Gleichstellung in der Energiebranche: Lösungsansätze zur gezielten Förderung von Frauen

Viele Frauen erleben in ihrer Berufslaufbahn immer noch keine Gleichbehandlung. In der letzten Veranstaltung der Initiative „C3E International“ diskutierten Branchenpersönlichkeiten über Maßnahmen, die rasch Wirkung zeigen: Frauen-Quote, keine „all male panels“, ein Ende der „Teilzeitfalle“ und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dank flexibler Arbeitszeiten

Wien, 24. Februar 2022 –  In der Energiebranche sind Frauen noch stärker unterrepräsentiert als im internationalen Schnitt: Obwohl die Hälfte der österreichischen Erwerbspersonen Frauen sind, sind in der Energiebranche nur 19,3 % der Beschäftigten weiblich (internationaler Schnitt 25 %). Mit zunehmender Verantwortung der Position sinkt dieser Anteil auf 11 %.

Im Rahmen der Initiative „C3E International“ (Clean Energy, Education and Empowerment) fanden in den letzten zwei Jahren diverse Maßnahmen statt, um Frauen in Energieberufen miteinander zu vernetzten und ihren Informationsaustausch und Wissenstransfer zu fördern. Dazu gehört auch die Energiefrühstück-Veranstaltungsreihe, die im Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), durchgeführt wurde. Die Österreichische Energieagentur hat die Events organisiert und umgesetzt.

Beim letzten Energiefrühstück der Veranstaltungsreihe, das im vergangenenDezember 2021 stattgefunden hat, ging es um ganz konkrete Ansätze, mit denen die „Gläserne Decke“ durchbrochen werden kann.

Massiver Aufholbedarf von Österreich bei der Gleichberechtigung

„Nach Jahrzehnten ist die Ungleichstellung leider immer noch ein hochaktuelles Thema“, bestätigt während ihres Begrüßungsstatements der letzten Veranstaltung Dr.in Maria-Elisabeth Pösel, stv. Sektionsleiterin für EU-Angelegenheiten und Internationales und Vorsitzende der Arbeitsgruppe für Gleichbehandlungsfragen im Bundesministerium für Klimaschutz, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. „Wir brauchen ein konsequentes Vorgehen, um Frauen auch in Führungspositionen zu haben. Um ein Umdenken zu erreichen, braucht es eine Frauenquote und einen nationalen Gleichstellungsplan. Nur so können wir statt einer formalen Gleichstellung eine materielle Gleichstellung erreichen.“

Mit oder ohne Frauenquote: Podien nach Themenexpertise statt Positionen besetzen

DIin Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, spricht sich wie Pösel für die Frauenquote aus: „Die Quote ist am Anfang gut, weil es ein Richtwert für die Unternehmen ist. In der Praxis ist die Herausforderung aber oft eine andere: Wir sehen noch immer männerdominierte Podien. Manchmal ist es schwer, Diversität zu schaffen, wenn man nach Positionen besetzt. Podien müssen aber nicht immer mit CEOs besetzt sein. Eine Lösung könnte die Besetzung nach Themenexpertise sein.“

Auch Teilzeit-Kräfte verdienen spannende Projekte

Eine der größten Hürden ist noch immer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. DIin Elisabeth Spitzenberger, Leiterin Technisches Management der Energie AG OÖ, spricht in diesem Kontext von der „Teilzeitfalle“: „Frauen bekommen in der Realität oft keine spannenden Projekte, wenn sie in Teilzeitanstellung sind. Aber was spricht dagegen, einer 20-Stunden-Kraft ein gutes Projekt zu geben? Jemand mit einer 40-Stunden-Woche jongliert eher noch andere Projekte nebenher. Wir können uns den Luxus nicht mehr leisten, den Geschlechterunterschied zu machen. Die Zeit rennt“.

