Pressekonferenz: Luxusgut Energie?

Österreichs Haushalte gaben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 2.840 Euro brutto für Energie aus – 40 % davon für Mobilität, 32 % für Raumwärme und Warmwasser sowie 28 % für Strom.

Wien, am 11.03.2014 – Als nationales Kompetenzzentrum für Energie erstellt die Österreichische Energieagentur regelmäßig Monitorings zu Energiepreisen.
Neben den einzelnen Indices von Strom, Gas und Treibstoffen für die Energieversorger wird auch der Energiepreisindex (EPI) für die Haushalte aus den Daten des Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria erstellt. Dieser bringt die Preisentwicklung der im Warenkorb der Statistik Austria enthaltenen Energieträger zum Ausdruck. Im Jahresdurchschnitt 2013 gab der EPI um 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr nach. Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung war der Rückgang der Preise von Gas, Heizöl, Eurosuper und Diesel. Der größte Rückgang war bei Heizöl mit minus 5,1 % zu verzeichnen.

Haushaltsausgaben Energie

Österreich verfügt derzeit über rund 3,6 Millionen private Haushalte, die durchschnittlich 2.910 Euro brutto pro Monat ausgeben (Konsumerhebung Statistik Austria). Von den insgesamt 34.920 Euro pro Jahr fielen im vergangenen Jahr im Durchschnitt 2.840 Euro brutto als Energieausgaben an. 40 % davon für Mobilität, 32 % für Raumwärme und Warmwasser sowie 28 % für Strom. (Abb. 3:  Energieausgaben des durchschnittlichen österreichischen Haushalts).

„Mobilität ist in der Zwischenzeit der bedeutendste Kostenfaktor für die Österreicherinnen und Österreicher geworden. Immerhin 1.134 Euro gaben sie im vergangenen Jahr für Treibstoff aus – das sind rund 40 % ihres Haushaltsenergiebudgets“, so DI Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.

Die Entwicklung in den vergangenen sechs Jahren zeigt, dass die Ausgaben für Mobilität mit der Entwicklung der Treibstoffpreise korrelieren. In den Krisenjahren 2008 und 2009 konnte die größte Volatilität bei den Treibstoffkosten verzeichnet werden. Nach einem starken Anstieg im Herbst 2008 fielen die Preise auf einen Tiefstwert im 1. Quartal 2009. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Haushaltsausgaben für Mobilität bei 800 Euro. (Abb. 4:  EPI für Treibstoffe).

Betrachtet man die Kosten für den Bereich Heizung und Warmwasser, kann eine Stabilität bei den Brennstoffkosten beobachtet werden. Das betrifft rund ein Drittel des Haushaltsenergiebudgets. Betrachtet man die einzelnen Energieträger im Detail, zeigt sich über den 5 Jahresschnitt eine generelle Preissteigerung. Heizöl unterliegt stärkeren Schwankungen, Fernwärme steigt preislich kontinuierlich und auch Holzpellets verzeichnen einen Anstieg im Jahresverlauf. (Abb.  2: EPI der Energieträger für die Heizung).

Strompreise sind aktuell Diskussionsthema, zumal Anbieter in den vergangenen Monaten einen intensiven Kampf um KundInnen geführt haben. Betrachtet man die Stromkosten für Licht und elektrische Geräte, so gab 2013 jeder österreichische Haushalt etwa 790 Euro dafür aus. Im Vergleichszeitraum 2008 bis 2013 stiegen die Haushaltsausgaben für Strom um rund 20 %. (Abb. 5: EPI für Elektrische Energie).

So können Haushalte Energiekosten reduzieren

Maßgebliche Einsparungen im Bereich Mobilität kann jeder Haushalt tätigen, indem Fahrten mit dem PKW auf ein Minimum reduziert werden. Immerhin betreffen rund 25 % der Fahrten mit dem PKW in Österreich Strecken von unter zwei Kilometern. Die Österreichische Energieagentur empfiehlt daher die verstärkte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, den Umstieg auf das Fahrrad und zu Fuß gehen. Mit dem PKW sollten nur die notwendigsten Fahrten getätigt werden. Es wird empfohlen, bei der Neuanschaffung eines Fahrzeuges Kriterien wie Verbrauch und CO2-Ausstoß als maßgebliche Parameter für den Kauf heranzuziehen. Auch alternative Antriebsformen (E-Fahrzeuge) sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden.

Um bei den Heizkosten im Sinne des Klimaschutzes Einsparungen zu erzielen, unterscheidet die Österreichische Energieagentur zwischen kurzfristigen, einfachen Maßnahmen für die Reduktion von Heizkosten und der langfristigen Investition in alternative bzw. neue Heizsysteme. Zu ersteren zählen Maßnahmen wie die genaue Regelung der Raumwärme oder die regelmäßige Wartung der Geräte. Als Hilfestellung für langfristige Maßnahmen veröffentlicht die Österreichische Energieagentur regelmäßig einen Vollkostenvergleich für Heizsysteme. Dabei werden nicht nur die Kosten für die Energie selbst berücksichtigt, sondern auch die Anschaffungs- und Wartungskosten für Energieanlagen.

Wer seinen Haushalt in eine neue Wohnung oder ein Haus verlegt, sollte in jedem Fall auf die Angaben am Energieausweis des Gebäudes achten. Der ausgewiesene Heizwärmebedarf (HWB) ist ein maßgeblicher Indikator für den zu erwartenden Heizkostenverbrauch. Beim Einbau neuer Energieanlagen sowie bei der Sanierung  von Gebäuden gibt es Förderungen von Bund und Land.

Der Strompreis setzt sich aus dem Energiepreis, den Netzkosten und den Abgaben und Steuern zusammen. Eine Orientierung über die Energiekosten der verschiedenen Stromanbieter und mögliche Auswirkungen auf das Haushaltbudget geben Tarifkalkulatoren im Internet. Im Haushalt kann ein Gerätetausch zu großen Stromeinsparungen führen. Einen guten Überblick über den aktuellen Gerätemarkt erhält man unter www.topprodukte.at

Zukünftige Entwicklungen der Energiepreise

Die aktuelle Entwicklung in der Ukraine könnte wieder zu Instabilitäten bei den Energiepreisen und zu Unsicherheiten bei der Versorgung führen. Zwar sind in Österreich laut jüngsten Berichten für die aktuelle Heizperiode ausreichend Reserven vorhanden, dennoch machen gerade solche Situationen deutlich, dass Abhängigkeiten dieser Art – rund die Hälfte des nach Österreich importierten Erdgases kommt aus Russland –  auf Dauer keine ideale Lösung für eine stabile Versorgung sind. „Langfristig sollte daher das Ziel verfolgt werden, Unabhängigkeit von Energieimporten zu steigern, um die Versorgungssicherheit dauerhaft zu garantieren“ so DI Peter Traupmann abschließend.


Über die Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency

Die Österreichische Energieagentur ist das nationale Kompetenzzentrum für Energie in Österreich. Sie berät auf Basis ihrer vorwiegend wissenschaftlichen Tätigkeit Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen in der Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme, führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt klima:aktiv – die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Bauen & Sanieren, Energiesparen, Erneuerbare Energie und Mobilität. Weitere Informationen für Mitglieder und Interessenten unter www.energyagency.at.  

Folien der Pressekonferenz (pdf)

Rückfragehinweis:
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Mag. Heinrich Sigmund, MSc
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-110
E-Mail: pr@energyagency.at