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Last Mile Link

Das Ziel von Last Mile Link ist es, ein geeignetes System zu entwickeln, welches die Lücke im öffentlichen Verkehr zwischen der Verkehrszielstation (z.B.: Bahnhof) und dem eigentlichen Reiseziel (z.B.: Hotel) effizient schließt und gleichzeitig auch die erforderliche Vor-Ort-Mobilität bei diesen Reisen sicherstellt. Beides sind wesentliche Verkehrsmittelwahlkriterien. Im Rahmen von Last Mile Link wird dabei ein Gesamtkonzept entwickelt.

Ausgangslage

Die so genannte "Letzte Meile" stellt für ÖV-Benutzer häufig die größte Hürde dar und ist somit auch eine wesentliche Barriere zur Benutzung des ÖV an sich. Hinsichtlich einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung, die als Kernstück die Benutzung umweltfreundlicher öffentlicher Verkehrsmittel innehat, ist es unumgänglich, die gesamte Mobilitätskette den Kundenbedürfnissen bestmöglich anzupassen.
Die Mobilitätskette umspannt dabei nicht nur die Reise an sich, sondern beginnt bei den ersten Vorbereitungen zur Reise und endet am Reiseziel bei der Vor-Ort-Mobilität.

Aus der Sicht potentieller ÖV-Benutzer stellt hierbei die so genannte "Letzte Meile" in mehrfacher Hinsicht das schwächste Glied der Mobilitätskette dar. Aufgrund nicht zufrieden stellender öffentlicher Verkehrsstrukturen in vielen Regionen Österreichs wird eine Anreise z.B. mit der Bahn dadurch erschwert, dass der Weg vom Ausgangspunkt zum ÖV-Ausgangspunkt sowie vom ÖV-Endpunkt zum Reiseziel nur mangelhaft oder gar nicht entsprechend erschlossen ist. Dieser Weg muss sehr oft mit einem häufig kostenpflichtigen Abholservice oder einer Taxifahrt durchgeführt werden, was sich nachteilig auf das Entscheidungskriterium "Reisekosten" auswirkt.

Das zweite nicht geringer zu bewertende Problem mangelhafter regionaler öffentlicher Verkehrserschließungen ist die fehlende Vor-Ort-Mobilität. Aus "Reisegepäck im Eisenbahnverkehr" ([1] Rüger, Bernhard; Dissertation am Institut für Eisenbahnwesen, TU-Wien, 2004) ist bekannt, dass diese neben der Mitnahme von Reisegepäck zum wichtigsten Verkehrsmittelwahlentscheidungskriterium zählt. Demnach möchten die Reisenden auch am Reiseziel ihren Bedürfnissen bestmöglich nachkommen können. Je nach Reisezweck ist dabei eine ausreichende regionale Mobilität am Reiseziel sicher zu stellen. Dies bedeutet, selbst wenn die Reise an sich, inklusive Abholservice zum Hotel, perfekt funktioniert, aber die Mobilität vor Ort nicht in ausreichendem Umfang garantiert werden kann, ist dies für 70% der heute mit dem Pkw Reisenden ein wesentlicher Grund nicht mit der Bahn zu reisen (vgl. [1]).

Europaweit gibt es zahlreiche Projekte, die sich mit dem Schließen der beschriebenen Lücke auseinandersetzen.
In Österreich gibt es als einzig geeignet erscheinendes System Carsharing.at, welches von Denzel Mobility betrieben wird. Dabei erfolgt auf Angebotsebene eine Zusammenarbeit mit zahlreichen großen Mobilitätsanbietern wie den ÖBB, Wiener Linien und vielen mehr.
Bei diesem System kann telefonisch oder via Internet an einem der Standorte ein Fahrzeug für eine gewisse Zeit vorreserviert werden. Der Kunde kann mit einer so genannten Key-Card (Scheckkarte) das Fahrzeug öffnen und sogleich in Betrieb nehmen.

Das in Österreich angebotene System hat in Kombination mit Bahnreisen zwei entscheidende Nachteile: Erstens gibt es nur an sehr wenigen ausgewählten Bahnhöfen entsprechende Standorte. Zweitens muss das entlehnte Fahrzeug wieder am Standort zurückgegeben werden, was die Flexibilität entsprechend einschränkt.
Ergänzend dazu bieten die ÖBB in Kooperation mit Lauda Motion "smarts" ab 9 € pro Tag an, dies aber nur an einigen wenigen ausgewählten Bahnhöfen.

