Teller gegen Tank muss nicht sein

Der internationale Handel von Biomasse und die steigende Nachfrage in Europa schließen nachhaltige Produktion nicht aus – brauchbare Konzepte für Nachhaltigkeitszertifikate sind in Entwicklung. Dies ist eines der Ergebnisse einer internationalen Expertenrunde auf Einladung der Österreichischen Energieagentur in Wien.

Wien, 1. Dezember 2010 - Die stark steigende Nachfrage nach Biomasse für die energetische und stoffliche Nutzung in den 27 Ländern der EU ist nicht notwendig mit  rücksichtsloser Ausbeutung entsprechender Ressourcen in Entwicklungsländern verbunden. Der internationale Handel kann – so ein Ergebnis des Workshops des EU Projekts 4Biomass zum Thema "Trade of Biomass in Central Europe" sogar die nachhaltige Produktion unterstützen und damit etwa illegale Abholzung einbremsen.

Am konkreten Beispiel der Biokraftstoffe hat sich gezeigt, dass eine weltweit rasch ansteigende Nachfrage nach landwirtschaftlich erzeugten Rohstoffen Gefahren im Hinblick auf Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion, Monokulturen, Düngemitteleinsatz und Wasserverbrauch mit sich bringen kann. Freiwillige Initiativen aus der Industrie aber auch die Forderung nach nachhaltiger Produktion der EU haben die Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt: Aktuell sind weltweit  67 Zertifizierungssysteme dafür entwickelt worden, die in verschiedenen Teilbereichen nachhaltige Produktion dokumentieren können. (Anm.: Die Anrechnung erreichter CO2 Einsparung für die Verpflichtungen gegenüber der EU sind nur mit dem Nachweis nachhaltiger Produktion von energetisch genutzter Biomasse anrechenbar.)

"Einstellung zur Nachhaltigkeit entwickelt sich positiv"
Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur: "Diese Entwicklung zeigt, dass eine Verankerung der Nachhaltigkeit im weltweiten Markt für Biomasse funktionieren kann. Mit entsprechenden Nachhaltigkeitszertifikaten kann das erhebliche Potential der energetischen Nutzung von Biomasse abgeholt werden. Dazu ist es wichtig, dass sich die Österreichische Energieagentur als Partner im Projekt 4Biomass, verstärkt der nachhaltigen Nutzung von Biomasse in Europa widmet."

Die Biomasse-Handelsströme entwickeln sich eindrucksvoll von Ost nach West, führend unter den Biomasseimporteuren sind Dänemark, Deutschland und Italien. Die Ukraine exportiert bis zu 80 % ihrer erst zu einem geringen Teil genutzten Biomasseressourcen, bei Biodiesel wie bei Pellets kämpft das Land noch mit Qualitätsproblemen. Gereinigtes Biogas über Erdgaspipelines nach Westeuropa zu transportieren, stellt für die Ukraine einen Zukunftsmarkt dar, der Markt dafür ist in Europa erst zu 5% des möglichen Potentials realisiert. Kanada liefert ebenfalls einen hohen Prozentsatz seiner Biomasseproduktion nach Europa, wogegen der kanadische Biomassemarkt selbst noch kaum entwickelt ist.

Vorträge und Diskussionen der etwa 60 versammelten internationalen ExpertInnen zeigen die enorme Bandbreite von Perspektiven und Trends des Biomassehandels. Unter Nachhaltigkeitskriterien wurde etwa der Transportaspekt durchaus kontroversiell diskutiert. Wie die Beispiele Ukraine und Kanada zeigen, entsteht vor der Entwicklung von Heimmärkten die exportorientierte Nutzung von Rohstoffen.

Das Projekt 4Biomass
Bis 2020 sollen in der EU 20% der Endenergie aus erneuerbaren Ressourcen stammen. Biomasse wird als Energieträger immer wichtiger, wachsender Biomassehandel und  transport erfordern adäquate, nachhaltige Lösungen. Im Rahmen des Central-Europe-Projekts 4BIOMASS brachte die Österreichische Energieagentur dazu eine internationale Expertenrunde nach Wien.
In Europa soll Biomasse einen wesentlichen Beitrag zum 20%-Anteil der Erneuerbaren Energien am Energieverbrauch bis 2020 leisten und die Nachfrage nach Biomasse wird daher steigen. Unter dem Titel "4BIOMASS – Fostering the sustainable usage of renewable energy sources in Central Europe – putting biomass into action!" startete im Februar 2009 ein dreijähriges EU-Projekt, das die nachhaltige Bioenergienutzung in Mitteleuropa vorantreiben soll. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Programms "Central Europe" durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRD), die Kofinanzierung in Österreich durch das Lebensministerium. Insgesamt 16 Projektpartner aus den "Central Europe"-Ländern Deutschland, Italien, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und dazu noch der Ukraine sind an diesem Projekt beteiligt.

Weiterführende Informationen über das Projekt 4BIOMASS wie auch zum Workshop "Trade of Biomass in Central Europe" sind auf der Projekt-Website zu finden.

Über die Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency 

Die Österreichische Energieagentur ist das nationale Kompetenzzentrum für Energie in Österreich. Sie berät auf Basis ihrer vorwiegend wissenschaftlichen Tätigkeit Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen in der Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme, führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt klima:aktiv – die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie. Weitere Informationen für Mitglieder und Interessenten unter www.energyagency.at

Rückfragehinweis
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Mag. Heinrich Sigmund, MSc
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24
E-Mail: pr(at)energyagency.at

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