Zukunft für Biomasse in Zentraleuropa

Im Zuge des Central Europe Projektes 4Biomass veranstaltete die Österreichische Energieagentur Ende Oktober in Wien ein "Transnationales Forum".

Wien, 07.11.2012 - Das im November 2012 zu Ende gehende Central Europe Projekt "4Biomass – Fostering the sustainable usage of renewable energy sources in Central Europe – putting biomass into action" brachte acht zentraleuropäische Länder – Polen, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Österreich, Slowenien, Ungarn und Italien – zu einer vierjährigen intensiven Kooperation und Austausch von Know-how und Erfahrungen zusammen.

Wie alle Mitgliedsländer der Europäischen Union stehen die zentraleuropäischen Staaten zwischen Polen und Slowenien vor der Herausforderung, ihre Ausbauziele gemäß der EU Erneuerbaren-Richtlinie bis 2020 zu erreichen.

Die relevanten Stakeholder in den am Projekt beteiligten Ländern stimmen weitgehend überein: Der Biomasse-Wärmemarkt soll den mit Abstand größten Beitrag liefern, um die nationalen Erneuerbaren-Ziele zu erreichen. Das kann über drei Wege erfolgen:

  • Die Abwärme von Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplungen kann in der Industrie genutzt, aber auch in Fernwärmesysteme eingespeist werden.
  • Biomasse-Fernwärmesysteme produzieren und verteilen Wärme zum Heizen und für die Warmwasserbereitung.
  • Biomasse-Kleinanlagen, seien diese mit Stückholz, Hackgut oder Holzpellets betrieben, sind eine Möglichkeit, einzelne Gebäude mit Wärme zu versorgen.

In vielen zentraleuropäischen Ländern wird Biomasse derzeit noch in bestehenden Kohlekraftwerken mitverfeuert (Mischfeuerung), während, beispielsweise in Polen, zur gleichen Zeit Landwirte mit Kohle heizen, die sie zukaufen. Das hat zwei Mal weite Transportwege zur Folge und bereitet manchen Kohlekraftwerken zusätzlich technische Probleme. In Polen gibt es, nicht zuletzt als Ergebnis dieses Projektes, inzwischen starke Bestrebungen, Landwirte dabei zu unterstützen, ihre Biomasse selbst zum Heizen zu nutzen.

"Österreich dient bezüglich der Wärmeproduktion aus Biomasse als Vorbild in der ganzen zentraleuropäischen Region", erläutert Johannes Schmidl von der Österreichischen Energieagentur als Projektleiter der österreichischen 4Biomass-Aktivitäten.

Während der fast vierjährigen Projektlaufzeit konnten sich die Projektpartner aus den zentraleuropäischen Ländern auf mehreren Studienreisen ein Bild von der Nutzung der Biomasse in Österreich machen. Besonderes Interesse erregte dabei immer wieder der professionelle Grad der Selbstorganisation von Land- und Forstwirten, die, zumeist auf genossenschaftlicher Ebene, als Investoren und Betreiber von Biomasse-Anlagen aktiv werden.

Ende Oktober fand in Wien ein abschließendes "Transnationales Forum" zum Projekt 4Biomass statt. Etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich und den zentraleuropäischen Ländern setzten sich noch einmal ausgiebig mit strategischen Möglichkeiten und Zielen ebenso wie mit der Frage der Nachhaltigkeit der Biomassenutzung auseinander.

Jan Habart vom Tschechischen Biomasse-Verband CzBiom berichtete über den neu gegründeten Pelletscluster in Tschechien. Paul Minarik beleuchtete die Erfahrungen der Firma Energiecomfort mit der Adaptierung bestehender Fernwärmesysteme in der Slowakei für Bioenergie. Das Spannungsfeld von Elektrizitätsproduktion versus reine Wärmenutzung stellte Adam Gula am Beispiel von Polen dar. Peter Canciani von der Zentraleuropäischen Initiative CEI forderte gemeinsame Anstrengungen im Bereich der Biotreibstoffe der zweiten Generation, die nicht mehr in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen.

Beim Thema Nachhaltigkeit der Bioenergienutzung ging es zunächst um Methoden zur Überprüfung der Nachhaltigkeit. Werden eher gesetzliche Vorgaben oder ein marktbasiertes Zertifikatesystem zum erstrebten Ziel führen? Menschenrechtskonsulent Walter Suntinger stellte dar, wie sich ein neuer Rechtskörper international durchsetzen kann und welche Widerstände zu erwarten sind. Das Beispiel Menschenrechte kann durchaus als Vorbild für die Etablierung umfassender Nachhaltigkeitskriterien im Energiebereich dienen.

In der abschließenden Diskussion wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass eine analoge Diskussion um Nachhaltigkeitsziele bei den fossilen Energieträgern derzeit noch fehlt. Nur diese würde es aber erlauben, die fossile und die erneuerbare Version der Energieversorgung einander anhand objektiver Kriterien gegenüber zu stellen.

Das Transnationale Forum 4Biomass wurde mit einer Exkursion zur Ethanolanlage in Pischelsdorf und zum Biomasse-Heizwerk Stetteldorf am Wagram abgeschlossen.

Das Projekt 4Biomass wird im Rahmen des Central Europe Programms aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Die Österreichische Energieagentur als österreichischer Projektpartner wird vom Lebensministerium kofinanziert.

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency:

Die Österreichische Energieagentur ist das nationale Kompetenzzentrum für Energie in Österreich. Sie berät auf Basis ihrer vorwiegend wissenschaftlichen Tätigkeit Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen in der Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umwelt-schutz sowie Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme, führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt klima:aktiv – die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie.

Rückfragehinweis:
Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Mag. Heinrich Sigmund, MSc
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