Energiegespräche der Österreichischen Energieagentur zeigen: die Zukunft gehört dem Elektroauto
„Strom statt Diesel und Benzin: Gehört die Zukunft den Elektroautos?“ war der spannende Titel der jüngsten Veranstaltung aus der Reihe „Energiegespräche“, die von der Österreichischen Energieagentur in Kooperation mit der Energy Economics Group der TU Wien und dem Technischen Museum Wien organisiert wird. Fazit: das Elektroauto ist zwar nicht das verkehrs- und klimapolitische Allheilmittel, aber derzeit die erfolgversprechendste Alternative, um künftig einen signifikanten Teil unserer Mobilität abdecken zu können.
Wien, 13. Oktober 2008 - Die Thematik ist aufgrund konstant hoher Treibstoffpreise bei Benzin und Diesel brandaktuell und so sorgten 170 interessierte BesucherInnen am Dienstag, den 7. Oktober 2008 für einen neuen Besucherrekord und volle Auslastung des Festsaals im Technischen Museum. Als Vortragende konnten DI Günter Lichtblau vom Umweltbundesamt, Dr. Stefan Jakubek und Dr. Mario Schweiger von AVL List GmbH, Graz sowie DI Christoph Leitinger von der TU Wien gewonnen werden.
Zahlreiche große Autohersteller aus Europa, Asien und den USA haben angekündigt, in ein bis zwei Jahren batterie-elektrisch betriebene Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Zwar werden die Anschaffungskosten von Elektro-Fahrzeugen - bedingt durch die relativ teuren Energiespeicher (Batterien) - zu diesem Zeitpunkt noch über jenen konventioneller Diesel- oder Benzinautos liegen. Dafür führen erheblich geringere Betriebskosten bei entsprechend hohen Kilometerleistungen bereits nach wenigen Jahren zu einer Amortisation der anfänglichen Mehrkosten. Mit steigenden Produktionszahlen bei Batterien und Fahrzeugen bzw. steigenden Preisen bei Benzin und Diesel ist zu erwarten, dass diese Kostenschere noch erheblich kleiner wird. Auch Leasingmodelle für E-Autos können die höheren Anschaffungskosten mildern.
„Elektroautos werden in absehbarer Zeit ihren Beitrag auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Verkehrssystem leisten“, ist Willy Raimund, Leiter des Geschäftsfeldes Mobilität und Verkehr bei der Österreichischen Energieagentur überzeugt. Gleichzeitig warnten die vortragenden Experten aber auch einhellig davor, E-Autos als Allheilmittel für die durch den Verkehr entstehenden Probleme zu sehen: Flächenverbrauch, Unfälle oder Staus werden dadurch nicht wirksam eingedämmt. Dazu bedarf es übergeordneter Ansätze der Verkehrsvermeidung und -verlagerung.
Woher kommt der Strom?
Große Hoffnungen setzen die Referenten mittelfristig in die Gewinnung von Strom für E-Autos aus erneuerbaren Quellen: Photovoltaik, Wind oder auch Biomasse. Das trägt wesentlich zur Verbesserung der Ökobilanz elektrischer Mobilität bei. Ein bedeutender Vorteil von E-Autos ist weiters der im Vergleich zu Verbrennungskraftmaschinen enorm hohe Wirkungsgrad von Elektromotoren, etwa mit Faktor 3:1.
Auch die gesamte Ökobilanz der elektrischen Mobilität, inklusive Erzeugung, Betrieb und Entsorgung des Fahrzeugs bzw. Energieträgers, ist ersten Zwischenergebnissen einer Studie des Umweltbundesamtes zufolge im Vergleich zu konventionellen, fossilen Antrieben gut und sogar etwas besser als bei Biotreibstoffen.
14m² Photovoltaik für 10.000 km im Jahr
Laut Studien der TU Wien ist es bereits mit vierzehn Quadratmetern Photovoltaik-Fläche möglich, ein vollwertiges Elektroauto „energieautark“ aus erneuerbaren Quellen zu betreiben. DI Christoph Leitinger, Vortragender vom Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der TU Wien, stellte diesen viel versprechenden Entwicklungspfad, basierend auf einem umfassenden Ausbau von Photovoltaik, vor.
Hybrid-Elektro-Fahrzeuge fungieren dabei als Marktöffner und schaffen Akzeptanz für die weitere Elektrifizierung des Antriebs. So ebnen sie den Weg zu vollständig elektrischer Mobilität, sind Dr. Stefan Jakubek und Dr. Mario Schweiger von AVL List überzeugt.
Da Elektroautos mit rund 120 Kilometern Reichweite auch in absehbarer Zukunft nicht die Reichweite von rund 800 Kilometern fossil betriebener Fahrzeuge erreichen werden, schlugen die Experten einen „Paradigmenwechsel“ vor, der zu einem Umdenken bei den KonsumentInnen dahingehend führen soll, dass auch E-Autos für den Löwenanteil der täglichen Fahrten und üblichen Fahrdistanzen eine gute Alternative sind. Schließlich ist in Österreich rund die Hälfte aller Fahrten kürzer als 5 km. Andererseits könnte auch ein Konzept von Batterietauschstationen für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Dieses sieht vor, dass bei einer Art „Elektrotankstelle“ ein leerer gegen einen vollen Batteriesatz getauscht wird. Damit entfällt auf Seiten des Benutzers der meist langwierige Ladeprozess. Der Einsatz dieses Modells ist im Rahmen eines großen E-Fahrzeug-Projekts in Israel und Portugal namens „Better Place“ geplant.
DI Günther Lichtblau, Experte des Umweltbundesamtes, brachte es auf den Punkt: „Heute kaufen wir unsere Autos nach Anforderungen, denen sie vielleicht einmal im Jahr bei der großen Urlaubsreise gerecht werden müssen. In Zukunft sollten wir den Großteil unserer Wege im Verbund mit dem Öffentlichen Verkehr, dem Rad und zu Fuß erledigen. Autos, die dann zum Einsatz kommen, müssen nicht mit einem Tank 1000 Kilometer weit fahren können – Elektrofahrzeuge sind dann eine ideale, umweltfreundliche Alternative.“
Die Vorträge der Experten stehen unter www.energyagency.at/energiegespraeche zum Download bereit. Passend zum Thema zeigt die Ausstellung „klimafreundlich mobil“ im Technischen Museum viele der neuen Entwicklungen, nicht nur im E-Fahrzeugbereich, und ist noch bis 19. Oktober 2008 geöffnet.
Rückfragehinweis
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
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