Abschied von Öl- und Gasheizungen bringt viele Vorteile

Die Förderoffensive „Raus aus Öl und Gas“ des Kimaschutzministeriums schafft deutliche finanzielle Anreize für die Modernisierung von Gebäuden und für neue Heizungen ohne Öl und Erdgas. Das bedeutet größere Unabhängigkeit von Energiepreisschwankungen und vor allem einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Darüber hinaus bringt die Modernisierung von Gebäuden und Heizungen mehr Wohnkomfort. Aber auch Kaufkraft und Jobs in Österreich spielen eine Rolle.

Wien, 9. Februar 2021 – „Lebt man in einem alten und unsanierten Haus, ist es Zeit für eine Modernisierung. Das bedeutet ein klimafreundliches Heizsystem und eine Wärmedämmung des Gebäudes“, so Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. „Besser Wohnen und weniger zahlen – noch nie gab es dafür höhere Förderungen“, kommentiert Traupmann den Start der Sanierungsoffensive und des Bonus für „Raus aus Öl und Gas“ des Klimaschutzministeriums. Die Vorteile seien vielfältig. Thermische Sanierungen sorgen für ein behagliches Wohngefühl, steigern den Komfort und wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Die Modernisierung eines Gebäudes wertet die Immobilie auf und steigert ihren Verkaufswert. Klima und Konto profitieren gleichermaßen: Die jährlichen CO2-Emissionen sinken bei thermisch sanierten Gebäuden im Durchschnitt um immerhin 63 Prozent, die Energiekosten um durchschnittlich 60 Prozent (Einfamilienhaus, Details siehe Grafik). „Es geht nicht nur um die finanziellen Anreize. Heizen ohne Öl und Erdgas stellt vor allem auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz dar. So kann jede Hausbesitzerin und jeder Hausbesitzer einen Beitrag leisten, dass auch unsere Kinder in einer intakten Umwelt mit ökologischer Vielfalt leben werden können“, ergänzt Traupmann.

Ohne Öl und Erdgas unabhängig von internationalen Krisen

„Wer sich von Öl und Erdgas verabschiedet, macht sich auch unabhängig von bösen Überraschungen beim Preis“, betont Traupmann. Denn die Rohölpreise und damit auch die Heizölkosten würden sehr stark von oft unberechenbaren internationalen Ereignissen, den Absprachen des OPEC-Kartells, Handelskriegen oder etwa auch der Corona-Pandemie beeinflusst. „Auch wenn der Öl-Preis lange Zeit auf niedrigem Niveau war, kann das Pendel schnell in die andere Richtung ausschlagen. Der Trend zeigt bereits wieder nach oben“, so Traupmann (Grafik Preisentwicklung Heizöl – Rohöl und internationale Entwicklungen).

Kaufkraft in Österreich halten

Neun Milliarden Euro kosteten den Österreicher*innen der Import von Kohle, Öl und Erdgas im Jahr 2019. In diesem Jahr wurden (netto) 10,8 Mrd. m3 Erdgas bezogen, zum Großteil aus Russland [1]. Bei Rohöl betrugen die Importe 8,6 Mio. Tonnen. An der Spitze der Importländer stand Kasachstan mit 3,36 Mio. Tonnen, gefolgt von Libyen mit 1,85 Mio. Tonnen und dem Irak mit 1,35 Mio. Tonnen. Aus Aserbaidschan, in dem Ende 2020 Krieg herrschte, kamen 980.000 Tonnen [2].

„Wir sprechen von einem Kaufkraftabfluss von insgesamt rund 9 Milliarden Euro für fossile Energieträger. Mit diesem Geld unterstützen wir zumeist wenig demokratische Regime und begeben uns in Abhängigkeiten. Wenn wir uns von Öl, Erdgas und Kohle befreien, ist das also bei weitem nicht nur aus ökologischen Gründen sinnvoll“, erläutert Traupmann.

Heizöl und Erdgas bald mit CO2-Preis?

