Kosten-Nutzen-Analyse von energetischen Gebäudesanierungen in Österreich

Die Österreichische Energieagentur ist der Frage nachgegangen, welchen Beitrag moderne Energiesysteme im Rahmen der Sanierung leisten können.

Die Frage nach der teilweisen oder umfassenden Sanierung
Bei einem Sanierungsvorhaben im Gebäudebereich ist die Idealvorstellung die umfassende energetische Sanierung. Aber nicht jeder Bauherrin oder Bauherrn stehen dafür ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung. Welche Energieeinsparungen mit einer teilweisen Sanierung und welche mit einer umfassenden Sanierung von Gebäuden erreicht werden können, ist eine zentrale Frage für Gebäudeeigentümer und Investoren. Darüber hinaus ebenso für die Umsetzung der Energiestrategie Österreichs und für die Erreichung der Klimaschutzziele.

Hersteller von Heizungssystemen sind an die Österreichische Energieagentur mit der Frage herangetreten, welchen Beitrag moderne Energiesysteme im Rahmen der Sanierung leisten können. Die Österreichische Energieagentur hat diese Fragestellung aufgegriffen, um erzielbare Energieeinsparungen durch unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen zu beurteilen.

Für drei Bauperioden wurden jeweils drei Gebäudetypen – Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, mehrgeschoßige Wohnbauten – definiert. Mittels Modellrechnungen wurden die erwartbaren Energieeinsparungen für eine Teilsanierung im Vergleich zu einer umfassenden energetischen Wohnhaussanierung berechnet und anschließend monetär bewertet. In einem zweiten Schritt werden die volkswirtschaftlichen Auswirkungen analysiert:
Ziel war die Bewertung der Investitionseffekte bzw. die Analyse der Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte, die durch verschiedene Sanierungsmaßnahmen ausgelöst werden.

Grundlage

Die Grundlage für die Berechnung der Energieeinsparungen der verschiedenen Sanierungsvarianten stützt auf der Entwicklung von Referenzgebäuden bzw. einer Gebäudetypologie. Aufbauend auf den statistischen Gebäudedaten wird durch die Festlegung von Durchschnittswerten beispielsweise für den Heizwärmebedarf, die U-Werte, die Bruttogrundflächen sowie für die Raumheizungs- und Warmwassersysteme der österreichische Gebäudebestand bestmöglich repräsentiert.

Zusammenfassung und Empfehlung

Die Erhöhung der Sanierungsrate von derzeit rund 1 % oder höher - wie z.B. 3 % in der österreichischen Energiestrategie – wird bereits seit längerer Zeit als zentrales Instrument zur Erreichung der österreichischen energie- und klimapolitischen Ziele angesehen.
Die jeweiligen Sanierungskosten hängen dabei stark vom Gebäudetyp, Alter und aktuellen Zustand eines Gebäudes, aber auch vom Ausgangszustand und vom Sanierungsziel ab.

Kosten-Nutzen-Berechnungen für die Sanierung von Gebäuden gehen oftmals davon aus, dass die Änderung der Haustechnik erst durchgeführt werden soll, wenn ohnedies ein Kesseltausch durchgeführt werden muss.
Die durchgeführten Berechnungen zeigen jedoch, dass sich bei einer umfassenden Sanierung die Heizlast um über 50 % ändern kann. Wird die Haustechnik nicht erneuert oder dem neuen Baustandard nicht angepasst, können die erwarteten Energieeinsparungen oft nicht erzielt werden. Bei Gebäuden, deren Heizungssysteme älter als 20 Jahre sind, liegen oftmals Überdimensionierungen vor. In diesem Fall sollte eine Heizungserneuerung unbedingt angedacht werden.

Beispielhaft wurde in diesem Zusammenhang ein Einfamilienhaus aus den 1980er Jahren mit einem alten Kessel (> 20 Jahre) und großer Überdimensionierung gerechnet. Ohne Erneuerung des energietechnischen Systems können nur 48 anstelle von 77 % der möglichen Energieeinsparung erzielt werden; die Teilsanierung bringt in diesem Fall bereits 44 % an Energieeinsparung.

Für die ausgewählten Sanierungsvarianten liegen die Kosten einer umfassenden Sanierung um einen Faktor 3–4 höher als die einer Teilsanierung. Werden die Investitionskosten auf die Energieeinsparungen bezogen, sind diese für Gebäude aus den ersten beiden Bauperioden bei der Teilsanierung zwischen 10 und 20 % niedriger als bei der umfassenden Sanierung. In der Bauperiode 3 erhöhen sich die spezifischen Kosten - aufgrund des bereits sehr guten Bauzustands der Bestandsgebäude – für die Energieeinsparungen beträchtlich. Bei diesen Objekten zeichnen sich besonders deutliche (Kosten-)Vorteile für die Variante der Teilsanierung ab.

Für volkswirtschaftliche Entscheidungen sind nicht nur die Endenergieeinsparungen von Relevanz, sondern auch die Primärenergieeinsparungen bzw. die Verringerung der CO2eq-Emissionen.
Abhängig vom Gebäudetyp in der jeweiligen Bauperiode liegen die Kosten zwischen 100 und 750 Euro pro t CO2eq-Einsparung. Die Kosten für Teilsanierungen sind dabei zwischen 10 und 70 % je eingesparter Tonne CO2eq niedriger als bei einer umfassenden Sanierung. Bei den Einfamilienhäusern liegen die Unterschiede zugunsten der Teilsanierung zwischen 10 und 30 %, bei den Mehrfamilienhäusern und mehrgeschoßigen Wohnbauten bei an die 70 %.