Der Wien Energie Heizkostenvergleich

Der Wien Energie Heizkostenvergleich wurde für eine Auswahl verschiedener Modellgebäude und Raum- und Warmwasserheizungssysteme bzw. -kombinationen entwickelt.

In Anlehnung an die ÖNORM M 7140 wurde eine betriebswirtschaftliche Vergleichsrechnung aus Sicht des Energiekunden entwickelt. Unter Berücksichtigung von Investitions-, Wartungs-, Instandhaltungs- und Betriebskosten sowie der Tarifstruktur der Wien Energie (Gas, Strom, Fernwärme) und sämtlicher gesetzlicher Abgaben und Gebühren werden jährliche Kosten verschiedener Heizsysteme und Energieträger errechnet. Für den Endkunden werden die spezifischen Kosten je Kilowattstunde Nutzenergie (differenziert nach Raumwärme und Warmwasser) vergleichend dargestellt. Nachfolgend werden die Ergebnisse für das Wohnmodell bzw. Wohngebäude Wohnung im mehrgeschossigen Wohnbau und Einfamilienhaus zusammen gefasst.

Wohnmodell: Wohnung im mehrgeschossigen Wohnbau

Im unsanierten Bereich liegen die meisten Heizungsanlagen bei den verbrauchsgebundenen Kosten relativ nahe beieinander. Nur Stromheizungen sind aufgrund des sehr hohen Energieverbrauchs und -kosten weit abgeschlagen. Ebenfalls hohe Kosten verzeichnen Öleinzelöfen, die noch immer im Einsatz sind. Die Fernwärme, insbesondere der Einzelabnehmertarif, stellt für den Endkunden aufgrund der Vertragskonditionen (Wartung und Instandhaltung sind inkludiert) eine preisgünstige Raumwärmeversorgung dar.
Gas-Zentralheizungen können kostenmäßig eine günstige Alternative darstellen. Vorausgesetzt, dass künftig nicht ähnlich hohe Preissteigerungen wie beim Heizöl erreicht werden. Bei der Warmwasserbereitung zeigt sich im unsanierten Bereich ein sehr ähnliches Bild.

Der deutlich niedrigere Energieverbrauch in einer sanierten Wohnung wirkt sich auf die spezifischen Kosten nicht aus. Die geringeren Verbrauchskosten werden durch höhere Anschaffungskosten für neuen Anlagen, z.B. Brennwertgeräte, und für die höheren Kosten für Wartung und Instandhaltung egalisiert. Aus diesem Grund ist auch eine Pelletsheizung nicht konkurrenzfähig. Obschon diese Heizform die mit Abstand geringsten Brennstoffkosten aufweist. Elektrische Heizungsformen gehören auch in diesem Fall zu den teuersten Varianten. Bei der Warmwasserbereitung kommen die Vorteile einer Zentralheizung – hinsichtlich technischer Auslegung und anteilsmäßiger Aufteilung der Anschaffungskosten – voll zum Tragen.
Bei Neubauten mit sehr niedrigem Energieverbrauch wächst der Anteil der Investitionskosten und der damit verbundenen kapitalgebundenen Kosten an den Gesamtkosten noch einmal stark an. Bei den Gasheizungsvarianten zeigt sich erneut der große Kostenvorteil des Zentralheizungskonzepts gegenüber der einzelnen Gastherme. Durch die Förderung der Stadt Wien für Biomasseheizungen kann die Pelletsheizung nur von der Fernwärme kostenmäßig unterboten werden. Hohe Anschaffungskosten für das Warmwassersystem im Neubau (Niedrigenergiehaus) ergeben sich aus der angenommenen solarthermischen Unterstützung zur Warmwasserbereitung. Diese wirkt sich auch deutlich positiv auf die verbrauchsgebundenen Kosten aus, wodurch der Effekt beinahe wieder ausgeglichen wird. Je teurer die fossilen Brennstoffe zukünftig werden, umso günstiger wirkt sich natürlich die solare Gratisenergie auf das Gesamtergebnis aus.

