Kärnten dämmt grün

Wie kann man dafür sorgen, dass in Kärnten mehr nachwachsende Rohstoffe als Dämmstoffe verwendet werden? Kärntner ExpertInnen und Stakeholder der Baubranche sowie der öffentlichen Hand kamen zum Schluss: Vernetzung, bewusstseins- und vertrauensbildende Maßnahmen sowie Fortbildung sind wichtige Hebel, es braucht also ein Maßnahmenbündel.

Nachwachsende Rohstoffe, sogenannte Nawaros, haben als Dämmstoffe derzeit noch eine untergeordnete Bedeutung. Ziel des Projekts war es, gemeinsam mit den relevanten Kärntner AkteurInnen zu klären, wie die Markt­durchdringung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen in Kärnten gesteigert werden kann.

Workshop für Gedankenaustausch

Als Teil des Projektes fand in Klagenfurt am 13. November 2017 ein Workshop statt.  Rund 40 Interessierte folgten der Einladung des Landes Kärnten zu einem intensiven Gedankenaustausch und der Entwicklung von Ideen, wie der Markt – speziell für Sanierungen im Altbau – für nachwachsende Rohstoffe belebt werden könnte. Denn im Neubau werden bereits einfache Lösungen aus vorgefertigten Elementen eingesetzt.

Im ersten Block wurden Einblicke gegeben, wie der technologische Fortschritt im Bereich nachwachsende Dämmstoffe ist, welche Bewertungsmethoden angewendet werden, welche Netzwerke bereits existieren und von welchen realen Umsetzungsbeispielen man lernen kann: Ein Best Case war das vom Klima- und Energiefonds geförderte Schulobjekt in Arnoldstein.

Die einzelnen Vorträge stehen als Download zur Verfügung:

Caroline Thurner (IBO - Institut für Bauen und Ökologie), „Status quo und innovative Produkte/ Innovationspotenziale der ökologischen Dämmstoffe“

Harald Gmeiner (Energieinstitut Vorarlberg), „ Ökologisch Bauen – Erfahrungen aus Vorarlberg“

Kurt Bürger (Marktgemeinde Arnoldstein Umwelt- und Energieberatung) und Gerhard Kopeinig (Arch+More Ziviltechniker GmbH), „Kärnten dämmt grün – die Volksschule Arnoldstein als Vorbildprojekt“

Diskussionsrunden

Ausgehend von den Impulsen aus den Vorträgen wurden mit den Teilnehmenden drei Diskussionsrunden zu folgenden Themenfeldern abgehalten:

  1. Vernetzung, unter der Leitung von Susanne Formanek (Österreichische Energieagentur, IBO)

  2. Barrieren und Unterstützung, unter der Leitung von Reinhard Katzengruber (Amt der Kärntner Landesregierung)

  3. Know-how und Fähigkeiten, unter der Leitung von Gerhard Kopeinig (Arch+More Ziviltechniker GmbH)

Vernetzung, bewusstseins- und vertrauensbildende Maßnahmen, Fortbildung

Die jeweiligen LeiterInnen fassten die Vorschläge und Anregungen der DiskutantInnen zu möglichen Lösungen zusammen. Dabei kam häufig der Wunsch nach stärkerer Vernetzung zum Ausdruck. Als wichtigen Hebel, den Nawaro-Markt zu beleben, wurde das Zurückgreifen auf vorhandene Netzwerke wie Energieberaternetzwerk, das e5-Programm für energieeffiziente Gemeinden oder Klima- und Energie-Modellregionen gesehen. Diese Netzwerke sollen vermehrt auf die Nawaro-Möglichkeiten aufmerksam machen. Als besonders effektiv wurden dabei häufig die öffentlichen Auftraggeber in ihrer Vorbildfunktion genannt.
Ein zweiter wichtiger Themenblock waren bewusstseins- und vertrauensbildende Maßnahmen. In diesem Kontext wurden Vorbildprojekte, Exkursionen, Roadshows, Probewohnen etc. angeführt. Die dritte Gruppe setzte sich mit einer allgegenwärtigen Herausforderung auseinander, und zwar dem Fehlen von qualifizierten VerarbeiterInnen. Es wurde angeregt, Bildungsmaßnahmen zu forcieren. Dabei könnte es sich um Fortbildungsmaßnahmen direkt auf der Baustelle, die Einführung eines Bonus für Unternehmen oder Schulungen für MitarbeiterInnen etc. handeln.

Nur ein Maßnahmenbündel führt zum Ziel

Die Vielzahl von Maßnahmenvorschlägen, wie der Nawaro-Dämmstoffmarkt in Kärnten belebt werden könnte, war beeindruckend. Es wurde allerdings auch deutlich, dass viele Maßnahmen voneinander abhängig sind und es starker UmsetzerInnen bedarf. Nur wenn ein Maßnahmenbündel geschnürt wird, kann mit einer Marktstimulierung (Marktdurchdringung) für Nawaro-Dämmstoffe gerechnet werden.

Projektergebnisse

Am 18. Jänner 2018 wurden die Projektergebnisse in Klagenfurt in Form einer Endpräsentation dem Auftraggeber vorgestellt und mit vom Auftraggeber geladenen Gästen diskutiert. Der Vortrag der Energieagentur wurde durch den Vortrag  „Praktische Anwendungen von ökologischen Dämmstoffen“ von Herrn Reinhard Appeltauer, Fa. Sonnenklee, ergänzt.