Abwasserenergie

Der Energieinhalt in Abwässern aus Haushalten, Gewerbe und Industrie ist beträchtlich. Im Winter kann aus dem Abwasser Wärme zum Heizen gewonnen werden, aber es kann damit auch gekühlt werden. Im Winter beträgt seine Temperatur meist über 10°C, weshalb Wärmepumpen mit der Energiequelle Abwasser besonders effizient arbeiten können. Darüber hinaus kann bei der Kläranlage Biogas erzeugt werden, das in ein Gasnetz eingespeist oder direkt auf der Kläranlage zur Stromerzeugung, bei der als „Nebenprodukt“ Abwärme entsteht, genutzt werden.

Die abwassertechnische Infrastruktur kann daher als Energiezelle gesehen werden. Das größte Potenzial besteht dabei in der ortsgebundenen Abwasserwärme. Deren Nutzung muss daher auch unter raumplanerischen Aspekten betrachtet werden und soll daher in regionalen Energieversorgungskonzepten im Projekt wissenschaftlich untersucht werden.
Das Projekt „Energie aus Abwasser“ ergab, dass v. a. thermische Nutzungsmöglichkeiten des Kläranlagenablaufs von hoher Bedeutung sind, z. B. für Klärschlammtrocknung, Beheizung von Kläranlagenbetriebsgebäuden sowie anderer Gebäude rund um Kläranlagen und in Nähe von Sammelkanälen (unter Berücksichtigung raumplanerischer Instrumente). Neben der Wärme bzw. Kälte, die den thematischen Schwerpunkt des Projektes darstellt, werden auch weitere Energieformen berücksichtigt (Biogas, Strom).

Die genannten Einsatzbereiche sollen einer Potenzialanalyse unterzogen werden. Zahlreiche Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass bei der Abwasserwärmenutzung nach der Kläranlage Gebäude oft wirtschaftlich versorgt werden können, auch wenn diese mehrere Kilometer entfernt liegen. Mit Konzepten zur Energieraumplanung wird aufgezeigt, ob und gegebenenfalls wie durch die raumstrukturellen Gegebenheiten eine Energieversorgung weiterer Raumnutzungen unter Berücksichtigung künftiger Entwicklungen sinnvoll machbar ist, z.B. ob sie mit Leitungen erschlossen werden können, wie sich der Wärme- und Kältebedarf von Neubaugebieten entwickeln wird und ob bzw. wie weitere regionale Ressourcen für die Energiegewinnung am Standort herangezogen werden können.

Weiters wird untersucht, ob und wie sich der Wärme- und Kältebedarf rund um Kläranlagen mittels Neuansiedlungen (v. a. durch Nutzungen mit ganzjährig gleichbleibenden Niedertemperaturenergiebedarf, wie z. B. Gewächshäuser, Sporthallen/Hallenbäder und diverse Industrie- und Gewerbebetriebe mit hohem Energiebedarf) erhöhen lässt. Dabei wird auch aufgezeigt, mit welchen flankierenden Maßnahmen eine Realisierung von Projekten im Einvernehmen mit GrundeigentümerInnen, Nachbarn etc. erzielt werden kann.

Oft wird Abwasserenergie nicht eingesetzt, auch wenn es ökologisch und ökonomisch sinnvoll wäre, weil die Möglichkeit zu deren Nutzung zu wenig bekannt ist. In der Schweiz gibt es schon seit über 20 Jahren und in Baden-Württemberg seit drei Jahren Initialisierungsprogramme mit Information, Beratungen von Kommunen und gezielten Förderungen für Studien und Realisierungen – wohl ein Hauptgrund dafür, dass in der Schweiz rund 80, meist große Anlagen stehen und in Baden-Württemberg viel mehr als in den restlichen Ländern von Deutschland. Die erfolgreichen Umsetzungsprogramme und allenfalls weitere werden in Bezug auf die Anwendung in Österreich analysiert und testweise an ausgewählten Kommunen erprobt und ein Umsetzungskonzept entwickelt.

Der geringen Bekanntheit des Themas wird durch gezielte Disseminationsaktivitäten beigekommen. Das Projektteam wird weiters eine österreichische Webseite aufbauen, die über das Thema und neue Entwicklungen informiert. Dies soll zur Entstehung eines österreichischen Kompetenzzentrums für Abwasserenergienutzung führen.

Projektdaten
AuftraggeberKlima- und Energiefonds
Projektleiter/inDI Franz Zach
ProjektpartnerUniversität für Bodenkultur, Wien
TU Graz, Institut für Prozess- und Partikeltechnik, Graz
AIT – Austrian Institute of Technology, Wien
Institut Energie in Infrastrukturanlagen, Schaffhausen (CH)
Ochsner Wärmepumpen GmbH, Stadt Haag
Projektdauer04/2013 – 03/2016