Österreichische Beteiligung am Annex 33 des Technology Collaboration Programme der IEA

Stationäre Applikationen (Annex 33) des Technology Collaboration Programme der IEA

Die Brennstoffzellen-Technologie überzeugt insbesondere durch ihren hohen Gesamtwirkungsgrad bei der Wärme- und Stromerzeugung. Während bei der Stromerzeugung in konventionellen Kraftwerken oftmals mehr als die Hälfte der Energie ungenutzt als Abwärme verlorengeht, produzieren Brennstoffzellen umweltschonend und hocheffizient gleichzeitig Wärme und Strom. Das verringert nicht nur Heiz- und Stromkosten, sondern führt auch zu hohen CO2-Einsparungen.

Die Österreichische Energieagentur vertritt Österreich im Annex 33 - Stationäre Applikationen.

Das Hauptziel von Annex 33 ist die forcierte Technologieentwicklung von Schlüsselkomponenten und -systemen von Brennstoffzellen und in weiterer Folge die Unterstützung der Marktimplementierung durch die Analyse/Entwicklung der hierfür erforderlichen politischen Rahmenbedingungen und Instrumente bzw. dem Abbau existierender Implementierungsbarrieren.

In diesem Annex stehen die folgenden Tasks auf dem Programm:

  • Evaluierung der derzeit laufenden größeren Demonstrationsprojekte
  • Identifizierung von Nischenmärkten
  • Analyse der verschiedenen möglichen Brennstoffe inkl. den Reformierungsanfordernissen
  • Analyse der ökonomischen Voraussetzungen für die Markteinführung
  • Analyse der regulativen Rahmenbedingungen

Für eine erfolgreiche Marktdurchdringung der Brennstoffzellentechnologie sind unterstützende gesetzliche Rahmenbedingungen unumgänglich. Aufgabe des Subtasks 3, der von der Österreichischen Energieagentur (AEA) geleitet wird, ist es, die maßgebenden EU-Richtlinien und Verordnungen zu analysieren, etwaige Hemmnisse herauszufiltern bzw. Lösungen für die Überwindung dieser Hürden auszuarbeiten. Die relevanten gesetzlichen Vorgaben auf EU-Ebene sind:

  • Richtlinie 2010/31/EU „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“
  • Richtlinie 2012/27/EU „Energieeffizienzrichtlinie“
  • Richtlinie 2009/28/EU „Erneuerbare Energien“
  • Richtlinie 2010/30EU „Energieverbrauchskennzeichnung von Produkten“
  • Richtlinie 2009/125/EU „Ökodesign-Richtlinie“
  • Richtlinie 2009/73/EU „Vorschriften für den Erdgasbinnenmarkt“
  • Richtlinie 2009/72/EU „Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt“

Ergebnisse

Die AEA hat die genannten Normierungen im Hinblick auf positive oder auch negative Einflüsse auf die Markdurchdringung von Brennstoffzellen analysiert, aufbereitet und konkrete Verbesserungs-vorschläge ausgearbeitet. Ebenso wurden die maßgeblichen Ansprechpartner, unter Berück-sichtigung der jeweiligen Interessensperspektive, mittels Portfolioanalyse identifiziert, um die erforderlichen politischen Rahmenbedingungen und Instrumente zu schaffen.
Neben der Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden von der AEA, in Vertretung von Österreich und unter dem Blickwinkel der Relevanz des Vorhabens für Österreich, auch die Preis-unterschiede der stationären Brennstoffzellenanwendung zwischen Japan und der EU ausgearbeitet. Diese Preisdifferenz lässt sich größtenteils wie folgt erklären:

