Stromfresser Klimaanlage, Inspektionen zeigen Potentiale

Einsparpotentiale von bis zu 10 % des Gesamtstromverbrauchs von Gebäuden können durch neue EU-weit vorgeschriebene Inspektionen identifiziert werden.

Wien 17. Dezember 2010 – Aufgrund der EU Gebäuderichtlinie müssen seit Jänner 2009 alle Klimaanlagen mit einer Leistung von mehr als 12 kW im Hinblick auf Energieeffizienz regelmäßigen Inspektionen unterzogen werden. Als Ergebnis zeigt das aktuell abgeschlossene IEE Projekt HARMONAC, an dem die Österreichische Energieagentur beteiligt war, dass mit einer geeigneten Methode tatsächlich Energieeinsparmöglichkeiten identifizierbar sind.

Das IEE Projekt HARMONAC hat eine auf CEN-Standards basierende Inspektionsmethode entwickelt, um tatsächlich erreichbare Energieeinsparungen zu verifizieren. In mehr als 400 Feldversuchen wurde diese in ganz Europa getestet, 42 Klimaanlagen und ihre Komponenten wurden darüber hinaus mehr als ein Jahr lang kontinuierlich beobachtet und ihr Energieverbrauch im Stundentakt gemessen. Diese Messungen erbrachten bisher nicht verfügbare Detaildaten über den Energieverbrauch von Klimaanlagen im Jahresverlauf.

Nutzen der Inspektion: bis zu 10 % Einsparung des Gesamtstromverbrauchs eines Gebäudes
Ein wesentliches Ergebnis des Projekts war, dass sich im Zuge der Inspektion für einzelne Klimaanlagenteile Einsparmöglichkeiten von mehr als 50 % identifizieren lassen, was in Summe bis zu 10 % des gesamten elektrischen Energiebedarfs eines Gebäudes ausmachen kann.

Christina Spitzbart, Expertin in der Österreichischen Energieagentur: "Bisher scheinen Klimaanlagen-Inspektionen jedoch nur einen kleinen Prozentsatz der potenziellen Einsparungen zu identifizieren. Der Grund liegt darin, dass viele Energieeinsparmöglichkeiten nur dann gefunden werden können, wenn detaillierte Verbrauchsdaten der einzelnen Klimaanlagenteile über einen längeren Zeitraum vorhanden sind."

Im Betrieb und in der Steuerung der Klimaanlage sind einfache und kostengünstige Einsparungen erreichbar. Voraussetzung dafür sind detaillierte Betriebsdaten, die bisher aufgrund von fehlenden Monitoringeinrichtungen nur für wenige Anlagen verfügbar sind.

Der größte Kostenfaktor bei der Durchführung einer Inspektion ist der Zeitaufwand des Inspektors. Die Feldversuche zeigten, dass im Allgemeinen eine Relation zwischen Gebäudenutzfläche und Zeitaufwand für die Inspektion besteht – je nach Größe der Anlage ein bis drei Tage –, vorausgesetzt, dass die erforderlichen Anlagen- und Gebäudedaten vorliegen. Dies ist bei Erstinspektionen oft nicht der Fall.

Mit grundlegenden Maßnahmen kann der Gebäudeeigner Qualität und die Kosten der Inspektion we-sentlich beeinflussen und deren Nutzen sicherstellen:

•Relevante Klimaanlagen- und Gebäudedaten sollten schon im Vorhinein gesammelt und übersichtlich erfasst werden, um Zeitverluste während der Inspektion zu vermeiden.


•Ein erfahrener Haustechniker sollte den Inspektor begleiten, um Fragen zu beantworten, bei den Messungen zu unterstützen und Zugang zu sensiblen Teilen der Anlage zu gewähren.


•Die Implementierung eines Energie-Monitoringsystems, das den Verbrauch auf der Ebene der einzelnen Klimaanlagenkomponenten aufzeichnet, ermöglicht es, die monetären Einsparungen besser zu quantifizieren, und damit letztlich langfristige Energieverbrauchseinsparungen zu erzielen. Es lassen sich damit auch die Inspektionskosten selbst zu reduzieren, da die überarbeitete Gebäuderichtlinie den Mitgliedstaaten erlaubt, die Frequenz oder den Umfang der Inspektion zu reduzieren, wenn derartige Systeme im Einsatz sind.


HARMONAC Werkzeuge und Materialien
Zur Unterstützung der Inspektoren und effizienten Durchführung der Inspektionen wurde im Rahmen des Projekts HARMONAC eine Reihe von spezifischen Werkzeugen und Materialien entwickelt. Das zentrale Werkzeug ist eine auf CEN Standards basierende Inspektionsmethode, weiters gibt es 4 Simulationswerkzeuge zur Identifizierung und Quantifizierung der Einsparpotenziale. Die HARMONAC Datenbank bietet Inspektoren Einblick in die Berichte von den HARMONAC Feldversuchen mit verschiedenen Klimaanlagen- und Gebäudetypen.

Weitere Informationen sind auf der HARMONAC-Website erhältlich.

Allgemeine Informationen zum Projekt HARMONAC
Das von Intelligent Energy Europe geförderte Projekt HARMONAC beschäftigte sich mit der durch die Europäische Gebäuderichtlinie (Richtlinie 2002/91/EG über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden) vorgeschriebe-nen regelmäßigen Inspektion von Klimaanlagen mit einer Kälteleistung größer als 12 kW und wurde im August 2010 abgeschlossen.

Diese Anforderungen können wesentlich zur Energieeinsparung bei Dienstleistungsgebäuden beitragen, stellen aber in finanzieller Hinsicht eine große Belastung sowohl für die Mitgliedsstaaten als auch für die Anlagenbetreiber dar. Um schlechte Umsetzungskonzepte zu vermeiden, stellt das Projekt HARMONAC die Kosten, die durch die Inspektion verursacht werden, den Nutzen in Form von Energieeinsparung gegenüber.

Diese Analysen basieren auf zahlreichen Feldversuchen und Fallstudien, die von den neun Projektpartnern in Belgien, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Portugal und Slowenien durchgeführt wurden.

Für Österreich war die Österreichische Energieagentur am Projekt beteiligt, die bei der Umsetzung der Feldver-suche von der Stadt Wien (MA 27) und dem Land Steiermark unterstützt wurde. Darüber hinaus wurde HARMONAC durch klima:aktiv, die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums, sowie das BMWFJ unterstützt.

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Die Österreichische Energieagentur ist Österreichs nationales Kompetenzzentrum für Energie. Sie berät auf Basis ihrer vorwiegend wissenschaftlichen Tätigkeit Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen in der Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme, führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt klima:aktiv – die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie. 

Rückfragehinweis
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Alexandra Gros
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-125
E-Mail: pr(at)energyagency.at

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