Da ein Heizsystem in der Regel mindestens 20 Jahre in Betrieb ist, müsse man laut Traupmann vor allem auch langfristig denken. Im aktuellen Regierungsprogramm ist die Einführung einer CO2-Bepreisung festgehalten, der Schritt soll 2022 erfolgen. In Deutschland gilt seit Anfang 2021 bereits ein Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 [3], der schrittweise auf bis zu 55 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2025 ansteigen wird. Damit wird das Heizen mit Energieträgern wie Öl oder Erdgas, die viele CO2-Emissionen verursachen, teurer. Geht man von einem Preis von 33 Euro pro Tonne CO2 aus, wie er derzeit etwa im Rahmen des Europäischen Emissionshandels von Industrie- und Energieunternehmen gezahlt wird, hat das bereits deutliche Auswirkungen auf die Vollkosten eines Heizsystems. Öl- und Gasheizungen verlieren – trotz aktuell niedriger Energiepreise – wesentlich an Attraktivität (Vollkosten = Investitionskosten inklusive Wartung- und Instandhaltung sowie Energiekosten).

Notwendiger Rückenwind für den Arbeitsmarkt

„Werden alle 600.000 Ölheizungen in Österreich ausgetauscht, ergibt sich ein Investitionsvolumen von rund 12 Milliarden Euro [4], der ebenfalls notwendige Tausch von Gaskesseln ist hier noch gar nicht enthalten. Durch solch ein klimafreundliches Konjunkturprogramm werden nicht nur bestehende Arbeitsplätze gesichert. Für die Modernisierung von Gebäuden und Heizsystemen werden auch zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht. Das ist bei der aktuell dramatischen Lage auf dem Arbeitsmarkt eine gute Botschaft. Allerdings braucht es rasch Initiativen zur entsprechenden Ausbildung beziehungsweise Umschulung“, schließt Traupmann.

Neben den Mitteln der Sanierungsoffensive und des Bonus für „Raus aus Öl und Gas“ des Klimaschutzministeriums stehen in den Bundesländern noch weitere Förderungen zur Verfügung, die kombiniert werden können.

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency (AEA)

Die Österreichische Energieagentur liefert Antworten für die klimaneutrale Zukunft: Ziel ist es, unser Leben und Wirtschaften so auszurichten, dass kein Einfluss mehr auf unser Klima gegeben ist. Neue Technologien, Effizienz sowie die Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Sonne, Wasser, Wind und Wald stehen im Mittelpunkt der Lösungen. Dadurch wird für uns und unsere Kinder das Leben in einer intakten Umwelt gesichert und die ökologische Vielfalt erhalten, ohne dabei von Kohle, Öl, Erdgas oder Atomkraft abhängig zu sein. Das ist die missionzero der Österreichischen Energieagentur.

Mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vielfältigen Fachrichtungen beraten auf wissenschaftlicher Basis Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie internationale Organisationen. Sie unterstützen diese beim Umbau des Energiesystems sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise.

Die Österreichische Energieagentur setzt zudem im Auftrag des Bundes die Klimaschutzinitiative klimaaktiv um und nimmt die Aufgaben der Nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle wahr. Der Bund, alle Bundesländer, bedeutende Unternehmen der Energiewirtschaft und der Transportbranche, Interessenverbände sowie wissenschaftliche Organisationen sind Mitglieder dieser Agentur.

Im Podcast Petajoule beantworten die Expertinnen und Experten der Österreichischen Energieagentur mit Gästen aus der Energiebranche die Fragen der Energiezukunft.

Rückfragehinweis
Mag. Klaus Kraigher, MAS
Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-174
E-Mail: pr(at)energyagency.at
Web: www.energyagency.at
Twitter: https://twitter.com/at_AEA

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[1] Energiebilanz, Statistik Austria 2020, https://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_umwelt_innovation_mobilitaet/energie_und_umwelt/energie/energiebilanzen/index.html
[2]
www.energyagency.at/aktuelles-presse/presse/detail/artikel/2-mai-ist-der-tag-der-abhaengigkeit-von-oel-kohle-und-erdgas.html
[3]
Siehe https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/nationaler-emissionshandel-1684508
[4]
inkl. Umsatzsteuer

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