Visionen 2050

Mit welchen möglichen Entwicklungspfaden ist beim Stromverbrauch bis 2050 zu rechnen und was sind die wichtigsten Ursachen für diese Entwicklung? Das Projekt "Vision 2050" skizziert entlang der Sektoren Haushalte, Dienstleistungen, Produzierender Bereich und Verkehr und anhand von drei Szenarien mögliche Entwicklungen der Stromnachfrage in Österreich bis 2050.

Bisherige Entwicklungen

Steigender Stromverbrauch bei rückläufiger Energie- und Stromintensität: In absoluten Zahlen nahm der Stromverbrauch in Österreich seit den 1970er Jahren ständig zu. Die Intensität ist allerdings rückläufig. Die Stromintensität der Wirtschaftsleistung sank zwischen 1995 und 2007 um durchschnittlich 0,6 % jährlich. Weiterhin besteht aber eine enge Korrelation zwischen Endenergieverbrauch, Stromverbrauch und Wirtschaftswachstum.

Die Hälfte des elektrischen Stroms wird im Produzierenden Bereich verbraucht. Die zweite Hälfte kann grob den privaten Haushalten und den Dienstleistungen zugeteilt werden. Über einen längeren Zeitraum (seit 1970) kann allerdings eine Abnahme des Anteils des Produzierenden Bereichs und eine Zunahme des Dienstleistungssektors beobachtet werden.

Die Bedeutung des elektrischen Stroms steigt: Der Anteil des Stroms am Energieträgermix der Haushalte und Dienstleistungen hat seit 1970 stark zugenommen. Auch in fast allen Sektoren des Produzierenden Bereichs stieg der Anteil des Stroms am Endenergieverbrauch, während er im Verkehrssektor an Bedeutung einbüßte.

Drei Szenarien bis 2050

Drei Szenarien werden in der Studie "Visionen 2050" im Hinblick auf wirtschaftliche Entwicklung, Verfügbarkeit und Preise für Rohstoffe, technische Entwicklungstrends sowie ordnungspolitische Maßnahmen zur Steuerung der Energie- und insbesondere Stromnachfrage unterschieden.

  • Das Szenario Waiting dient als Referenzentwicklung, das von einem politischen Abwarten bei stetigen Effizienzsteigerungen der bekannten Prozesse und Technologien und einem moderat steigenden Ölpreis geprägt ist. Dieses Szenario orientiert sich bis 2020 an der Österreichischen Energiestrategie.

  • Das Szenario Chasing ist durch exogene Schocks und reflexartige politische Reaktionen bei stark steigenden Ölpreisen gekennzeichnet. Wir laufen einer internationalen Entwicklung hinterher, anstatt ihr planend entgegenzutreten.

  • Das Szenario Steering geht davon aus, dass globale Herausforderungen rechtzeitig erkannt und sowohl nationale wie auch internationale Steuerungsmaßnahmen getroffen werden. Die stark steigenden Ölpreise ab 2030 werden antizipiert und Maßnahmen zum Umstieg in eine post-fossile Ökonomie rechtzeitig getroffen.

Diese Szenarien sind keine Prognosen, d. h. keine exakte Vorhersage zukünftiger Entwicklungen. Sie stellen vielmehr drei alternative Entwicklungsmöglichkeiten dar, die unter bestimmten Annahmen und Voraussetzungen bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts eintreten können.

Entwicklung des Endenergieverbrauchs

In allen Szenarien wird ein Rückgang des Endenergieverbrauchs vom gegenwärtigen Niveau erwartet. Der Endenergieverbrauch in den vorliegenden Szenarienergebnissen bewegt sich im Jahr 2030 zwischen 1.123 PJ (Waiting) und 979 PJ (Steering). 2050 erwarten wir einen Endenergieverbrauch zwischen 1.040 PJ (Waiting) und 799 PJ (Steering). Die Ergebnisse liegen innerhalb des Streubereichs vergleichbarer Studien.

