Replizierbare Strategie zur Forcierung des verwertungsorientierten Rückbaus im Hochbau

Im Hochbau wird gegenwärtig ein Großteil der beim Abbruch unsortiert anfallenden Abfälle teuer deponiert. Abbruchmaterial stellt jedoch ein großes ungenutztes Ressourcenpotenzial dar und sollte nach der EU Abfallrahmenrichtlinie bevorzugt wiederverwendet, verwertet und erst zuletzt entsorgt werden. Im Projekt R Bau entwickeln Österreichische Energieagentur und Ressourcen Management Agentur (RMA) eine kosteneffiziente, praxisorientierte und ökologische Rückbaustrategie zur Forcierung des verwertungsorientierten Rückbaus im Wohnbau.

Knapp 200 Genossenschaften und Kapitalgesellschaften verwalten in Österreich ca. 850.000 Wohneinheiten und somit ein Viertel des gesamten österreichischen Wohnungsbestandes. Gemeinsam mit diesen Akteuren wird im Zuge des Projekts eine replizierbare Rückbaustrategie zur Forcierung des verwertungsorientierten Rückbaus entwickelt. Dadurch soll ein wesentlicher Beitrag geleistet werden, den verwertungsorientierten Rückbau im Wohnbau in Österreich als Stand der Technik zu etablieren und ein Vorbild für die weiteren Bereiche des Hochbaus zu schaffen.

Ziel ist es, die Qualität der Baurestmassen aus dem Hochbau so weit zu steigern, dass sie als zertifizierte Baustoffe bei Neubau und Sanierung eingesetzt werden können und die Menge an zu deponierenden Abfällen auf ein Minimum reduziert wird.

Die Projektergebnisse sollen es den Baugesellschaften ermöglichen, den Rückbau optimiert und kosteneffizient auszuschreiben und durchzuführen sowie Erkenntnisse für den Neubau zu gewinnen. Deren Berücksichtigung bei der Planung wird zukünftig den Rückbau von Wohnbauten erleichtern. Dadurch werden Ressourcen nachhaltig geschont und die geforderten Recyclingquoten gemäß der EU-Abfallrahmenrichtlinie von mind. 70 % bis 2020 auch durch den Hochbau erfüllt.

Methodische Vorgehensweise

Den ersten Schritt bildet die Analyse der Ist-Situation, die das Aufkommen und den Verbleib von Baurestmassen untersucht sowie die technischen und rechtlichen Barrieren des derzeitigen Umgangs mit rückgebauten Baustoffen und Bauteilen bewertet.

Darauf aufbauend gilt es zu analysieren, welche Bauteile zerstörungsfrei rückgebaut und wiederverwendet oder wiederverwertet werden können. Ziel ist es, Bauteile/Baumaterialien, die sich für eine Wiederverwendung bzw. -verwertung eignen, zu identifizieren, zu kategorisieren und zu bewerten. Hierzu werden standardisierte Gebäudemodelle entwickelt, anhand derer die Rückbaufähigkeit der Baustoffe und -teile vom Abbruch bis zum Wiedereinsatz energetisch, ökologisch und ökonomisch bewertet sowie Schad- und Störstoffe identifiziert werden können.

Um die Praxistauglichkeit der entwickelten Gebäudemodelle zu gewährleisten, werden im Zuge der Erstellung Baustellenbesichtigungen und Expertengespräche durchgeführt. Anhand der spezifischen Baustoffe und -teile der Gebäudemodelle wird die Anwendung des verwertungsorientierten Rückbaus simuliert sowie die entsprechenden Stoffkreisläufe vom Abbruch/Rückbau zum Wiedereinsatz energetisch, ökologisch und ökonomisch bewertet.

Erwartete Ergebnisse

Auf Basis der durchgeführten Analysen wird gemeinsam mit den relevanten Stakeholdern (Wohnbauträger, Abbruchunternehmen,…) eine replizierbare Rückbaustrategie entwickelt.

Die Schwerpunkte dieser Rückbaustrategie liegen auf:

  • Erstellung von repräsentativen Gebäudemodellen, die eine Beurteilung der Ressourcenpotentiale nach Baualter und Bauweise ermöglichen;
  • Erarbeitung eines Rückbaukatalogs mit differenzierten Handlungsanweisungen für die kostenoptimale, ressourcenschonende und nachhaltige Verwertung anfallender Baurestmassen durch den verwertungsorientierten Rückbau im Hinblick auf Re-Use und hochwertiges Recycling von Baustoffen und Bauteilen;
  • Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse auf den Entwurf, die Planung und die Errichtung von neuen Wohnbauten.

Auch werden Möglichkeiten zur Überwindung der derzeitigen technischen und rechtlichen Barrieren beim Umgang mit rückgebauten Baustoffen und Bauteilen identifiziert sowie spezifische Anreize für die praktische Umsetzung des „verwertungsorientierten Rückbaus“ erarbeitet, damit schließlich Baurestmassen als zertifizierte Baustoffe bei Neubau und Sanierung eingesetzt werden können.

Die Ergebnisse wurden am 26.01.2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Details dazu im Downloadbereich. Weitere Ergebnisse werden nach Freigabe durch den Auftraggeber publiziert.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft“ durchgeführt (Website: www.hausderzukunft.at; Projektnummer: 845214).
Stadt der Zukunft ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des BMVIT von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT abgewickelt.