topprodukte.at-Test: Dimmbare LED-Lampen mit Fernbedienung – Komfort auf Kosten von Effizienz

Fünf smarte LED-Lampen wurden unter anderem hinsichtlich Energieeffizienz und Lichtqualität getestet. Fazit: Komfort wirkt sich negativ auf Effizienz aus. Die Testergebnisse inkl. Preise stehen auf der kostenlosen, unabhängigen Plattform topprodukte.at

Wien, 19. Juni 2019 – Im Test wurden fünf ausgewählte smarte Produkte unter die Lupe genommen und auf die Merkmale Energieeffizienz, Helligkeit, Farbtemperatur, Farbwiedergabe, Verbrauch im Stand-by und zum ersten Mal auch Flicker-Verhalten hin gemessen. „Die Lichtausbeute ist durchwegs deutlich niedriger als die von klassischen LED-Filamentlampen. Verschlechtert wird die Bilanz noch durch den Stand-by-Verbrauch, wenn smarte Lampen nur durch die Fernbedienung ausgeschaltet werden. Komfort schlägt also Effizienz“, zieht topprodukte.at-Experte Thomas Bogner ein Fazit. Außerdem käme bei zwei Modellen beim Dimmen der Aspekt des Flickers, also des schnellen Veränderns der abgegebenen Lichtmenge, deutlich zum Tragen, so Bogner. Die Testergebnisse sind auf topprodukte.at zu finden, einem Service von klimaaktiv, der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Zu Hause am Sofa zu sitzen und das Licht einzuschalten oder auch zu dimmen, ohne zum Lichtschalter gehen zu müssen, klingt verlockend. Mit smarten Lampen ist das möglich. Diese Lampen lassen sich wie konventionelle LED-Lampen verwenden, die per Lichtschalter ein- und ausgeschaltet werden. Ihre Vorteile – wie Dimmen ohne fix eingebauten Schalter an der Wand oder sogar die Anpassung der Lichtstimmung von „gemütlich“ bis „nüchtern“ bis hin zur Einstellung von farbigem Licht – spielen sie  jedoch dann aus, wenn sie mit der zugehörigen Fernbedienung eingesetzt werden.
Auch mit Smartphone-Apps lassen sich viele Modelle steuern bzw. ins Netz zu Hause einbinden, dazu ist aber ein zusätzliches Modul notwendig. Auch die Bedienung mittels Sprachsteuerung ist bei einigen Modellen möglich.

Fünf Smart Lamps im Test

Getestet wurden aktuelle smarte LED-Lampen von vier Anbietern in der klassischen Birnenform und mit dem gebräuchlichen E27-Sockel mit den dazugehörigen Bedienelementen. Konkret wurden zwei Modelle von IKEA aus der TRÅDFRI-Serie und je ein Modell aus der Philips-Hue-Reihe, die Osram Smartplus und die Paulmann Smarthome – jeweils im Paket mit einem Dimmschalter zur Steuerung – getestet. Diese Produkte sind im stationären Handel aber auch online leicht erhältlich.

Die Dimmschalter funktionieren drahtlos und kommunizieren mit der Lampe in der Regel über das sogenannte ZigBee-Funkprotokoll. Sie können je nach Wunsch an beliebiger Stelle im Raum angebracht werden oder wie eine Fernbedienung mobil verwendet werden. Pro Fernbedienung können meist auch bis zu zehn Lampen gleichzeitig gesteuert werden – vorausgesetzt, sie sind alle vom gleichen Hersteller.

Der deklarierte Lichtstrom der LED-Lampen reichte von 600 bis 1000 Lumen. Das entspricht der Helligkeit von Glühlampen mit 50 bis 75 Watt. Mit den entsprechenden Dimmschaltern lassen sich die Lampen über einen weiten Bereich dimmen – entweder quasi stufenlos oder auch in völlig ausreichenden sieben Stufen.

Die Testergebnisse im Überblick

Lampenhelligkeit (Lichtstrom)

Bei der Deklaration des Lichtstroms auf der Verpackung erlauben sich die Hersteller keinen Fehler – die Werte stimmen gut mit den Messwerten überein. Abweichungen von 1 bis 7 Prozent, mit einem Ausreißer bei der IKEA-Lampe mit 600 Lumen von 15 Prozent, sind insgesamt in Ordnung.