Im Passivhaus verteuert die nötige Lüftungsanlage das Heizsystem deutlich. Der Idealfall der Komfortlüftung ohne „Backupsystem“ wurde in diesem Projekt nicht berücksichtigt. Zwar lässt sich bei den jährlichen Gesamtkosten im Vergleich zum Niedrigenergiehaus trotzdem eine Einsparung erzielen, aber auf die spezifischen Kosten für die Nutzenergie hat dies gravierende Auswirkungen. Bei den spezifischen Kosten liegen alle berechneten Heizungssysteme äußerst nah beieinander. Durch den sehr geringen Verbrauch wäre eine elektrische Direktheizung im Passivhaus finanziell attraktiv, weist aber eine schlechte ökologische Performance auf (hohe Treibhausgase). Die solarthermische Anlage erhöht auch im Passivhaus die Investitionskosten für die Warmwasserbereitung beträchtlich, hat aber gesamt einen höheren Einspareffekt als beim Niedrigenergiehaus, da der relative Anteil der nötigen Energie für die Warmwasserbereitung deutlich höher liegt.

Wohnmodell: Einfamilienhaus

Aufgrund der geringen Anschaffungs- und Brennstoffkosten ist der alte Holzeinzelofen die billigste Variante im unsanierten Einfamilienhaus. Diese Heizungsform ist in Wien u.a. aufgrund des geringen Komforts stark rückläufig. Eine gute Alternative stellt die Scheitholzzentralheizung dar, die mit überschaubaren Investitionskosten und geringen Brennstoffkosten überzeugt. Allerdings bleibt einem auch hier der regelmäßige Gang zum Kessel nicht erspart. Die wesentlich komfortablere und ebenfalls umweltschonende Alternative der Pelletszentralheizung ist bereits erheblich teurer in der Anschaffung. Aufgrund der hohen Brennstoffkosten ist von einer Ölheizung im unsanierten Einfamilienhaus dezidiert abzuraten. In Hinblick auf die Preisentwicklung bei Heizöl im letzten Jahr sollte ein Heizungstausch von einem alten zu einem neuen Ölkessel – auch im Falle eines Brennwertsystems – wohl überlegt werden. Dasselbe gilt im Prinzip auch für Gasheizungen, wiewohl niedrigere Kosten mit Gassystemen erzielt werden können. Das solarthermisch unterstützte Warmwassersystem einer neuwertigen Heizungsvariante führt auch im Einfamilienhaus zu hohen Kosten (wiewohl der verbrauchsgebundene Teil der Kosten erheblich reduziert werden kann).

Obwohl energetisch sehr effizient und mit einem eigenen Stromtarif begünstigt, können Wärmepumpen derzeit finanziell nicht ganz mit Gasheizungssystemen mithalten. Die Tiefenbohrung war in Wien längere Zeit gut gefördert, durch den Wegfall dieser Förderung ist aber der finanzielle Anreiz für dieses Heizungssystem verschwunden. Deutlich besser steht es da um die geförderten Biomasseanlagen, die im sanierten Einfamilienhaus aufgrund ihrer geringen Brennstoffkosten voll punkten können. Pelletsheizungen weisen derzeit noch höhere Gesamtkosten als Gasheizungen auf. Die solarthermische Unterstützung der Warmwasserbereitung von neuen Heizungssystemen führt auch im sanierten Einfamilienhaus zu hohen Gesamtkosten, die durch die Verringerung der verbrauchsgebundenen Kosten nicht egalisiert werden können.

Ein zentral im Haus platzierter Kachelofen stellt im Niedrigenergie-Einfamilienhaus eine günstige und ökologische Heizungsvariante dar. Sofern eine Förderung in Anspruch genommen werden kann, ist auch eine Pelletszentralheizung eine finanziell lohnende Investition. Die billigste Heizung im Niedrigenergiehaus ist aber die Scheitholzzentralheizung, da sie sowohl mit relativ geringen Anschaffungskosten, als auch mit einem niedrigen Brennstoffpreis punktet. Während die Gaszentralheizung im Mittelfeld der spezifischen Nutzenergiekosten liegt, weisen die Wärmepumpen hohe Anschaffungskosten auf.

Das Einfamilien-Passivhaus hat wie schon die Wohnungsvariante im mehrgeschossigen Passivhaus mit den zusätzlichen Anschaffungskosten für die unausweichliche Lüftungsanlage zu kämpfen.

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