Schluss mit verwirrendem A+++: Das neue Energielabel kommt

Informationen werden verständlicher: Pluszeichen fallen weg, einfache Bewertungsskala von A bis G – Angaben praxisnäher – Informationen auf www.label2020.at – Österreichische Energieagentur koordiniert Projekt in 16 EU-Ländern

Wien, 21. Jänner 2021 – „Bereits im Jahr 1995 gab es das erste Energielabel, damals zu finden auf Kühl- und Gefriergeräten. Seitdem hat sich das Label zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Um diese weiterzuschreiben, stehen nun einige Änderungen an“, sagt Bernd Schäppi, Centerleiter bei der Österreichischen Energieagentur. Er ist mit seinem Team für die Informationsplattform www.label2020.at verantwortlich, die Österreichische Energieagentur koordiniert das Projekt in 16 EU-Ländern. „Vergleicht man beispielsweise heute eine A+++-Kühlgefrierkombi mit einem früher gängigen B-Klasse-Gerät, ist der Energieverbrauch um mehr als 70 Prozent niedriger“, nennt Schäppi ein Beispiel [1]. Kauft man heute einen Wäschetrockner der Klasse A++, spart man gegenüber einem Modell der Klasse B über die gesamte Produktlebensdauer 2.900 kWh oder 580 Euro ein [2]. „Das kommt der eigenen Geldbörse und natürlich auch dem Klimaschutz zugute. Schon heute spüren wir die Auswirkung der Klimakrise. Für die Zukunft unserer Kinder müssen wir jetzt entschlossen gegensteuern und in allen Bereichen entsprechende Maßnahmen setzen“, so Schäppi.

Von A bis G – kein Plus mehr

Derzeitig gibt es für die allermeisten Produktgruppen eine Skala von A+++ bis G, die nun durch eine klarere und nutzerfreundlichere Skala von A bis G ersetzt wird – ohne eine Vielzahl von Plus-Symbolen. Bei der Einführung des Energielabels war die Geräteklasse A für die besten Geräte am Markt vorgesehen. Mit der Zeit haben die Hersteller immer sparsamere Modelle auf den Markt gebracht, daher wurde die Skala um Plus-Symbole erweitert. Diese Einordnung in die Klassen A+ bis A+++ ist jedoch nicht sinnvoll, da zwischen den Produkten deutliche Unterschiede bei der Energieeffizienz bestehen können. Außerdem wirkt dieser optisch nur graduelle Unterschied zwischen unterschiedlich vielen Plus-Zeichen auf Konsument*innen weniger motivierend, ein energieeffizienteres Produkt zu kaufen, als ein Unterschied zwischen C und A. Daher wird am 1. März 2021 ein neues Label, das nur die Energieklassen A bis G umfasst, eingeführt. Dieses neue Energielabel wird bei Haushaltskühl- und Gefrierschränken, Waschmaschinen und Waschtrocknern, Geschirrspülern, Fernsehern und elektronischen Displays, ab September 2021 auch bei Lichtquellen, zu finden sein. Für die weiteren Produktgruppen wie beispielsweise Klimageräte, Heizung und Warmwasserbereitung werden die neuen Labels zu einem etwas späteren Zeitpunkt eingeführt. Hier wird daher noch längere Zeit das alte Label zu sehen sein.
 „Das neue System vereinfacht die Orientierung für die Konsumentinnen und Konsumenten. Sie können nun sehr leicht effiziente Produkte erkennen, auswählen und so den Energieverbrauch, ihre Stromrechnung und vor allem auch die Treibhausgasemissionen senken. Gleichzeitig soll die überarbeitete Kennzeichnungsskala für Hersteller ein Anreiz sein, mit Innovationen und neuen Technologien noch energieeffizientere Produkte auf den Markt zu bringen“, erklärt Schäppi.
Damit es auch in Zukunft keinen „Plus-Wildwuchs“ mehr geben wird, wird eine Anpassung der Klassengrenzen durchgeführt. Dies geschieht, sobald 30 % der auf dem EU-Markt verkauften Produkte in die oberste Energieeffizienzklasse A fallen, oder wenn 50 % dieser Produkte in die obersten zwei Energieeffizienzklassen A und B fallen.

 

 

Praxisnähere und verständlichere Angaben

Die neuen Labels beruhen auf teilweise überarbeiteten Berechnungsmethoden und Teststandards. Diese sind noch praxisnäher, werden allerdings zu etwas anderen Energieverbrauchswerten führen. So wird beispielsweise bei den meisten Produktgruppen nicht mehr ein mittlerer Jahresverbrauch angegeben, der je nach Haushaltsgröße und Nutzergewohnheiten deutlich variieren kann. Das neue Label nennt den Verbrauch pro Betriebsstunden oder Betriebszyklen etc. „Die Informationen sind damit praxisnäher und leichter nachvollziehbar. Gleichzeitig gilt zu beachten, dass die Werte am alten Label nicht eins zu eins mit dem neuen Label vergleichbar sind“, so Schäppi.

