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Evaluierungsbericht zur Klimastrategie 2002

Wien, 11. April 2006 – Durch die Maßnahmen der Klimastrategie 2002, die bis Anfang 2005 in Kraft gesetzt wurden, werden 2010 Treibhausgasemissionen in Höhe von ca. 8 Mio Tonnen vermieden werden. So lautet ein Ergebnis des Evaluierungsberichtes zur Klimastrategie 2002, der gemeinsam von Österreichischer Energieagentur und Umweltbundesamt im Auftrag des Lebensministeriums erstellt wurde.

Die Reduktion von etwa 8 Mio Tonnen Treibhausgasemissionen bezieht sich auf Maßnahmen der Klimastrategie 2002, mit deren legistischer bzw. organisatorischer Umsetzung bereits vor 2005 begonnen wurde. Unter Einbeziehung dieser Effekte werden für 2010 knapp 90 Mio Tonnen Treibhausgasemissionen errechnet. Ein weiteres Reduktionspotenzial von ca. 5 Mio Tonnen ergibt sich aus Maßnahmen der Klimastrategie 2002, die zwischen Anfang 2005 und 2010 umgesetzt werden sowie zusätzlich möglichen Maßnahmen. Unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Maßnahmen errechnen sich Treibhausgasemissionen im Jahr 2010 in Höhe von ca. 85 Mio Tonnen.

Im Rahmen des Joint Implementation (JI)/Clean Development Mechanism (CDM)-Programms ist eine Reduktion über Projekte im Ausland im Ausmaß von 7 Mio Tonnen Treibhausgasemissionen pro Jahr geplant.

Das österreichische Klimaziel für 2010 ist mit 13 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als im Basisjahr 1990 festgelegt – absolut ca. 68 Mio Tonnen. Gegenüber diesem Klimaschutzziel ist somit noch eine Reduktion von Treibhausgasemissionen im Ausmaß von ca. 10 Mio Tonnen erforderlich. Für diese weiterhin notwendige Emissionsverminderung wird zur Anpassung der Klimastrategie das Maßnahmenbündel für alle Sektoren erarbeitet.

Die Evaluierung der Maßnahmen nach Sektoren im Detail

Sektor Industrie

Reduktionseffekte von insgesamt 2,34 Mio Tonnen Treibhausgasemissionen wurden im Sektor Industrie für das Jahr 2010 quantifiziert. Als bereits umgesetzte Maßnahmen mit der größten Wirkung wurden innerbetriebliche Optimierung – die Weiterentwicklung des Standes der Technik – mit ca. 650.000 Tonnen Treibhausgasemissionen und der Einsatz von Biomasse mit ca. 490.000 Tonnen abgeschätzt. Der Einsatz eines neuen Verfahrens zur Lachgasreduktion bei der Produktion von Salpetersäure wird mit ca. 500.000 Tonnen CO2-Äquivalent-Emissionen quantifiziert.

Zusätzliche Reduktionen könnten durch Stromeinsparung – ca. 370.000 Tonnen Treibhausgasemissionen – und andere Maßnahmen im Bereich innerbetriebliche Optimierung – ca. 50.000 Tonnen – erreicht werden. Der Einsatz von Biomasse – maßgeblich gefördert durch die Umweltförderung Inland – birgt ein zusätzliches Verminderungspotenzial von ca. 280.000 Tonnen.

Als zukünftig viel versprechend werden darüber hinaus das Reduktionspotenzial durch weitere Maßnahmen zur innerbetrieblichen Optimierung und die Errichtung einer weiteren Anlage zur Lachgasreduktion eingeschätzt. Eine deutliche Treibhausgasreduktion ist in Zukunft auch durch den effizienten Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und die sektorübergreifende Nutzung der Abwärme möglich.

Der Emissionshandel kann zur Treibhausgasreduktion in den Sektoren Industrie und Energieaufbringung beitragen, wenn dadurch Anreize für Energiesparmaßnahmen geschaffen werden. Die Wirksamkeit dieses Instrumentes in der Kyoto-Zielperiode hängt von der Zuteilung für 2008-2012 ab.

Sektor Verkehr

Ein Vermeidungspotenzial von rund 3,6 Mio Tonnen Treibhausgasemissionen ergab die Evaluierung im Sektor Verkehr für 2010. Ca. 1,39 Mio Tonnen sind durch den Einsatz von Biotreibstoff zu erwarten. Durch zusätzliche Anstrengungen können die Effekte dieser Maßnahme um 680.000 Tonnen erhöht werden. Zahlreiche weitere Maßnahmen im Sektor Verkehr könnten zu zusätzlichen Reduktionseffekten von insgesamt ca. 1,56 Mio Tonnen führen: Geschwindigkeitsbeschränkungen, Anpassung NOVA, Bewusstseinsbildungsmaßnahmen sowie alternative und energieeffiziente Fahrzeuge und Antriebskonzepte.

