Projekt NEWCOM: Mehr Know-how am Bau, um Klimaziele zu erreichen

Fast-Nullenergie-Gebäude sind wichtig für den Klimaschutz, aber schwer zu bauen: Im EU-Projekt NEWCOM wurden entsprechende Trainingseinheiten für Handwerker*innen entwickelt. Eine Kompetenzdatenbank soll diese Qualifikationen europaweit sichtbar und vergleichbar machen. Die Österreichische Energieagentur leitet das europaweite Projekt.

Wien, 4. Jänner 2021 – „Wir alle verbringen große Teile unseres Alltages in Wohnungen, Büros, Schulen, Krankenhäusern oder sonstigen öffentlichen Gebäuden. Den wenigsten Menschen ist dabei bewusst, dass Gebäude der größte Energieverbraucher in der EU und für einen Großteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind“, sagt Georg Trnka, Senior Expert bei der Österreichischen Energieagentur. Ganze 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU gehen auf Gebäude zurück[1], in Österreich sind es etwa 10 Prozent der Treibhausgasemissionen[2].
Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es daher effizientere Gebäude. Mit Anfang 2021 wird der Fast-Nullenergie-Gebäudestandard im Neubau in ganz Europa verpflichtend. Außerdem plant die EU-Kommission eine Initiative für eine „Renovierungswelle“ im Gebäudesektor.

Fast-Nullenergie-Gebäude zu bauen ist nicht einfach

„Gebäude nach dem Niedrigstenergiestandard zu bauen, ist alles andere als einfach“, betont Trnka und skizziert die Herausforderungen, vor denen die Baubranche steht: „Schon kleine Fehler bei der Bauausführung können zu einem erhöhten Energieverbrauch und Komfortverlust führen. Deshalb ist beim Bau von Fast-Nullenergie-Gebäuden die Qualität der Bauausführung von essenzieller Bedeutung.“ Große Verbesserungspotenziale zeigen sich Trnka zufolge bei der Herstellung einer luft- und winddichten Gebäudehülle, bei der Vermeidung von Wärmebrücken und bei der Installation der Gebäudetechnik. Besonders wichtig sei die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit am Bau und natürlich die Qualifikation der Fachkräfte.

Österreichische Energieagentur leitet Projekt NEWCOM

Bei der Qualifikation der Handwerker*innen setzt das EU-Projekt NEWCOM an. Die Österreichische Energieagentur leitet das aus der „BUILD UP Skills“-Initiative hervorgegangene Projekt, das mit Partnern in den Niederlanden, in Ungarn, in der Slowakei und hierzulande umgesetzt wird. „Im Rahmen von NEWCOM wurden gemeinsam mit Weiterbildungsinstituten und anderen Vertretern der Branche praxisorientierte Trainingseinheiten für Fachkräfte entwickelt“, erklärt Trnka.

Dabei geht es etwa um die qualitativ hochwertige Umsetzung von Flachdach- und Bauwerksabdichtungen: Das beinhaltet Dachbegrünungen, die Installation von erneuerbaren Energiesystemen, die Vermeidung von Feuchteschäden und vieles mehr. In einem weiteren Modul steht die optimale Installation von Komfortlüftungssystemen am Programm. Dabei stehen unter anderem Schallschutz, kontrollierte Luftstromverteilung und Wärmerückgewinnung im Vordergrund. Ein drittes Modul fokussiert sich auf die Qualitätssicherung am Bau. Wesentlich dabei ist, dass die unterschiedlichen Gewerke bestmöglich zusammenarbeiten sowie die Luftdichtheit der Gebäudehülle garantiert und die Gebäudetechnik korrekt eingebaut ist.