Entwicklung des Stromverbrauchs bis 2050

Der Stromverbrauch steigt in Zukunft sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil am gesamten Endenergieverbrauch: Die Bedeutung von Strom als Energieträger nimmt zu. Insgesamt wird 2050 je nach Szenario um 15–20 % mehr Strom verbraucht werden als 2010. Ein nachhaltig erzeugter elektrischer Strom nimmt eine wichtige Funktion beim Übergang der Wirtschaft in ein post-fossiles Zeitalter ein.

Der Anteil des elektrischen Stroms am Gesamtendenergieverbrauch nimmt in allen Sektoren zu. Im Steering-Szenario wird 2050 mehr als 30 % der gesamten Endenergie in Form von elektrischem Strom verbraucht werden. Am stärksten wird diese Zunahme im Straßenverkehr ausfallen, wo im Steering-Szenario der Stromanteil am Endenergieverbrauch von 3,7 % (2010) auf mehr als 30 % (2050) ansteigt. Auch im Produzierenden Bereich wird der Stromverbrauch weiter ansteigen. In den privaten Haushalten sowie in den Dienstleistungen wird aufgrund von Effizienzverbesserungen erwartet, dass der Stromverbrauch zurückgeht.

Entwicklungen in den Sektoren

Bei den privaten Haushalten ist in den skizzierten Szenarien bis 2050 ein Rückgang des Endenergie- und Stromverbrauchs zu erwarten. Anzahl und Größe der Haushalte werden zwar ebenso wie der Ausstattungsgrad mit elektrischen Geräten weiter wachsen, signifikante Verbesserungen in der thermischen Qualität der Gebäudehüllen, in der Bereitstellung von Wärme sowie in der Effizienz der eingesetzten Geräte wirken allerdings dämpfend auf den Energieverbrauch.

Im Dienstleistungssektor ist die Entwicklung des Endenergieverbrauchs stark von der wirtschaftlichen Entwicklung und den Energiepreisen abhängig. Der Anstieg des Ausstattungsgrads und steigende Betriebsstunden wirken erhöhend, Effizienzverbesserungen bei der Gebäudehülle sowie bei den elektrischen Geräten und Anlagen wirken dämpfend auf den Stromverbrauch. Im Falle hoher Energiepreise wird stärker als bei privaten Haushalten in neue Technologien zur Verbesserung der Effizienz von Gebäuden und Anlagen investiert. Bleiben die Energiepreise niedrig (Szenario Waiting), wird ein moderater Anstieg des Endenergie- und Stromverbrauchs erwartet.

Im Produzierenden Bereich wird ein Anstieg des Gesamtenergie- und Stromverbrauchs erwartet, der insbesondere durch den industriellen Output getrieben ist. Aufgrund hoher Energiepreise, niedrigen Wirtschaftswachstums und offener Märkte (Standortwechsel) wird der Anstieg im Szenario Chasing am niedrigsten ausfallen.

Im Verkehrssektor ist die Dynamik des Rohölpreises die entscheidende Variable. Der Stromverbrauch wird sich bis 2050 im Chasing- und im Steering-Szenario vervierfachen und etwa ein Fünftel des Gesamtstromverbrauchs betragen.

Bei moderaten Rohölpreisen hängt der Ausbau der Elektromobilität an öffentlichen Förderungen, Anreizen und Investitionen. Bis 2020 werden im Steering-Szenario, das starke ordnungs- und anreizpolitische Eingriffe vorsieht, etwas über 100.000 Elektro-Pkw erwartet. Ohne politische Maßnahmen kann bis 2020 mit einer Elektro-Pkw-Flotte von nicht mehr als 15.000–25.000 Pkw gerechnet werden. Durch die steigenden Preise bei fossilen Energieträgern wird die Pkw-Flotte ab 2030 auch ohne öffentliches Eingreifen stark steigen (Chasing-Szenario).

Anzahl der elektrobetriebenen Pkw 2010 - 2050
(Berechnungen: Österreichische Energieagentur)

20102020203020402050
Chasing31015.441

114.505

394.112

966.686

Waiting310

24.520

307.309

1.031.575

2.262.029

Steering310

116.473

886.703

1.740.253

2.685.443

Ein Auszug der Studie "Visionen 2050" steht hier zum Download zur Verfügung. Die gesamte Studie ist beim Auftraggeber Österreichs Energie erhältlich.

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