„Matchmaking“: Europäische Biogas-Technologie trifft auf Projektpartner:innen in Schwellen- und Entwicklungsländern

Schwellen- und Entwicklungsländern benötigen saubere und leistbare Energie, nicht immer stehen Technologie und Know-how zur Verfügung. Das internationale Horizon 2020 Projekt Digital Global Biogas Cooperation veröffentlicht nun eine Online Plattform, um einfach und ohne Kosten ideale Partner:innen zu finden. Lokale Biomassequellen sollen besonders effizient und nachhaltig genutzt werden, die Österreichische Energieagentur hat bereits 50 Projekte weltweit analysiert.

Wien, 30. November 2021 – „Biogas aus Reststoffen kann zu Strom, Wärme, Gas oder Treibstoff umgewandelt werden. Es spielt daher eine wesentliche Rolle, uns von der Abhängigkeit von Öl, Kohle und Erdgas zu befreien und weltweit die Energieversorgung umzubauen“, sagt Bernhard Wlcek von der Österreichischen Energieagentur, die Projektpartnerin beim internationalen Horizon 2020-Projekt Digital Global Biogas Cooperation (DiBiCoo) ist. Im Sinne der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN) wird durch DiBiCoo „leistbare und saubere Energie“ nicht nur in Europa, sondern darüber hinaus auch in Schwellen- und Entwicklungsländern gefördert.

„In Europa gibt es Spitzentechnologie zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Gleichzeitig fehlen an vielen Orten der Welt jedoch Schlüsseltechnologien sowie Know-how zur Umsetzung von nachhaltigen Biogasprojekten, obwohl saubere Energie dringend benötigt wird. Hier kann DiBiCoo eine Brücke bilden“, so Bernhard Wlcek weiter. Nun hat das seit Oktober 2019 bestehende Konsortium DiBiCoo, das 13 Organisationen aus Europa, Argentinien, Äthiopien, Ghana, Indonesien und Südafrika erfolgreich miteinander verbindet, mit der Veröffentlichung eines neuen Tools einen Meilenstein erreicht: Die Biogas and Gasification Matchmaking Platform biogasplatform.eu.

Zum Start der Plattform hat die Österreichische Energieagentur eine eigene Petajoule Projects Podcast-Folge veröffentlicht und spricht dort mit Projektpartner:innen über die wichtige Arbeit und Unterstützung, die im Rahmen von DiBiCoo geleistet wird.

 „Matchmaking“: Ideale Partner:innen für Biogas-Projekte finden

Diese digitale Business-to-Business-Plattform kann kostenlos benutzt werden und dient dazu, erfolgreiche und nachhaltige internationale Geschäftsbeziehungen zu etablieren. Innovative Ideen lokaler Projekt-entwickler:innen können auf der Vernetzungsplattform passende Partner:innen zur Projektrealisation schnell, einfach und unter fairen Bedingungen finden. Neben diesen Möglichkeiten zum so genannten „Matchmaking“ stehen auf der Webseite aber auch Factsheets und weitere Informationen zur Verfügung.

Gemeindeabfälle, Abwässer oder Pflanzenmaterial: 50 Biogasprojekte auf der ganzen Welt

Expert:innen der Österreichischen Energieagentur haben im Rahmen des Projekts weltweit über 50 Biogasprojekte analysiert. „So lässt sich zeigen, wie die Erzeugung erneuerbarer Bioenergie in unterschiedlichen Ländern mit verschiedensten Ausgangssituationen hinsichtlich der Infrastruktur, vorhandener Gas- und Stromnetze sowie geeigneter Biomasse – etwa Gemeindeabfälle, Abwässer, Pflanzenmaterial – effektiv gelingen kann“, erläutert Bernhard Wlcek.

Lokale Biomassequellen besonders effizient und nachhaltig nutzen

Die fünf technisch und wirtschaftlich vielversprechendsten Projekte werden nun mit Hilfe individueller Machbarkeitsstudien bei der Umsetzung ihrer Ziele beratend unterstützt und sollen in Folge in ihrer Region als Best-Practice-Beispiele im Demonstrationsmaßstab voranschreiten. Ausgewählt wurden dabei unter anderem Projekte, die lokale Biomassequellen besonders effizient und nachhaltig nutzen.

Nachhaltig Strom erzeugen und gleichzeitig Artenvielfalt schützen

So wird beispielsweise in Äthiopien ein Verbundprojekt der Bahir Dar Universität sowie örtlichen Entwicklungs-, Wasser- und Umweltschutzagenturen am Lake Tana gefördert, welches vorrangig invasive Wasserhyazinthen als Co-Substrat in der anaeroben Vergärung zur Produktion von Biogas nutzt. Damit wird nicht nur nachhaltig Strom für die lokale Versorgung erzeugt (1.600 kWe), sondern auch die natürliche Artenvielfalt (Biodiversität) des Sees geschützt.

Andere Projektentwickler:innen nutzen kommunale oder industrielle Abfälle, wie beispielsweise organische Fraktionen, Dünnschlempe und Prozessabwässer zur Erzeugung elektrischer Energie, die vor allem vor Ort der Selbstversorgung mit Strom dient. Auch Biomethan selbst kann durch die Einspeisung in lokale Gasnetze direkt genutzt und verteilt werden. Eine Übersicht über die Projektauswahl und den Selektionsprozess findet sich auf der Projektwebseite: DiBiCoo.org.

Best Cases“: Wie Umsetzung erfolgen kann

Die Energieerzeugung in der Größenordnung von 1.400 bis zu 3.100 kWe demonstriert nicht nur die technische Umsetzbarkeit, sondern zeigt vor allem auch anderen Projektentwickler:innen, wie vergleichbare Vorhaben mit geeigneten Partner:innen und moderner Biogastechnologie realisiert werden können. Die Biogas und Gasification Platform liefert dazu eine einmalige digitale Infrastruktur und damit die Voraussetzungen für zukünftige erfolgreiche Energieprojekte auf der ganzen Welt.

Projektpartner:

Instituto Nacional de Tecnología Agropecuaria (Argentinien)
Iceaddis IT Consultancy PLC (Äthiopien)
Institute for Sustainable Energy and Environmental Solutions (Ghana)
Inisiasi Pengkajian Resiliensi - Resilience Development Initiative (Indonesien)
GreenCape and Selectra CC (Südafrika)
WIP Renewable Energies GmbH & Co. KG (Deutschland)
Fachverband Biogas e.V. (Deutschland)
ARGE Kompost & Biogas Verband (Österreich)
Austrian Energy Agency, AEA (Österreich)
Latvia University of Life Sciences & Technologies (Lettland)
European Biogas Association (Belgien)