Kompetenzdatenbank: Europaweite Vergleichbarkeit

Außerdem wurde im Rahmen des Projekts NEWCOM eine Kompetenzdatenbank entwickelt. Ihr Ziel ist die europaweite Vergleichbarkeit der erworbenen Kompetenzen. Durch diese Datenbank wird eine Grundlage für die gegenseitige Anerkennung von Kompetenzen von Fachkräften in ganz Europa geschaffen. Die NEWCOM-Kompetenzdatenbank verknüpft die durch eine Weiterbildung erworbene Kompetenz mit der Fachkraft. Darüber hinaus kann auf Grundlage erworbener Kompetenzen ein Qualifikationspass der Spezialist*innen erstellt werden. „Ein Dachdecker aus Moldawien könnte eine Ausbildung bei der hiesigen BAUAkademie absolvieren. Durch die NEWCOM-Kompetenzdatenbank kann er die so erworbene Qualifikation mit seinem Profil verknüpfen und einen individuellen Qualifikationspass erstellen, der seine Kompetenzen nachvollziehbar macht. Damit kann er seine neu erlernten Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt in ganz Europa überzeugend präsentieren“, erläutert Trnka ein Beispiel.

Aber auch bei der Ausschreibung für Renovierungsmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden könnte die Datenbank eine Rolle spielen: Um eine hohe Ausführungsqualität zu gewährleisten, könnten der Ausschreibung spezifische Anforderungen an die Qualifikation der Fachkräfte hinzugefügt werden. Zum Nachweis der Qualifikation ihrer Fachkräfte könnten die Baufirmen wiederum auf die NEWCOM-Kompetenzdatenbank verweisen.

Das Projekt NEWCOM lief von Anfang September 2017 bis Ende November 2020. „Im Rahmen des Projektes wurden drei Trainingsmodule für vier Länder entwickelt, wobei durch ‚Train-the-Trainer‘-Veranstaltungen bereits über 150 Personen entsprechend geschult werden konnten“, zählt Trnka einige der Erfolge auf. Die Kompetenzdatenbank steht ab sofort in einer Pilotversion als Teil der mit Unterstützung vom europäischen Programm Horizon 2020 entwickelten BUILD UP Skills Advisor App zur Verfügung und wird kontinuierlich weiterentwickelt.


Weitere Informationen

www.newcomtraining.com
Trainingsmaterial: www.newcomtraining.eu
Kompetenzdatenbank: https://ec.europa.eu/easme/en/news/mobile-app-skills-construction

 

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency (AEA)

Die Österreichische Energieagentur liefert Antworten für die klimaneutrale Zukunft: Ziel ist es, unser Leben und Wirtschaften so auszurichten, dass kein Einfluss mehr auf unser Klima gegeben ist. Neue Technologien, Effizienz sowie die Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Sonne, Wasser, Wind und Wald stehen im Mittelpunkt der Lösungen. Dadurch wird für uns und unsere Kinder das Leben in einer intakten Umwelt gesichert und die ökologische Vielfalt erhalten, ohne dabei von Kohle, Öl, Erdgas oder Atomkraft abhängig zu sein. Das ist die missionzero der Österreichischen Energieagentur.

Mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vielfältigen Fachrichtungen beraten auf wissenschaftlicher Basis Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie internationale Organisationen. Sie unterstützen diese beim Umbau des Energiesystems sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise.

Die Österreichische Energieagentur setzt zudem im Auftrag des Bundes die Klimaschutzinitiative klimaaktiv um und nimmt die Aufgaben der Nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle wahr. Der Bund, alle Bundesländer, bedeutende Unternehmen der Energiewirtschaft und der Transportbranche, Interessenverbände sowie wissenschaftliche Organisationen sind Mitglieder dieser Agentur.

Im Podcast Petajoule beantworten die Expertinnen und Experten der Österreichischen Energieagentur mit Gästen aus der Energiebranche die Fragen der Energiezukunft.

Rückfragehinweis
Mag. Klaus Kraigher, MAS
Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-174
E-Mail: pr(at)energyagency.at
Web: www.energyagency.at
Twitter: https://twitter.com/at_AEA


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[1] Europäische Kommission: Energieeffizienz von Gebäuden, https://ec.europa.eu/info/news/focus-energy-efficiency-buildings-2020-feb-17_de (abgerufen am 30.10.2020)

[2] Klimaschutzbericht 2020, Seite 59, https://www.umweltbundesamt.at/studien-reports/publikationsdetail?pub_id=2340&cHash=04535f1c207c6ac8814ee0edb3809750 (abgerufen am 30.10.2020)

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