MERKUR

Auswirkungen der Entwicklung des Marktes für E-Fahrräder auf Risiken, Konflikte und Unfallgeschehen auf Radinfrastrukturen.

Der boomende E-Fahrradmarkt birgt ein erhöhtes Unfallrisiko. Um dieses zu verringern, werden Fahreigenschaften und Nutzeranforderungen mit einem Methodenmix (Befragungen, Konfliktanalyse) untersucht und daraus Maßnahmen (Fahrtraining, Radwege) abgeleitet. Die proaktive Bewusstseinbildung und Gestaltung der Richtlinien reduziert das Gefahrenpotential.

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Weltweiter Boom elektrisch angetriebener Zweiräder

Innerhalb einer Dekade stieg deren Anzahl in China von rund 210.000 Stück (1999) auf rund 120 Millionen (2009). Aufgrund der lokalen Emissionsfreiheit fördern viele chinesische Städte E-Zweiräder. Andererseits verbannt eine steigende Zahl von Städten E-Zweiräder aufgrund von Sicherheitsbedenken. Die Getötetenraten bei E-Zweirädern sind ungefähr doppelt so hoch wie bei Fahrrädern. Sicherheit ist ein Hindernis für ein weiteres Wachstum des E-Zweiradmarktes in China. Durch die geringe Geräuschentwicklung sind E-ZweiradfahrerInnen im gemischten Verkehr einerseits selbst gefährdet, anderseits gefährden sie selbst FußgeherInnen und RadfahrerInnen.

Nach China und Japan ist Europa der drittgrößte Markt für E-Zweiräder. Hier dominieren die so genannten Pedelecs, deren E-Antrieb nur eine Tretkraftunterstützung bietet. Die Zahl der in Deutschland und den Niederlanden verkauften E-Fahrräder stieg von ca. 90.000 (2006) auf ca. 275.000 (2009). Die relativ starke Beschleunigung und die hohe Dauergeschwindigkeit in Kombination mit beengten Platzverhältnissen und ungeübten FahrerInnen kann zu Konflikten und Unfällen führen.

Erhöhtes Unfallrisiko bei E-Fahrrädern

E-Fahrräder weisen einige Merkmale auf, die auf ein erhöhtes Unfallrisiko schließen lassen. So können bei einem Vorderradantrieb in der Kurvenfahrt völlig unerwartete Fahreigenschaften auftreten. Es ist auch davon auszugehen, dass das hohe Beschleunigungsvermögen und die erreichbaren hohen Geschwindigkeiten - vor allem auf knapp bemessenen Radfahranlagen - zu Konflikten und Unfällen führen können.

Da E-Fahrräder bei Verkehrsunfällen nicht gesondert von der Exekutive im Unfallzählblatt erfasst werden, können bisher keine Untersuchungen zum Unfallgeschehen gemacht werden. Ziel des Projektes MERKUR ist es, dessen ungeachtet durch die Verwendung einer großen Bandbreite verschiedener Methoden und Quellen zu abgesicherten Aussagen über Art und Ausmaß des möglicherweise höheren Risikos und dessen Ursachen zu kommen. Die Methodenvielfalt reicht dabei von theoretischen Analysen und Expertengesprächen über Interviews mit E-FahrradnutzerInnen bis hin zu Konfliktanalysen. Aus den identifizierten Nutzeranforderungen und Risikoursachen sollen folgende Produkte abgeleitet werden:

  • Empfehlungen für eine Konflikt mindernde Anpassung der Gestaltung von Radinfrastrukturen und der entsprechenden Richtlinien,
  • Materialen für die Bewusstseinsbildung bezüglich der E-Fahrrad spezifischen Risikopotentiale sowie
  • Vorschlag für zielgruppenspezifische E-Fahrradtrainingskurse.

Nutzen für Straßenverkehrssicherheit in Österreich

E-Fahrzeuge, welche rechtlich als Fahrräder gelten, sind ein relativ neues Phänomen, das zunehmend breitere Marktakzeptanz genießt. Die Einführung neuer Systeme mit unerfahrenen NutzerInnen und VerkehrteilnehmerInnen ist mit erhöhten Risiken verbunden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Infrastruktur (z.B. Radwege) nicht dafür ausgelegt wurde. Die österreichische Straßenverkehrssicherheit profitiert von einer vorausschauenden, proaktiven Bewusstseinsbildung und einem Überdenken der Richtlinien.

Gefördert aus Mitteln des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds.

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