Studie: Um Klimaziele zu erreichen, braucht es intensive Kooperation von Bund und Ländern

Trends bei Treibhausgasemissionen zeigen in die richtige Richtung, müssen jedoch deutlich verstärkt werden. Potenziale für 100 % erneuerbaren Strom sind in Österreich vorhanden, je Bundesland zeigen sich wesentliche Unterschiede

Wien, 23. März 2021 – „Im Bundesstaat Österreich teilen sich Bund und Ländern die Kompetenzen im Energie- und Klimabereich. Intensive Kooperation ist nötig, um die Klimaziele zu erreichen. Der Trend bei den Treibhausgasemissionen geht in die richtige Richtung, ist aber noch nicht stark genug: Bis 2019 konnten nur 11 Prozent der Treibhausgasemissionen in Österreich eingespart werden“, sagt Günter Pauritsch von der Österreichischen Energieagentur. Er bezieht sich auf erste Ergebnisse einer Analyse der Klima- und Energiestrategien der heimischen Bundesländer, die die Österreichische Energieagentur im Auftrag der IG Windkraft, von Photovoltaic Austria, Kleinwasserkraft Österreich und des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) durchgeführt hat. Demnach hat Österreich nur zwei Drittel der angestrebten Ziele bis 2020 (-16 Prozent) und etwas weniger als ein Drittel der derzeitigen Ziele bis 2030 (-36 Prozent gegenüber 2005) erreicht. Die EU hat diese Ziele bis 2030 auf 55 Prozent angehoben, dementsprechend müssen auch die Ziele und Maßnahmen in Österreich angepasst werden.

Die österreichischen Treibhausgasemissionen lagen in den letzten Jahren rund 4 % über dem Niveau von 1990. Wobei die Entwicklung der Emissionen in den Bundesländern auf Grund unterschiedlicher Voraussetzungen, Topografie oder Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung sehr unterschiedlich ist. Der Handlungsspielraum liegt Pauritsch zu Folge vor allem in den Bereichen, die nicht dem Emissionshandelssystem1 unterliegen.
„Die Reduktion der Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich ist auf einem guten Weg, hier wurde dank thermischer Sanierung und den Umstieg auf hocheffiziente, erneuerbare Heizsysteme bereits viel erreicht“, gibt Pauritsch ein Beispiel. Im Schnitt sind hier die Treibhausgasemissionen von 2005 bis 2017 um 9 Prozent gesunken, pro Kopf wurden die CO2 Äquivalente um 15 Prozent weniger. Dennoch müssten die Bestrebungen auch in diesem Bereich weitergeführt werden.

Handlungsbedarf beim Verkehr

Weniger positiv sind die Zahlen beim Verkehr, hier konnten die Emissionen nur in zu geringem Ausmaß von 4 Prozent reduziert werden. Gründe dafür sind unter anderem ein stetig steigendes Verkehrsaufkommen und auch der so genannte Tanktourismus. „Beim Verkehr besteht der größte Handlungsbedarf. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen im Verkehr erfordert unter anderem eine schnelle Elektrifizierung des Pkw-Verkehrs“, betont Pauritsch.
Dafür wiederum ist der konsequente weitere Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energieträgern notwendig.

In Summe sind bisher die Stromimporte nach Österreich laufend gestiegen, wenngleich bereits manche Bundesländer mehr erneuerbaren Strom produzieren, als sie verbrauchen.

Potenziale für Strom aus Wind, Sonne und Wasser vorhanden

Eine gute Nachricht ergibt die Analyse der Ausbaupotenziale für erneuerbaren Strom in den heimischen Bundesländern. Die Wasserkraftpotenziale sind in Österreich bereits stark genützt, die noch verbleibenden Potenziale betragen circa 15 TWh, wovon jedoch ein Teil nicht realisierbar ist. In manchen Bundesländern gibt es noch hohe Windkraft-Potenziale, österreichweit handelt es sich um realisierbare Potenziale bis 2030 von 15 TWh. Letzteres gilt auch für den Ausbau von Photovoltaik auf Dach-, Deponie- und Verkehrsflächen mit 5,4 TWh in ganz Österreich, wobei hier das realisierbare Potenzial bis 2030 für PV auf Gebäuden durch geeignete Rahmenbedingungen noch erhöht werden kann.
„Die realisierbaren Potenziale für Wasser, Wind, Sonne und Biomasse sind in den Ländern vorhanden, um bis 2030 über das Jahr gerechnet 100 Prozent umweltverträgliche erneuerbare Stromaufbringung in Österreich zu erreichen“, bezieht sich Pauritsch auf einen wesentlichen Punkt des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes.

Zahlreiche Grafiken finden Sie hier in der Präsentation oder dem Endbericht zum ersten Teil der Studie.
Die gesamte Studie „Klima- und Energiestrategien der Länder - Energie, Treibhausgasemissionen und die Kongruenz von Länder- und Bundeszielen“ wird in wenigen Wochen veröffentlicht.


Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency (AEA)

Die Österreichische Energieagentur liefert Antworten für die klimaneutrale Zukunft: Ziel ist es, unser Leben und Wirtschaften so auszurichten, dass kein Einfluss mehr auf unser Klima gegeben ist. Neue Technologien, Effizienz sowie die Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Sonne, Wasser, Wind und Wald stehen im Mittelpunkt der Lösungen. Dadurch wird für uns und unsere Kinder das Leben in einer intakten Umwelt gesichert und die ökologische Vielfalt erhalten, ohne dabei von Kohle, Öl, Erdgas oder Atomkraft abhängig zu sein. Das ist die missionzero der Österreichischen Energieagentur.

Mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vielfältigen Fachrichtungen beraten auf wissenschaftlicher Basis Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie internationale Organisationen. Sie unterstützen diese beim Umbau des Energiesystems sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise.

Die Österreichische Energieagentur setzt zudem im Auftrag des Bundes die Klimaschutzinitiative klimaaktiv um und nimmt die Aufgaben der Nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle wahr. Der Bund, alle Bundesländer, bedeutende Unternehmen der Energiewirtschaft und der Transportbranche, Interessenverbände sowie wissenschaftliche Organisationen sind Mitglieder dieser Agentur.

Im Podcast Petajoule beantworten die Expertinnen und Experten der Österreichischen Energieagentur mit Gästen aus der Energiebranche die Fragen der Energiezukunft.

Rückfragehinweis
Mag. Klaus Kraigher, MAS
Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-174
E-Mail: pr(at)energyagency.at
Web: www.energyagency.at
Twitter: https://twitter.com/at_AEA

_________________________________________________________________________________
[1] Im Rahmen des EU Emissions Trading System (ETS) sind die Betreiber von Energie- und Industrieanlagen sowie zivilen Luftverkehrsunternehmen zum Handel mit Emissionszertifikaten verpflichtet.