Energieeffizienz

Spitzenreiter bei der Lichtausbeute (Lumen je Watt, lm/W) ist das Modell von Osram mit etwa 97 lm/Watt. Alle anderen Modelle liegen etwas abgeschlagen zwischen 80 und 87 lm/W. Zum Vergleich: Aktuelle LED-Filamentlampen (bei etwa 1000 Lumen) erreichen 120 lm/W und mehr. Hier müssen bei smarten Lampen – bedingt durch die zusätzliche Steuerungselektronik – doch deutliche Abstriche in Kauf genommen werden.

Beim Dimmen verhalten sich die Lampen so weit unauffällig, der Effizienzwert bei unterschiedlichen Dimmstufen liegt bei allen getesteten Lampen in etwa bei der Lichtausbeute im ungedimmten Betrieb.
Bei den fernsteuerbaren Lampen ist im Gegensatz zu den klassischen LED-Lampen noch ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen. Wenn diese nicht mit einem Wandschalter bzw. dem Schalter der Leuchte, sondern nur mit der Fernbedienung ausgeschaltet werden, weisen diese Produkte einen Stand-by-Verbrauch auf, der zwischen 0,37 und 0,49 Watt liegt. Sie sind ja in einem Bereitschaftszustand, um auf das Einschaltsignal der Fernbedienung zu warten. Zum Vergleich: Bei zehn Lampen, die mit einer Fernbedienung gesteuert werden, sind es bis zu 5 Watt im Stand-by, ein sparsamer WLAN-Router kommt mit 7 Watt im Betrieb aus.
Unter der Annahme, dass die smarten Lampen 1000 Stunden im Jahr (entspricht 2,7 h/Tag) eingeschaltet sind und nur mit der Fernbedienung ausgeschaltet, aber nicht vom Netz getrennt werden, sinkt die Effizienz im tatsächlichen Betrieb – rechnerisch gesehen – weiter ab. Statt 97 lm/W sind es dann nur mehr 73, und statt 80 nur mehr 57 lm/W. Da liegt zwischen dieser Lampe und einer LED-Filamentlampe der Faktor 2.

Farbtemperatur

Die Produkte im Test sind alle mit der Lichtfarbe 2700 Kelvin – also „warmweiß“ – deklariert. Diesen Wert halten sie mit nur sehr geringen Abweichungen auch ein.

Farbwiedergabe

Bei der Farbwiedergabe liegen die beiden Modelle von IKEA mit einem Wert von über Ra 90 vorne. Die übrigen Produkte überschreiten den gesetzlich vorgeschriebenen Wert von 80 nur knapp – also „befriedigend“.
Auch beim Wert für gesättigtes Rot (der sogenannte R9-Wert) heben sich die IKEA-Modelle gegenüber den anderen deutlich ab.

Flicker

Zum ersten Mal wurde auch das Flicker-Verhalten im Detail angesehen. Flicker beschreibt das Phänomen eines schnellen Veränderns der abgegebenen Lichtmenge (mit Schwankungen von 100-mal pro Sekunde (Hz) oder mehr).

Der Wert für „Stroboscopic Visibility Measure“ (SVM) berücksichtigt und gewichtet einzelne Parameter wie Flicker-Intensität, Flicker-Index und Frequenz und ist auch ein Maß für die Lichtqualität. Die Gewichtungskurve zur Berechnung des SVM-Werts basiert auf einem SVM-Wert von 1,0. Dieser wurde so festgelegt, dass er die Sichtbarkeitsschwelle für eine durchschnittliche beobachtende Person repräsentiert. Ein SVM-Wert unter 1 bedeutet „nicht sichtbar“ und ein Wert über 1 entsprechend „sichtbar“.
Im nichtgedimmten Betrieb weisen alle getesteten Modelle einen Wert deutlich unter 1 auf (von 0 bis 0,66). Anders sieht die Situation im gedimmten Zustand aus. Auffällige Werte zeigt die Lampe von IKEA mit 600 Lumen (bis zu SVM = 2,5 bei 23 % Dimmung) und das Produkt von Paulmann (bis zu SVM = 2,8 bei 20 % Dimmung). Alle anderen Modelle sind auch im gedimmten Zustand hinsichtlich Flicker komplett unauffällig. Die gesundheitlichen Effekte von Flicker sind noch nicht vollständig erforscht. Zu berücksichtigen ist, dass die tatsächlichen Auswirkungen individuell sehr unterschiedlich sein können.

Kosten

Ein weiterer kritischer Punkt sind die Kosten, die für Leuchtmittel nicht unerheblich sind: Für eine Basis­ausstattung von drei Lampen mit Dimmschalter müssen zwischen 60 und 80 Euro ausgegeben werden.


Über die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency (AEA)

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