Energiepreis-Jahresrückblick 2017: Energie wieder teurer

• Spitzenwerte bei Heizöl und Treibstoffen
• Preise bei Strom und Gas gesunken
• Innerhalb von zehn Jahren 300.000 Ölheizungen weniger
• 10-Jahresvergleich: Inflation steigt doppelt so stark wie Energiepreisindex

Wien, 29. März 2018 – Der Energiepreisindex (EPI) beendete seinen fallenden Trend und stieg im Jahr 2017 erstmals seit 2012 wieder an. Laut Berechnungen der Österreichischen Energieagentur nahm der EPI im Vorjahr um 2,6 % gegenüber 2016 zu und erreichte 97,9 Index-Punkte*.

„Im Jahr 2017 war die Entwicklung der Haushaltsenergiepreise sehr uneinheitlich. Während Heizöl und Treibstoffe deutlich teurer wurden, kam es bei Strom und Gas zu Preissenkungen“, erläutert Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. „Im langfristigen 10-Jahresvergleich liegen die Energiepreise aber auf einem moderaten Niveau. In Summe ist die allgemeine Teuerungsrate in den vergangenen zehn Jahren um rund 20 Prozent gestiegen, der Energiepreisindex jedoch nur um zehn Prozent“, so Traupmann weiter.

Energiepreise im Jahresvergleich 2016 ‑ 2017

Datenquelle: Statistik Austria, Berechnungen: Österreichische Energieagentur

Die allgemeine Teuerungsrate bzw. der Verbraucherpreisindex (VPI) blieb im Jahr 2017 mit 2,1 % etwas hinter dem Anstieg des EPI zurück. Der Einfluss der Energiepreise auf die allgemeine Teuerung war im vergangenen Jahr jedoch gering: Würde man die energierelevanten Komponenten im VPI entfernen, so würde der Anstieg des VPI im Jahresdurchschnitt 2,0 % betragen.

Anziehende Konjunktur lässt Ölpreise steigen

„Ausschlaggebend für die Preisentwicklung der Erdölprodukte waren die steigenden Rohölpreise. Diese lagen 2017 im Durchschnitt um 25 % über den Preisen des Vorjahrs, was unter anderem auch durch die anziehende Konjunktur zu erklären ist“, führt Traupmann aus. Aktuelle Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung lassen 2018 sowohl für Österreich als auch global gesehen einen äußerst positiven Trend erwarten. „Daher sehen wir für 2018 durchaus die Möglichkeit, dass die Rohölpreise und somit auch die Treibstoff- und Heizölpreise weiter steigen“, analysiert Traupmann.

Für Haushalte machte sich der Anstieg des Rohölpreises auf knapp 65 $/bbl bereits 2017 an der Tankstelle bemerkbar. Die Preise von Superbenzin und Diesel näherten sich dem Niveau von 2015 an und lagen laut Berechnungen der Österreichischen Energieagentur für Diesel bei 1,11 Euro (vgl. 2016 1,03 Euro) je Liter, für Superbenzin bei 1,18 Euro (vgl. 2016 1,11 Euro) je Liter. Dieser Preisanstieg zeigte sich auch auf der Tankrechnung: Während eine 50-Liter-Tankfüllung Diesel im Jahr 2017 durchschnittlich € 55,30 (vgl. 2016 € 55,80) kostete, musste für dieselbe Menge Superbenzin € 60,30 (vgl. 2016 58,10) bezahlt werden. Damit ist man aber noch weit entfernt von Preisen wie im Jahr 2012: Damals kostete ein Liter Diesel 1,39 Euro bzw. Superbenzin 1,43 Euro.

Innerhalb von zehn Jahren 300.000 Ölheizungen weniger

Unter den unterschiedlichen Energieträgern stieg 2017 der Preis von Heizöl mit 12,3 % am stärksten an. Im Jahr 2016 wurde noch ein Rückgang von 14 % verzeichnet. Damit musste ein Haushalt im Jahr 2017 für eine 3.000-Liter-Tankfüllung im Schnitt 2.062 Euro bezahlen. Das bedeutete um 222 Euro höhere Kosten für Haushalte im Vergleich zum Jahr 2016.
„Heizöl war Spitzenreiter bei den Preissteigerungen im Vergleich zum Jahr 2016. Jedoch ist seine Bedeutung insgesamt betrachtet rückläufig: Innerhalb von zehn Jahren sind in Österreich in Summe rund 300.000 Ölheizungen weniger im Einsatz“, erklärt Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise. Auswertungen zum Energieeinsatz der Haushalte zeigen, dass 2015/2016 in ganz Österreich in rund 600.000 Hauptwohnsitzen Ölheizungen installiert waren, zehn Jahre davor waren es noch rund 900.000. Ein Blick in die Bundesländer zeigt seit 2003 ebenfalls einen eindeutigen Trend. „Besonders in den westlichen Bundesländern, in denen Ölheizungen in der Vergangenheit prominent vertreten waren, haben wir einen deutlichen Rückgang beobachtet“, so Knaus.

