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Niedrigenergie- und Solararchitektur im Seminarzentrum Hostetín

Tschechisch-Österreichische Zusammenarbeit und Know-how-Austausch

Wien, 24. Oktober 2006 - Die Eröffnung des Seminarhauses im ökologischen Muster-Dorf Hostetín in den Weißen Karpaten am 24. Oktober 2006 bildet wichtigen Meilenstein einer langjährigen Zusammenarbeit im Rahmen der Tschechisch-Österreichischen Energiepartnerschaft. Der Bau wurde gemeinsam von österreichischen und tschechischen Architekten nach Prinzipien der Niedrigenergie- und Solararchitektur geplant und dient gleichzeitig als Demonstrations- und Schulungsobjekt für künftige PlanerInnen und BauexpertInnen.

Der beispielhafte Bau des Seminarzentrums in Hostetín diente als Demonstrationsbeispiel für die Planung von Gebäuden nach den Prinzipien von Solararchitektur, Niedrigenergie- und Passivhausbauweise, aktiver und passiver Solarenergienutzung. Die Österreichische Energieagentur begleitete im Rahmen der Tschechisch-Österreichischen Energiepartnerschaft die mehrjährige Zusammenarbeit zwischen dem österreichischen Architekten Wolfgang Reinberg und den tschechischen Architekten Zlamal&Stolek, sowie dem Projektträger, der Umwelt-Stiftung Veronica. Das Land Niederösterreich finanzierte einen Teil der Planungsarbeit. So wurde ein intensiver Austausch von Know-how während der Entwicklung bis zur Bauphase zwischen den österreichischen und tschechischen Akteuren ermöglicht.

Der Aufbau von Know-how in diesen Bereichen wird nun in der Arbeit des neu eröffneten Seminarzentrums fortgesetzt: in Schulungen für tschechische ArchitektInnen und Studierende der Architektur, Professionisten aus dem Solar- und Baubereich und Multiplikatoren wie LehrerInnen berufsbildender Schulen, PolitikerInnen, und BehördenvertreterInnen.

Das Dorf Hostetín selbst kann als Modell für eigenständige nachhaltige Regionalentwicklung gelten - unter anderem gibt es dort eine Mosterei, in der Bio-Äpfel der Region verarbeitet werden, eine Biomasse-Nahwärmeversorgung, eine Pflanzenkläranlage und zehn Solarsysteme in einzelnen Haushalten.

Niedrigenergiebau mit aktiver und passiver Solarenergienutzung

Das Gebäude wird neben seiner Funktion als Schulungszentrum Raum für die Ausbildung und Unterbringung von rund 30 Personen, sowie Arbeitsräume für die Angestellten bieten. Am Grundstück befinden sich auch die Mosterei und das Lager für den Apfelsaft, das mit Strohballen isoliert ist. Das Seminarzentrum besteht aus drei Bauteilen - dem eigentlichen Seminarhaus mit Büroräumen im Obergeschoß, dem Gästehaus, sowie dem Küchentrakt. Diese werden über eine gemeinsame Eingangshalle erschlossen, die als thermischer Puffer dient. Hoch gedämmte Bauteile reduzieren den Wärmeverlust. Durch eine Anlage zur Rückgewinnung der Lüftungswärme wird auch die Energie, die sonst durch das Lüften verloren geht, zu rund 80 % im Gebäude gehalten. Passive Solarmaßnahmen - Süd-Ost und Süd-West ausgerichtete Fenster - reduzieren den Wärmebedarf weiter. Fassadenkollektoren liefern - neben der bereits bestehenden Solaranlage auf der Mosterei - Warmwasser und tragen zur Heizungsunterstützung bei. Ein zentraler Warmwasserspeicher managt den durch die Nutzung des Gebäudes schwankenden Wärmebedarf. Den Restwärmebedarf deckt das Biomasseheizwerk des Dorfes. Anhand der Dokumentation des Planungsprozesses wird derzeit auch ein Schulungs-Modul für derartige Planungen erstellt, das im Zentrum für Schulungen für Architekten, Studierende und Fachleute aus dem Baubereich genutzt werden wird.

Finanzierung

Die Gesamtinvestition beträgt rund 20 Mio. CZK. Das Österreichische Lebensministerium, und das Land Niederösterreich übernahmen rund 50 % der Kosten der Planungsleistungen. Die Investitionsmittel kommen von den EU Strukturfonds (ERDF) via SROP: Spolecný regionální operacní program (Gemeinsames regionales operatives Programm), vom MATRA Programm, Niederlanden via Stiftung Partnership und dem Tschechischen Staatsfonds für Umwelt.

Energie und Architektur: Ein Schwerpunkt der Tschechisch-Österreichischen Energiepartnerschaft

Die Energiepartnerschaft zwischen der Tschechischen Republik und Österreich besteht seit 1999. Das bilaterale Programm wird von der Österreichischen Energieagentur im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreut. Partner auf tschechischer Seite sind die Tschechische Energieagentur CEA und andere Institutionen im Energiebereich. "Energie und Architektur" ist einer der Schwerpunkte der bilateralen Energiepartnerschaft zwischen der Tschechischen Republik und Österreich. Ein weiterer Schwerpunkt war "Kraft-Wärme-Kopplung": die Ergebnisse eines von der Österreichischen Energieagentur gemeinsam mit der Prager Firma CITYPLAN aufgebauten "Kompetenzzentrums für Kraft-Wärme-Kopplung" werden demnächst in einer englischsprachigen Broschüre präsentiert. Weiters wurde eine Reihe von Biomassenahwärmeanlagen realisiert, gemeinsame Workshops und Konferenzen (etwa zu den Themen Kleinwasserkraft und Biotreibstoffe) abgehalten und ExpertInnen-Diskussionen, etwa zum Thema Ökostrom-Förderungen, durchgeführt. Im April 2005 nutzten 25 österreichische Firmen und 150 tschechische Firmenvertreter, Bürgermeister und andere Interessenten aus dem Energiebereich die "Österreichischen Energietage in der Tschechischen Republik", um Kontakte für die Zusammenarbeit bei Energieprojekten zu knüpfen.

Rückfragehinweis
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Pressestelle
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-194
E-Mail: pr(at)energyagency.at

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gedruckt am: 21.05.2012