Aufgrund vergleichsweise niedriger Kraftstoffpreise in Österreich wird derzeit eine hohe Menge Kraftstoff in Österreich getankt und im Ausland verfahren. Dieser Tanktourismus-Effekt führt 2010 zu Österreich zugerechneten Treibhausgasemissionen in der Höhe von 6 Mio Tonnen, zu deren Vermeidung geeignete Maßnahmen zu setzen sein werden.

Sektor Raumwärme & Kleinverbrauch

In Summe kann in diesem Sektor eine Einsparung von 2,63 Mio Tonnen CO2-Äquivalent-Emissionen im Jahr 2010 erzielt werden. Auf den Bereich Raumwärme entfallen davon ca. 1,85 Mio Tonnen. Lange Reinvestitionszyklen bewirken eine verhältnismäßig langsame Reduktion der Emissionen im Gebäudebereich. Dementsprechend werden die meisten Maßnahmen im Sektor Raumwärme erst nach 15-20 Jahren eine deutlich wahrnehmbare Wirkung entfalten. Als weitere Besonderheit ist zu werten, dass isolierte Einzelmaßnahmen in Summe ungleich weniger große Effekte zeitigen als ein konzertiertes Maßnahmenbündel. Dazu zählen u. a. die Neuausrichtung der Althaussanierungsförderung, die Einführung von Qualitätskriterien in der Sanierungsförderung, die Intensivierung der Kesseltauschförderung, die Änderung bautechnischer Vorschriften, die Einführung eines bundeseinheitlichen Energieausweises, die Verpflichtung zu regelmäßigen Inspektionen von Heizanlagen und zum Austausch alter Kessel sowie die klare Bevorzugung von Niedrig- und Passivhausbauweisen in der Neubau-Wohnbauförderung.

Beim Kleinverbrauch könnte eine Reduktion von ca. 779.000 Tonnen CO2-Äquivalent-Emissionen erzielt werden. Wesentliches Prinzip dabei ist, dass diese Strom-Einsparungen keinen Komfortverlust mit sich bringen. Im Bereich der Haushalte könnte bei der Weißware ein Einsparpotenzial von 202.000 Tonnen ausgeschöpft werden. Das mit 83.000 Tonnen Treibhausgasemissionen zweitgrößte Einsparpotenzial im Haushalt liegt in der Reduktion des Stand-by-Verbrauchs.

Im Dienstleistungsbereich weisen Sanierungsmaßnahmen und effizientere Neubauten im Bürogebäudebereich mit 208.000 Tonnen Treibhausgasemissionen die höchsten Einsparpotenziale auf. Dahinter liegen der Einsatz effizienterer Bürogeräte und die Reduktion von Stand-by-Verlusten mit 130.000 Tonnen.

Sektor Energieaufbringung

Im Sektor Energieaufbringung konnte für das Jahr 2010 ein Reduktionseffekt von insgesamt rund 3,2 Mio Tonnen Treibhausgasemissionen evaluiert werden. Ca. 2,4 Mio Tonnen davon entfallen auf Maßnahmen, mit deren legistischer bzw. organisatorischer Umsetzung bereits vor 2005 begonnen wurde.

Die quantitativ größten Reduktionspotenziale ergeben sich aus dem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energieträger zur Stromerzeugung und den gesteigerten Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Biomasse-KWK weist einen Effekt von ca. 700.000 Tonnen CO2-Äquivalent auf. Dazu kommen die Effekte aus Windkraft mit 690.000 Tonnen und der Ausbau der Wasserkraft mit 470.000 Tonnen. Die verstärkte Nutzung von Strom und Wärme aus fossilen und Abfall-KWK-Anlagen wird mit 420.000 Tonnen CO2-Äquivalent quantifiziert.

Stromeinsparungen in den Sektoren Industrie und Raumwärme werden sektorübergreifend als Treibhausgasemissionsreduktionen in der Energieaufbringung wirksam. Ab- und Fernwärme aus den Sektoren Energieaufbringung und Industrie reduzieren die CO2-Emissionen des Raumwärmesektors.

Sektoren Fluorierte Gase, Abfallwirtschaft und Landwirtschaft

Für den Reduktionseffekt im Jahr 2010 von 680.000 Tonnen Treibhausgasemissionen bei den Fluorierten Gasen ist die Industriegasverordnung entscheidend.

Im Sektor Abfallwirtschaft wurde für die Umsetzung der Deponieverordnung – Restmüllverbrennung und verstärkte mechanisch, biologische Abfallbehandlung – ein Reduktionspotential von 420.000 Tonnen festgestellt.

Im Sektor Landwirtschaft ergibt sich aus den Maßnahmen der Klimastrategie, vor allem im Bereich Biolandbau bzw. Verzichtsmaßnahmen, eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um ca. 260.000 Tonnen im Jahr 2010.

Rückfragehinweis
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
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Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-194
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gedruckt am: 21.05.2012