Flexible Arbeitszeit und Homeoffice-Regelungen können Vereinbarkeit von Familie und Karriere fördern

Die Notwendigkeit sieht auch Dr. Stephan Sharma, CEO der Energie Burgenland: „Der Kampf gegen den Klimawandel ist die größte Herausforderung der Menschheit und den werden nicht die Männer allein lösen. Es ist absolut alternativlos: Wir brauchen die Frauen, wir brauchen die Jungen, wir brauchen die Diversität. Flexible Homeoffice-Regelungen sind heute eine Realität, die Frauen bei der Vereinbarkeit von Job und Familie unterstützen kann.“ Daran knüpft Mag.a Sandra Maurer, Geschäftsführerin der Energie Steiermark Service GmbH, an: „Mehr Perspektiven durch die Beteiligung von Männern und Frauen bedeuten eine größere Vielfalt von Entscheidungsmöglichkeiten. Dazu braucht es aber Flexibilität und Organisation, um Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.“

Regelmäßiger Austausch, Feedback und Vernetzung

Frauennetzwerke unterstützen in diesem Kontext dabei, die Sichtbarkeit für die Frauen und Unternehmen zu schaffen. Die Vernetzung wird gefördert, es können gemeinsam aktuelle Themen besprochen werden und über offene Jobs informiert werden. In der Energie- und Technikbranche gibt es u.a. WIMEN, OVE-Fem, GWNET, INNOVATORINNEN, C3E-International. Etwaige Netzwerke sind eine sinnvolle Ergänzung, um den Austausch zu stärken. Aber auch im Arbeitsalltag können Frauen bewusst gefördert werden: Auch jene Frauen sollten vor den Vorhang geholt werden, die im Hintergrund wesentlich zum Projekterfolg beigetragen haben. Eine offene Feedbackkultur ist entscheidend.

Es bleibt auch Aufgabe der Frauen selbst

Bei der Ungleichbehandlung reden wir aber nicht nur von einem strukturellen Problem, das von der Politik und Unternehmen gelöst werden muss. Auch bei den Frauen selbst ist ein Umdenken gefragt: „Aus meiner Sicht braucht es Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Diplomatie, um die gläserne Decke zu durchbrechen“, bestätigt Dr.in Christine Materazzi-Wagner, Leiterin der Abteilung Strom der E-Control. „Energie beeinflusst unser aller Leben, deshalb müssen Entscheidungen darüber von Männern und Frauen gemeinsam getroffen werden.“ Das bestätigt auch Spitzenberger: „Es braucht den Mut zur Klarheit und das muss geübt sein. Wir Frauen neigen oft dazu Dinge ‚weich zu zeichnen‘. Wir müssen uns trauen, die Wahrheit ganz klar auszusprechen“.

Das erste Energiefrühstück hatte im  November 2020 stattgefunden und richtete sich vor allem an weibliche Studierende aus technischen Studienrichtungen. Ziel des Events war es, sie mit Vertreterinnen aus Forschung und Wirtschaft zu vernetzen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde den Teilnehmerinnen die Initiative „C3E International“ sowie verschiedene Förderangebote vorgestellt, etwa die Initiative FEMtech und FEMtech Praktika. Die vier österreichischen C3E Botschafterinnen gaben Inputs aus der Praxis.

Das zweite Energiefrühstück im April 2021 hatte das Ziel Oberstufenschülerinnen die Möglichkeiten, die sie im Klima-, Energie-, Forschungs- und Innovationsbereich haben, vorzustellen, wodurch sie bei Überlegungen für einen späteren Berufs- und Karriereweg unterstützt werden sollen. Die Veranstaltung diente dabei dem Austausch zwischen Schülerinnen, Studentinnen und Vertreterinnen aus dem öffentlichen Sektor, Energieunternehmen und dem wissenschaftlichen Umfeld, um jungen Frauen auf interaktive Weise zu demonstrieren, was eine Karriere im Energiebereich für sie bereithält und welche Wege ihnen hierfür offenstehen.

Über “C3E International” (Clean Energy Education & Empowerment Initiative):

Die Initiative „C3E International“ ist ein Regierungsnetzwerk im Bereich Energie im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA) und des Clean Energy Ministerials (CEM). Die teilnehmenden Länder sind neben Österreich: Australien, Chile, Deutschland,  Europäische Union, Finnland, Großbritannien, Italien, Kanada, Schweden, Tschechien und die USA. Österreich ist durch das BMK und die FFG vertreten. National unterstützt wird das Projekt von der Österreichischen Energieagentur (Austrian Energy Agency - AEA) und RAFFEINER REPUTATION. Bei dem Energiefrühstück handelt es sich um eine nationale Veranstaltungsreihe des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie im Rahmen der Initiative C3E International.

Weiterführende Links

Webseite C3E International Webseite IEA Forschungskooperation