Erste Ergebnisse Strompreiszonentrennung: Großhandelspreis für Montag um 3,2 % höher als in Deutschland


Ab 1. Oktober 2018 kein gemeinsamer Markt mehr für Deutschland und Österreich


Erste Auktion für Österreich am Spotmarkt: 63,19 Euro pro MWh im Base und 69,10 Euro im Peak


Wien, 30. September 2018
– Bisher wurde Strom in Deutschland und Österreich auf einem gemeinsamen Markt uneingeschränkt gehandelt. Dadurch gab es zwischen den beiden Ländern keine Unterschiede bei den Großhandelspreisen für Strom. Ab 1. Oktober 2018 tritt die Strompreiszonentrennung in Kraft, wodurch der uneingeschränkte Handel von Strom auf einem gemeinsamen Marktplatz nicht mehr möglich sein wird. Heute hat die erste Auktion für die ab 1. Oktober 2018 eigene österreichische Preiszone auf dem Spotmarkt der EPEX in Paris stattgefunden. Bei diesem Day-Ahead-Handel werden die Strommengen einen Tag vor der physischen Lieferung des Stroms vom Produzenten oder Händler zum Abnehmer gehandelt. Das Ergebnis : 63,19 Euro pro MWh für Base und 69,10 Euro pro MWh für Peak. Damit liegen die Preise im Durchschnitt in Österreich um 1,94 Euro bzw. 3,2 Prozent über den Preisen in Deutschland. Für die einzelnen Stunden schwankt die Preisdifferenz zwischen 0 Euro pro MWh und knapp 10 Euro pro MWh (siehe Abbildung 1).

„Im Rahmen der Engpassbewirtschaftung ab 1. Oktober 2018 an der deutsch-österreichischen Grenze wird der Markt in einen eigenen deutschen und einen österreichischen Markt mit separaten Preiszonen getrennt. Durch diese Trennung der Preiszone wird der Stromhandel zumindest vorübergehend erschwert, denn österreichische Lieferanten können nicht mehr uneingeschränkt im liquidesten Markt Europas Strom kaufen“, erläutert Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise bei der Österreichischen Energieagentur. Wenn heimische Lieferanten Strom aus Deutschland beziehen wollen, müssen sie nun auch die entsprechenden Kapazitäten kaufen. „Die Preiszonentrennung wird aber nicht in jeder Stunde des Jahres für Preisunterschiede sorgen, sondern nur dann, wenn die Nachfrage das Angebot an Grenzkapazität übersteigt“, ergänzt Knaus. In einer Vereinbarung zwischen Deutschland und Österreich wurde diese Kapazität auf 4.900 MW festgelegt, dies entspricht rund der Hälfte des österreichischen Stromverbrauchs zu Spitzenzeiten. „Betrachtet man die Entwicklung des bisherigen kommerziellen Austausches des Jahres 2018, sieht man, dass dieser in etlichen Phasen auch deutlich unter der neuen Handelsgrenze lag“, so Knaus (siehe Abbildung 2).

Abbildung 1


Abbildung 2

Rote Farbe: Die Kapazität von 4.900 MW wurde überschritten.

Widersprüchliche Marktsignale

Das Auktionsergebnis am Spotmarkt lässt aber keine Rückschlüsse auf eine mittel- oder langfristige Entwicklung des Strompreiseses zu, sondern stellt lediglich eine tagesaktuelle Momentaufnahme dar. Die Marktsignale für den neuen österreichischen Markt sind derzeit sehr unterschiedlich und lassen noch keine seriöse Einschätzung zu. Generell wird erwartet, dass durch die Preiszonentrennung die österreichischen Preise durchschnittlich über jenen von Deutschland liegen. Wie genau sich die Preisunterschiede entwickeln werden, ist jedoch derzeit noch nicht klar. So wurde an der Strombörse EEX (European Energy Exchange) bisher kaum mit Strom für Österreich gehandelt. Die publizierten Abrechnungspreise für Verträge mit einem Lieferzeitraum im dritten Quartal 2018 in Österreich (Phelix AT Q3) lagen dabei jedoch um 3,5 Euro pro MWh über jenen für den deutschen Markt.

Anfang September wurden außerdem zum ersten Mal die Lieferkapazitäten für die deutsch-österreichische Grenze versteigert. Diese Kapazitäten, die für Oktober gelten, berechtigen zum „Import“  von Strom aus Deutschland nach Österreich. Das Ergebnis dieser Auktion lag bei 0,88 Euro pro MWh und somit unter den Preisdifferenzen an der EEX für den gleichen Zeitraum.
„Eine Einschätzung der weiteren Entwicklung ist auch deshalb schwierig, da Preisinformationen für einen großen Anteil der Stromhandelsmengen nicht öffentlich sind. Grund dafür ist der sogenannte OTC-Handel („Over-the-Counter“), bei dem Produzenten, Händler und Abnehmer in außerbörslichen und nicht öffentlichen Direktverträgen handeln“, erklärt die Strommarkt-Expertin der Österreichischen Energieagentur.
„Derzeit wird das Handelsgeschehen außerdem von einer Reihe von anderen Faktoren geprägt. So spielen etwa auch die deutlich gestiegenen Preise für CO2-Emissionszertifikate, Kohle und Gas sowie die positive wirtschaftliche Entwicklung eine preissteigernde Rolle in ganz Europa“, analysiert Knaus.

Für einen typischen Haushalt wird sich die Auswirkung der Strompreiszonentrennung aufgrund der geringen Verbrauchsmengen über das Jahr gesehen voraussichtlich in einem sehr moderaten Rahmen bewegen. Dabei gilt es auch zu beachten, dass auf der Stromrechnung eines Haushaltes das Produkt Strom lediglich etwa ein Drittel des Gesamtpreises ausmacht. Das zweite Drittel deckt die Netzkosten ab, das dritte Drittel entfällt auf Steuern und Abgaben (z.B. Umsatzsteuer, Ökostromförderung -  siehe Grafik).

Factsheet Strompreiszonentrennung

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