Chancen und Gefahren von Smart Metering im Energiemarkt

Österreichische Energieagentur veröffentlicht Bericht über Funktion und Entwicklung von Smart Metering in Österreich und Europa

Smart Metering soll über die detaillierte Erfassung von Verbrauchsdaten die Energieeffizienz steigern. Konkret werden dafür die alten mechanischen Zähler getauscht und neue, elektronische Geräte eingesetzt, die – technisch machbar – auch in 15 Minuten Abständen prüfen, wann, was, wie viel an Energie verbraucht wird.  Die Einführung ist in einigen Ländern, Finnland, Spanien und Schweden, bereits im Umsetzung.

Mit der Novelle des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG) liegt auch in Österreich eine rechtliche Grundlage für die Einführung intelligenter Strommessgeräte (Smart Meter) vor. Die Österreichische Energieagentur veröffentlicht heute eine umfassende Studie über den Stand der Einführung intelligenter Zähler in allen EU-Staaten und Norwegen. Der "European Smart Metering Landscape Report" enthält ausführliche Länderprofile für jeden EU-Mitgliedsstaat sowie eine Übersicht über innovative Dienstleistungen, die sowohl mehr Verbrauchsinformationen für Kunden bieten können als auch zu Spitzenlastreduktionen führen sollen.

"Dies allerdings nur nach einer entsprechenden Kosten-Nutzen-Analyse. Denn ohne eine Analyse des konkreten Marktes und der zielgruppenspezifischen Eigenschaften wird eine Einführung von Smart Metering die Erwartungen nicht erfüllen können. Jeder Endkunde sollte mit einem Bericht über seinen Verbrauch ja auch etwas anfangen können und dadurch Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Die Ausstattung mit modernen Zählern ist kostspielig, die Energieversorger müssen auch Vorteile generieren können, etwa das Ausbalancieren von Spitzenverbrauchszeiten. Wir haben uns daher mit den ungeklärten Themen und den in anderen Ländern vorliegenden Erfahrungen beschäftigt, um Entscheidungsgrundlagen für die Energiepolitik in Österreich zu erarbeiten." erklärt Dr. Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, die Motivation für diese Studie.

"Im Vergleich zu anderen Ländern liegt Österreich bei der Einführung von intelligenten Messgeräten im Mittelfeld," erklärt Mag. Gunda Kirchner, Leiterin des Forschungsbereichs Energiewirtschaft, "die rechtliche Basis lässt allerdings viele Fragen offen, sodass die Netzbetreiber erst recht keine Investitionssicherheit haben. So sind die Funktionalitäten dieser Zähler oder Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit noch ungeklärt. Es ist notwendig, einen offenen Dialog über die Nutzen und Nachteile von intelligenten Stromzählern zu beginnen," meint Kirchner.

Der Bericht verweist auf Studien in Großbritannien und Irland, in denen die Reaktion der Kunden auf zusätzliche Informationen untersucht wird. Die Studienergebnisse fließen dort anschließend in eine Kosten-Nutzen-Analyse ein. Das wäre auch für Österreich ein gangbarer Weg. Eine Kosten-Nutzen-Analyse der Österreichischen Energieagentur mit empirischen Untersuchungen wäre die nötige Basis.

Aus Norwegen oder Finnland liegen Erfahrungen vor, wie sich zeitabhängige Tarife auf das Verbrauchsverhalten auswirken, um Spitzenleistungen zu reduzieren. Der "Wattcher" in den Niederlanden erlaubt umfassendes Feedback über den Stromverbrauch mit konventionellen Ferraris-Zählern. Von den Niederlanden kann überdies gelernt werden, dass auch der Schutz der Privatsphäre eines der ernstzunehmenden Themen bei der Einführung von Smart Metering in Österreich sein wird. Aus den Messdaten der elektronischen Stromzähler lassen sich genaue Profile über das Verbrauchsverhalten eines Haushalts erstellen, wodurch das Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berührt werden könnte.

Der "European Smart Metering Landscape Report" ist in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern im Rahmen des Projekts "SmartRegions" entstanden und wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms "Intelligent Energy – Europe" finanziert. Er kann unter www.smartRegions.net kostenfrei bezogen werden.
 
Über die Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency:

Die Österreichische Energieagentur ist das nationale Kompetenzzentrum für Energieeffizienz in Österreich. Sie berät auf Basis ihrer vorwiegend wissenschaftlichen Tätigkeit Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen in der Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme, führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt klima:aktiv – die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie.

Rückfragehinweis:
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Mag. Heinrich Sigmund, MSc
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-101
E-Mail: pr(at)energyagency.at
Web: www.energyagency.at

Bitte beachten Sie die datenschutzrechtlichen Informationen für die Verarbeitung Ihrer Daten. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung und Cookie-Policy