In Tirol und Vorarlberg wurde 2003 noch in rund jedem zweiten Haushalt eine Ölheizung verwendet. Dieser Anteil ging 2016 auf rund ein Viertel (Vorarlberg) bzw. ein knappes Drittel zurück (Tirol). Geringer fällt der Unterschied im Süden und Osten aus, wobei in der Bundeshauptstadt der Anteil an Ölheizungen in Hauptwohnsitzen mit 3 % kaum mehr eine Rolle spielt.
Dieser Trend spiegelt sich auch beim Einsatz von Heizöl für Raumwärme wieder. Diese Entwicklung wird in der folgenden Tabelle auf die Bundesländer heruntergebrochen dargestellt:

Datenquelle: Statistik Austria, Darstellung Österreichische Energieagentur

„Grundsätzlich ist dies eine sehr positive Entwicklung im Hinblick auf die Intention des Regierungsprogramms und eine fossilfreie Energiezukunft, allerdings sind noch zahlreiche weitere Schritte nötig“, sagt Traupmann. „Es muss in den nächsten Jahren gelingen, den Einsatz von fossilen Energieträgern im Bereich Raumwärme massiv zu reduzieren. Auch die Effizienz muss dabei einen Beitrag leisten, wobei auf die thermische Modernisierung von Altbeständen besonderes Augenmerk zu richten sein wird.“

Strom und Gas billiger – Trendwende 2018 möglich

Der Strompreis sank im Jahr 2017 um 5,2 %. Das ist der stärkste Preisrückgang von allen Energieträgern. Die Preissenkungen im Jänner 2017, die auf die Senkung der Ökostromförderkosten zurückzuführen sind, führten über den Jahresverlauf betrachtet zu reduzierten Stromkosten für Haushalte.
Bei Gas wurden die Netztarife zu Jahresbeginn 2017 um durchschnittlich 2,5 % erhöht. Allerdings sanken die Arbeitspreise bis Oktober. Das führte dazu, dass der Gesamtgaspreis um insgesamt 1,6 % niedriger war. Damit war Gas so günstig wie zuletzt im Jahr 2011.
„Im Gegensatz zum Jahresbeginn 2017 wurden Anfang des Jahres 2018 die Netztarife gesenkt, was sich grundsätzlich preissenkend auswirken sollte. Allerdings könnte eine konjunkturbedingte höhere Gasnachfrage zu einer Steigerung der Großhandelspreise führen und damit diesem preissenkenden Effekt entgegenwirken“, analysiert der Geschäftsführer der Energieagentur. „Im Großhandelsbereich sehen wir vor allem bei Strom in den letzten sechs Monaten einen kontinuierlichen Preisanstieg. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, rechnen wir auch im Haushaltsbereich mit Preiserhöhungen, die sich allerdings in einem moderaten Bereich bewegen werden“, ergänzt Traupmann.
Nachdem Fernwärme im Jahr 2016 mit ‑ 0,2 % einen leichten Rückgang verzeichnete, stieg der Preis 2017 um insgesamt 3 % an. Dabei stiegen sowohl die Grundgebühr also auch der Arbeitspreis im Jahresverlauf.

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency

Die Österreichische Energieagentur (AEA) liefert Antworten für die Energiezukunft. Sie berät auf wissenschaftlicher Basis Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die strategischen Schwerpunkte des Kompetenzzentrums für Energie liegen dabei auf der visionzero, ein Strategieprozess für eine fossilfreie Zukunft, der Transformation des Energiesystems in Richtung Energieintelligenz und den damit verbundenen Umbrüchen in den energierelevanten Branchen. Im Vordergrund steht die Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Versorgungssicherheit. Die Österreichische Energieagentur ist national und international tätig. Sie entwickelt Strategien für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung, führt Beratungen und Schulungen durch und ist die Vernetzungsplattform für die Energiebranche. Die Österreichische Energieagentur setzt klimaaktiv – die Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie. Zudem betreibt die Österreichische Energieagentur im Auftrag des BMNT die Nationale Energieeffizienz-Monitoringstelle.

Fragen der Energiezukunft mit ExpertInnen-Know-how beantworten – dieses Ziel unterstützt die Österreichische Energieagentur mit ihrer strategischen Personalentwicklung.

Die Österreichische Energieagentur ist nach ÖNORM ISO 50001:2011 und ISO 29990:2010 zertifiziert.

 

Rückfragehinweis:
Mag. Klaus Kraigher MAS
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
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___________________________________________________________________*Basisjahr 2015 – Indexstand 100.