliefert.
Um die Reaktionen der KundInnen zu ermitteln, werden zwei telefonische Befragungsrunden durchgeführt. Zusätzlich werden besonders interessante Kundengruppen zu Diskussionen eingeladen (Fokusgruppen) sowie einzeln befragt. Dadurch soll nicht nur ermittelt werden, ob und wie viel Energie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe eingespart werden kann. Im Zentrum der Untersuchung steht, wie KundInnen die neuen Zähler annehmen, welche Probleme auftreten und was bei einer flächendeckenden Einführung dieser neuen Zähler in Österreich beachtet werden muss.
Vorteile von Smart Metering
Neue, individuelle und intelligente Zähler bringen eine Reihe von Vorteilen für EndkundInnen, aber auch für Lieferanten und Netzbetreiber mit sich. EndkundInnen erhalten zeitnahe Informationen über ihren tatsächlichen Energieverbrauch und können (insbesondere in Begleitung mit einer Energieberatung) durch dieses Feedback ihr Verbrauchsverhalten steuern. Sie können durch individuell angepasste Tarifmodelle profitieren und sollten schneller ihren Anbieter wechseln können. Lieferanten wiederum können maßgeschneiderte Produkte anbieten und leichter an die Messdaten kommen, bei Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer. Schließlich können Netzbetreiber durch die verfügbaren Daten aus den Zählern die Netzüberwachung verbessern, dezentrale Erzeuger leichter integrieren, personalintensive Prozesse (wie die Zählerablesung) automatisieren und einen ersten Schritt in eine intelligente Netzsteuerung gehen (Smart Grids).
Auch in Zusammenhang mit Energieeffizienz ist das Thema Smart Metering wichtig. Gegenwärtig haben die EndkundInnen keine relevanten Informationen über ihren Verbrauch. Erste empirische Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der Energieverbrauch reduziert werden kann, wenn der Endkundin oder dem Endkunden Informationen über das eigene Nutzungsverhalten bekannt sind. Allerdings variieren die erzielten Einsparungen beträchtlich. Eine kanadische Studie bei 505 Haushalten ermittelte durch den Einsatz von tragbaren Monitoren (in-house displays), auf denen der Verbrauch zeitnah angezeigt wird, eine Einsparung von 6,5% gegenüber einer Kontrollgruppe. Eine holländische Studie an 137 Haushalten mit Feedback über ein Internet-basiertes Tool ermittelte bis zu 8,5% Energieeinsparung im Vergleich zur Kontrollgruppe. Eine dänische Studie in etwa 1500 Haushalten ermittelte speziell bei niedrigen Einkommen hingegen keine signifikanten Einsparungen. In Österreich liegen noch keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse vor.
Rechtliche Grundlagen sind vorhanden
Die rechtlichen Grundlagen zeigen eindeutig in Richtung Smart Metering. Auf EU-Ebene verlangt die Energieeffizienz- und Energiedienstleistungsrichtlinie (oder Energy Services Directive, ESD, 2006/32/EG) in individuelle Zähler, die „den tatsächlichen Energieverbrauch des Endkunden und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln.“ Darüber hinaus soll die Abrechnung „auf Grundlage des tatsächlichen Verbrauchs“ so häufig durchgeführt werden, „dass die Kunden in der Lage sind, ihren eigenen Energieverbrauch zu steuern.“ Mit einer jährlichen Ablesung, oder, wie in Österreich, vielfach nur alle drei Jahre, ist diese Anforderung nicht zu erreichen.
Eine noch stärker formulierte Forderung für Smart Metering kommt vom dritten legislativen Paket für die europäischen Strom- und Gasmärkte. Das Paket wurde am 25. Juni 2009 vom Rat verabschiedet. Die Richtlinie fordert, dass 80% der EndkundInnen spätestens im Jahr 2020 intelligente Zähler haben, vorausgesetzt eine vorangegangene Kosten-Nutzen-Analyse fällt positiv aus.
Auch bei der Novelle der EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) fordert das Europäische Parlament in ihrem Bericht für die erste Lesung, dass intelligente Zähler in allen neuen Gebäuden und bei umfassender Sanierung eingebaut werden. Die Gesetzgebung auf europäischer Ebene weist daher unverkennbar in Richtung Smart Metering.
Intelligente Zähler bald auch in Österreich
In Österreich liegt derzeit noch keine Gesetzgebung vor, die den Einbau von intelligenten Zählern verlangt. Allerdings ersuchen SPÖ und ÖVP im Juli 2009 in einem gemeinsamen Entschließungsantrag im Nationalrat den Wirtschaftminister, „neue Technologien im Bereich des Zählerwesens – Smart Metering – zu forcieren.“
Nach Einschätzung der E-Control bedarf es keiner neuen gesetzlichen Grundlage, sondern sind Verordnungen und Vereinbarungen mit der Energiewirtschaft ausreichend. Bei einer Veranstaltung im Mai 2009 konkretisierte die E-Control ihre Pläne, die Verhandlungen über die Einführung von Smart Metering mit den Netzbetreibern bis Ende 2009 abzuschließen, damit die entsprechenden Verordnungen 2010 in Kraft treten können und die flächendeckende Einführung von Smart Metering beim Strom bis Ende 2014 und bei Gas bis Ende 2016 erreicht werden kann.
Im Rahmen der flächendeckenden Einführung von Smart Metering in Österreich, werden die Ergebnisse aus der Pilotstudie, die die Österreichische Energieagentur mit der EVN AG durchführt, von größter Relevanz sein. Mit ersten Ergebnissen ist Mitte 2011 zu rechnen.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms "NEUE ENERGIEN 2020" durchgeführt.
Projektdaten
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