7 Milliarden Euro Kaufkraftabfluss: Energiewende als Chancen für österreichische Wirtschaft

Importe fossiler Energie belasten heimische Handelsbilanz: Nach Abzug der Energieexporte flossen im Jahr 2016 knapp 7 Milliarden Euro ins Ausland, 60 Prozent davon entfielen auf Erdöl und Erdölprodukte – Ohne Nettoimporte von Erdöl und Erdölprodukten Überschüsse in Milliardenhöhe möglich – Transformation des Energiesystems bringt Chancen für heimische Industrie

Wien, 6. Juni 2017 – Für den Kauf von fossiler Energie fließen in Österreich pro Jahr Milliarden Euro ab.

Der Import von Brennstoffen und Energie (umfasst die Energieträger Kohle, Erdöl und Erdölprodukte, Erdgas und elektrische Energie) trägt damit wesentlich zum Handelsbilanzdefizit bei: die Handelsbilanz für diese Güter ist seit 2000 durchwegs negativ. Im Jahr 2016 musste in Österreich für die Einfuhr der fossilen Energieträger nach Abzug von Exporten (netto) knapp 7 Milliarden Euro gezahlt werden.

„Die große Menge an importierter fossiler Energie bedeutet einen enormen Kaufkraftabfluss für unser Land“, betont Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. Diese Tatsache wurde bereits nach der ersten Ölkrise erkannt und war ein Auslöser für die Gründung der Österreichischen Energieagentur vor 40 Jahren (Details zum Jubiläum unter dem Motto ENERGY2027>> hier). „Wenn es gelingt, Erdöl mittelfristig durch nachhaltige heimische Energieträger zu ersetzen, würde das eine Trendwende in Richtung positive Handelsbilanz auslösen“ so Traupmann, der zu einem Gedankenexperiment an Hand aktueller Zahlen anregt: „Die Zahlen zeigen uns, dass Österreich ohne Nettoimporte von Erdöl und Erdölprodukten in den vergangenen 10 Jahren mit Ausnahme des Jahres 2011 im Außenhandel ausgeglichen bilanzieren würde. Teilweise würden sogar Überschüsse in Milliardenhöhe erzielt werden.“ (Die Grafik zeigt, dass dies seit 2002 der Fall ist.)
Erdgas werde Traupmann zufolge als Brückentechnologie noch länger Bedeutung haben, zumal auch dessen CO2 Bilanz deutlich besser ausfalle. Dennoch gelte es fossile Energieträger langfristig durch heimische erneuerbare Energie zu ersetzen, wobei dem Einsatz neuer Technologien und Effizienzsteigerungen Schlüsselrollen zukommen würden.


Abbildung 1:Gegenüberstellung Handelsbilanzen
Datenquellen: Zahlen Statistik Austria, Berechnung: Österreichische Energieagentur

Österreichische Industrie als Profiteur der Energiewende

„Der Ausbau erneuerbarer Energie und Investitionen in Energieeffizienz steigern den Selbstversorgungsgrad. Damit fließt weniger Geld ins Ausland und gleichzeitig würde Wertschöpfung im Inland generiert werden“, betont Traupmann. „Die heimische Industrie kann direkter Nutznießer der Energiewende sein. Die Transformation des österreichischen Energiesystems birgt zahlreichen Chancen für die Wirtschaft, da österreichische Unternehmen mit ihrem Know-how in energierelevanten Technologiebereichen weltweit reüssieren könnten – Technologie ‚made in Austria‘  kann zum Exportschlager werden“, so Traupmann weiter. Dementsprechend seien positive Beschäftigungseffekte zu erwarten. Aber auch die die Versorgungssicherheit werde durch Unabhängigkeit von fossilen Importen gestärkt, da die Herkunftsregionen sehr häufig politisch instabil sind. Darüber hinaus sei eine möglichst fossilfreie Energiezukunft auch im Sinne des Pariser Klimaschutz-Abkommens, das Österreich ratifiziert hat.

2 Prozent des BIP für Energieimporte

„Fossile Energie belastet Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen. Vom Kleinkind bis zum Pensionisten zahlte im Jahr 2016 jede Österreicherin und jeder Österreicher im Schnitt 770 Euro für den Import von Energie“, so Traupmann. 2016 wurden somit rund 2 Prozent des BIP für Energieimporte (netto) aufgewendet, im Jahr 2012 war es sogar doppelt so viel.

Dabei war die Situation im Jahr 2016 mit Kosten von 7 Milliarden Euro für den Import von Brennstoffen und Energie bei einem Jahresdurchschnitt des Ölpreises von 44 $ pro Barrel noch relativ günstig. Aber selbst im Jahr 2000, als der Ölpreis mit 29 $ pro Barrel sehr niedrig war, lagen die Kosten immer noch bei 4 Milliarden Euro. Im Jahr 2012 hingegen erreichten die Nettoimporte einen Rekordwert von fast 13 Milliarden Euro, zu diesem Zeitpunkt lag der Ölpreis bei 112 Euro pro Barrel. Erdöl und Erdölprodukte wie Benzin, Diesel und Ofenheizöl trugen im Zeitraum 2000 bis 2016 bis zu 75% (60 % im Jahr 2016) zu diesem Defizit bei, gemeinsam mit Erdgas stieg der Anteil auf bis zu 97 % (92 % im Jahr 2016).

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency

Die Österreichische Energieagentur (AEA) liefert Antworten für die Energiezukunft. Sie berät auf wissenschaftlicher Basis Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die strategischen Schwerpunkte des Kompetenzzentrums für Energie liegen dabei auf der visionzero einer fossilfreien Zukunft, der Transformation des Energiesystems in Richtung Energieintelligenz und den damit verbundenen Umbrüchen in den energierelevanten Branchen. Im Vordergrund steht die Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Versorgungssicherheit. Die Österreichische Energieagentur ist national und international tätig. Sie entwickelt Strategien für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung, führt Beratungen und Schulungen durch und ist die Vernetzungsplattform für die Energiebranche. Die Österreichische Energieagentur setzt klimaaktiv – die Klimaschutzinitiative des BMLFUW – operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und Erneuerbare Energie. Zudem betreibt die Österreichische Energieagentur im Auftrag des BMWFW die Nationale Energieeffizienz-Monitoringstelle.


Die Österreichische Energieagentur feiert 2017 ihr 40-Jahres Jubiläum. Das Jubiläumsjahr mit dem Thema ENERGY 2027>> steht ganz im Zeichen der Energiezukunft. Wie werden wir im Jahr 2027 global und lokal Energie erzeugen, verteilen und nutzen? Der Zeitraum scheint kurz, aber angesichts der disruptiven und exponentiellen Entwicklungen ist heute nicht absehbar, wie unsere Energie-Welt in zehn Jahren tatsächlich aussieht und vor welchen Herausforderungen sie dann stehen wird. Weitere Informationen unter www.energyagency.at/energy2027


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Mag. Klaus Kraigher MAS
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