  • Verwendung anderer Normen als in Japan: Da die meisten Komponenten von stationären Brennstoffzellen entweder in Japan oder Südkorea erzeugt werden und von den in der EU ansässigen Herstellern „lediglich“ zusammengebaut werden und im Anschluss unter einem anderen Fabrikat verkauft werden, resultiert der Standardunterschied in höheren Preisen.
  • Der zweite, signifikantere Faktor sind die wesentlich höheren Sicherheitsanforderungen in der EU. Die diesbezügliche Sensorik, verknüpft mit einer anderen – in der EU verwendeten und verfügbaren – Steuerung und Regelung, führt zu hohen Herstellungskosten und somit zu großen Preisunterschieden.
  • Die Installation der Brennstoffzellen erfolgt in Japan von Sub-Vertragsnehmern der lokalen Erdgasversorgungsunternehmen wie beispielsweise Tokio-Gas. Diese Unternehmen sind wirt-schaftlich sehr eng mit dem Erfolg der Erdgasversorgungsunternehmen verflochten und sind deswegen mehr oder minder gezwungen, der durch die Erdgasversorgungsunternehmen vorgegebenen Richtung zu folgen, und somit mit sehr geringen Aufschlägen die stationären Brennstoffzellen zu installieren.

In diesem Zusammenhang ist auch das mehrjährige japanische Förderprogramm zu erwähnen, das durch die degressiven Fördermodelle Anreize für Kostensenkungsprogramme der Hersteller schafft, und maßgeblich zu einem stabilen Marktumfeld für die Brennstoffzellenproduzenten beiträgt.
Die Identifizierung von Nischenmärkten für die Anwendung der Brennstoffzellentechnologie erfolgte unter Berücksichtigung der aus den großen Brennstoffzellenförderprogrammen wie z.B. ENE.Farm (Japan) und PACE (EU) gewonnenen Erkenntnisse.

Die Relevanz der Brennstoffzellentechnologie, insbesondere die Applikation mittels direkter Zu-führung von mit RES-erzeugtem Wasserstoff, wird durch die Gründung des Hydrogen Council, in welchem sich 13 führende Unternehmen aus dem Energie-, Transport- und Industriesektor zusam-mengeschlossen, ersichtlich. Dadurch ist eine Institution entstanden, welche die Kräfte zusätzlich verstärken und die Forschungsintensität nochmals verbessern wird, und die relevanten Entscheidungsträger mit gebündelten Kräften von den Vorteilen der Brennstoffzellentechnologie überzeugen wird.
Die herausragende Bedeutung von Wasserstoff für Anwendungen im Industriebereich wird z.B. durch die geplante Wasserstoffpilotanlage in Linz, eine enge Kooperation zwischen VOEST, Verbund und Siemens, ersichtlich.

Publikationen

Für die Verbreitung der Projektergebnisse wurde von der Österreichischen Energieagentur eine Website eingerichtet. Die Ergebnisse – insbesondere von Subtask 3 – liegen in Form eines Berichts vor; dieser wurde auf der Website als kostenloser Download zur Verfügung gestellt. Des Weiteren wurden die Artikel „Stationäre Brennstoffzellen auf dem Weg zur Serienreife“ (Fachmagazin „oester-reichs energie“) und „Von Japan lernen“ (Zeitschrift der österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach und des Fachverbands der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen) auf Initiative der Österreichischen Energieagentur erstellt, veröffentlicht und zusätzlich gezielt in den relevanten Gruppen disseminiert.
Mit Ende März 2017 wird die erste Phase des Annexes 33, welches im Gesamten bis Ende Februar 2019 läuft, abgeschlossen.

Teilnehmende Staaten

China I Dänemark I Deutschland I Frankreich I Israel I Italien I Japan I Mexiko I Österreich I Schweden I Schweiz I Südkorea und USA

Durchgeführte Seminare

Die Österreichische Energieagentur organisierte gemeinsam mit dem BMVIT am 22. April 2015 ein kostenloses, englischsprachiges Seminar zum Thema "International developments of stationary fuel cell systems" Veranstaltungsdetails

Druchgeführte Workshops

Die Österreichische Energieagentur organisierte gemeinsam mit dem ÖVGW am 10. Oktober 2016 einen kostenlosen, englischsprachigen Workshop zum Thema "Fuel cells: Why is Austria not taking off?" Veranstaltungsdetails

Dieses Projekt wird im Rahmen der IEA-Forschungskooperation im Auftrag des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie durchgeführt.