Datenbank und App

Über einen QR-Code kann man zukünftig auf eine neue EU-Produktdatenbank zugreifen, die zusätzliche Produktinformationen für alle gekennzeichneten Produkte bietet. Ab Frühjahr 2021 wird das mit einer App möglich sein, die auch Produktvergleiche, Lebenszykluskostenberechnungen und einiges mehr ermöglichen wird.

Im unteren Teil des Labels informieren verschiedene Piktogramme über ausgewählte Produkteigenschaften. Einige der ursprünglichen Piktogramme wurden überarbeitet, mehrere Piktogramme wurden neu hinzugefügt (Energieeffizienz im HDR-Modus bei TVs und Displays, Waschzeit bei Waschmaschinen).

 „Das Energielabel ist hierzulande sehr gut etabliert. Knapp 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher kennen es und wissen auch, wofür es steht. Ganze 85 Prozent davon sagen sogar, dass das Label ihre Entscheidung beim Kauf eines Elektrogerätes beeinflusst hat. Das sind gute Grundvoraussetzungen dafür, dass die Konsumentinnen und Konsumenten auch das neue Label annehmen und nützen werden“, zeigt sich Schäppi optimistisch [3].

Österreichische Energieagentur für Projekt in 16 EU-Ländern verantwortlich

„Das Projekt Label2020, das von der Österreichischen Energieagentur mit Partnern in 16 EU-Ländern koordiniert wird, unterstützt bei der Information und entwickelt verschiedene Tools für den Handel und für Konsumentinnen und Konsumenten“, erläutert Schäppi.

Ab Frühjahr 2021 wird es eine Smartphone-App und Informationsflyer für Konsument*innen geben. Auf der Webseite stehen Guidelines, Schulungsmaterialien und in Zukunft auch ein Learning-Tool für den Handel zur Verfügung.

Über Label2020

Das EU-Energiezeichen für Produkte unterstützt Verbraucher seit mehr als 25 Jahren bei der Suche und Auswahl energieeffizienter Produkte. Das Label hat die Entwicklung innovativer, effizienter Produkte vorangetrieben, die den Energieverbrauch und die Betriebskosten von Geräten drastisch senken.

Trotz dieser Erfolge ist das aktuelle Energielabel mit einer Skala von A+++ bis D intransparent und unübersichtlich für Beteiligte geworden und hat damit an Effektivität verloren. Deshalb hat die EU nun entschieden, die Label auf die Klassen A bis G zu beschränken. In der Zukunft sollen die Energieeffizienzklassen auf Grundlage der Markt- und Technologieentwicklung neu skaliert werden.

Das Projekt Label2020 soll dabei helfen, einen reibungslosen Übergang zu den neuen Energieeffizienzklassen herzustellen. Das Projekt startete im Juni 2019 und läuft bis Januar 2023. Die Österreichische Energieagentur koordiniert das Projekt gemeinsam mit Partnern in 16 EU-Mitgliedsstaaten. Das Projekt Label2020 wird vom Rahmenprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union für Forschung und Innovation gefördert.

https://www.label2020.at

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[1] Kühlgefrierkombi, Geräte mit ca. 340 l Gesamtvolumen, ca. 90 l Gefrierteil: Energieverbrauch A+++-Gerät etwa 157 kWh, bei einem vergleichbaren früheren typischen B-Klasse-Gerät rund 535 kWh

[2] Preis pro kWh: 0,22 Euro

[3] Eurobarometer Einstellungen der Europäer zur EU-Energiepolitik, Mai 2019, ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/ResultDoc/download/DocumentKy/89171

 

Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency (AEA)

Die Österreichische Energieagentur liefert Antworten für die klimaneutrale Zukunft: Ziel ist es, unser Leben und Wirtschaften so auszurichten, dass kein Einfluss mehr auf unser Klima gegeben ist. Neue Technologien, Effizienz sowie die Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Sonne, Wasser, Wind und Wald stehen im Mittelpunkt der Lösungen. Dadurch wird für uns und unsere Kinder das Leben in einer intakten Umwelt gesichert und die ökologische Vielfalt erhalten, ohne dabei von Kohle, Öl, Erdgas oder Atomkraft abhängig zu sein. Das ist die missionzero der Österreichischen Energieagentur.

Mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vielfältigen Fachrichtungen beraten auf wissenschaftlicher Basis Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie internationale Organisationen. Sie unterstützen diese beim Umbau des Energiesystems sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise.

Die Österreichische Energieagentur setzt zudem im Auftrag des Bundes die Klimaschutzinitiative klimaaktiv um und nimmt die Aufgaben der Nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle wahr. Der Bund, alle Bundesländer, bedeutende Unternehmen der Energiewirtschaft und der Transportbranche, Interessenverbände sowie wissenschaftliche Organisationen sind Mitglieder dieser Agentur.

Im Podcast Petajoule beantworten die Expertinnen und Experten der Österreichischen Energieagentur mit Gästen aus der Energiebranche die Fragen der Energiezukunft.

Rückfragehinweis
Mag. Klaus Kraigher, MAS
Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24-174
E-Mail: pr(at)energyagency.at
Web: www.energyagency.at
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