Analyse

Daher werden im Projekt existierende innovative Zugänge analysiert und auch die Frage "Fahrzeugnutzung (Dienstleistung) vs. Fahrzeugbesitz" beleuchtet. Dazu zählen:

  • Fahrradverleihsysteme: TU Wien-IVV ist Projektpartner des Projekts OBIS, in dem unter anderem die Systeme von Wien, Berlin, München, Paris, Lyon, Rom, Mailand, London, Barcelona, Prag etc. (insgesamt 51 Verleihsysteme) untersucht wurden.
  • Elektrofahrrad-(Pedelec)verleih in der Schweiz: Dieses, vor allem touristisch ausgelegte Projekt ermöglicht das Ausleihen, Fahren, Batterietauschen und Zurückgeben von/mit Pedelecs an vielen relevanten Punkten in der gesamten Schweiz (z.B. www.myswitzerland.com oder www.veloland.ch).
  • Car Sharing System "car2go" Ulm: Angeboten werden rund 200 Autos im öffentlichen Straßenraum, die spontan oder gegen Vorbestellung gebucht werden können, mit geringem Aufwand, nahezu frei wählbarem Rückgabeort und ohne Fixkosten.
  • "Autolib" in Paris: Ausgehend von "Velolib", dem Radverleihsystem in Paris, sollen in der französischen Hauptstadt im Jahr 2010 an 700 Standorten bis zu 4000 Elektrofahrzeuge in Form von CarSharing zur Verfügung gestellt werden. 2000 Elektro-Fahrzeuge sollen in Paris sowie 2000 weitere in der Umgebung von Paris zur Verfügung gestellt werden.

Das Projekt im Detail

Last Mile Link untersucht die grundsätzlichen Möglichkeiten und die Grenzen der "beliebigen Nutzung", wobei auf größtmögliche Flexibilität für die potentiellen Nutzergruppen Bedacht genommen wird.
Das heißt, es werden durch genaue Analysen bestehender Systeme und Betrachtung entsprechender Weiterentwicklungspotentiale die Grenzen des Machbaren und Sinnvollen aufgezeigt. Die gedankliche Ausreizung der Grenzen ist dabei wesentlich, um die notwendigen Grundlagen für die Entwicklung eines möglichst effizienten, aber auch kundenfreundlichen, flexiblen Mobilitätssystems entwickeln zu können.

LML untersucht dabei im Konkreten drei Bereiche:

  • Erstens wird die Machbarkeit eines konkreten Geschäftsmodells untersucht. Dabei steht die größtmögliche Flexibilität für die potentiellen Nutzergruppen im Vordergrund.
  • Zweitens werden die technischen Rahmenbedingen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten hinsichtlich der Reservierungs- und Ortungssysteme überprüft. Es wird dabei insbesondere untersucht, inwiefern eine möglichst einfache Ortung- bzw. Buchung via Handy möglich ist und inwiefern eine Implementierung z.B. in die Fahrplanabfrage oder beim Ticketkauf möglich ist.
  • Drittens werden Grundlagen für ein verändertes Fahrzeugkonzept erarbeitet. Es müssen den jeweiligen Einsatzbedingungen entsprechende, möglichst effiziente und kostengünstige Fahrzeuge entwickelt bzw. eingesetzt werden, die dennoch den Kriterien der Verkehrssicherheit entsprechen. Die Fahrzeuge sollen zwei bis vier Personen, aber auch Gepäck befördern und auch für Mobilitätseingeschränkte nutzbar sein.
    Weiters ist darauf zu achten, dass die Fahrzeuge einen höchstmöglichen Standard hinsichtlich des Umweltschutzes bieten, weshalb sich eine Ausführung als Elektromobile anbietet. Um die erforderliche Flexibilität zu ermöglichen, muss das Fahrzeug auch an andere Orte überstellbar sein. Diesbezüglich wäre ein Gedankenmodell, solche Kleinfahrzeuge kuppelbar zu gestalten, damit mehrere Fahrzeuge auf einmal, z.B. von einem örtlichen Mitarbeiter des Tourismusverbandes, überstellt werden können. Bestandteil der Untersuchungen sind vor allem auch verschiedene Fahrzeugvarianten von sehr klein wie etwa REVA oder Hotzenblitz, über kurz vor der Markteinführung stehende Modelle von OEMs2 wie etwa Mitsubishi i- MiEV oder Renault-Serienfahrzeuge aus der "ZE"- (ZeroEmission) Serie, Hybridfahrzeuge (Toyota Prius, Honda Insight) bis hin zu ganz konventionellen Fahrzeugen für die Akzeptanztests.

Projektlaufzeit: 2010 – 2011

 

Gefördert in der Programmlinie "ways2go" vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie.

  

Projektdaten

Auftraggeber

Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Projektleiter

Projektteam

  • Mag. Reinhard Jellinek, Österreichische Energieagentur
  • Mag. Robin Krutak, Österreichische Energieagentur

Projektpartner

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gedruckt am: 21.05.2012