Fördersysteme für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern. Status und Perspektiven

In der EU werden in erster Linie Einspeisevergütungsmodelle (mit Vergütungen in Form von Tarifen oder Prämien) und Quotensysteme mit handelbaren Zertifikaten zur Förderung von Ökostromanlagen eingesetzt. Ausschreibungsmodelle und Investitionsförderungen kommen derzeit nur zur Unterstützung konkreter Projekte bzw. als begleitendes Instrument zum Einsatz. Grundsätzlich weisen alle Förderinstrumente spezifische Vor- und Nachteile auf.
Die in Österreich und Deutschland eingesetzten Einspeisetarifmodelle zielen darauf ab, die Risiken für Anlagenbetreiber bzw. Investoren zu minimieren und ein breites Portfolio an Technologien an den Markt heranzuführen. Sie haben sich in der Vergangenheit als sehr effektives und kosteneffizientes Förderinstrument erwiesen, auch wenn ihrer risikoreduzierenden Wirkung bei rohstoffpreisabhängigen Technologien enge Grenzen gesetzt sind. Systemische Nachteile von Einspeisetarifen bestehen darin, dass die geförderten Anlagen vom wettbewerblichen Strommarkt abgeschottet bleiben.

Infolge stark gestiegener Förderkosten in Deutschland sind diese Aspekte sowie die technischen Herausforderungen in einem Stromsystem mit wachsendem Anteil volatiler Erzeuger zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher und öffentlicher Diskurse geworden.
Forderungen nach anderen, angeblich günstigeren Fördersystemen haben dadurch Aufwind bekommen. Diese vorgeschlagenen Systeme zielen unter anderem darauf ab, die Markt- und Systemintegration erneuerbarer Stromerzeugung voranzutreiben.

Vorgeschlagene Alternativen weisen Schwächen auf

Die im aktuellen Diskurs zur Weiterentwicklung des Ökostromgesetzes vorgeschlagenen Alternativen zu Einspeisevergütungsmodellen weisen allerdings allesamt wesentliche Schwächen und Nachteile im Vergleich zum derzeitigen System auf. Die behauptete Kosteneffizienz von Quotensystemen ist lediglich theoretischer Natur; in der Praxis sind quotenbasierte Fördersysteme fast immer weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und technologie-offene Ansätze, die Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anlagentypen forcieren sollten, haben sich unter anderem aus technologiepolitischer Sicht als nicht zielführend erwiesen.

Da die Vorteile alternativer Fördermodelle – jedenfalls in der Praxis – nicht sichtbar sind, liegen die Ansätze zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für die Ökostromerzeugung nicht bei einem Systemwechsel, sondern bei der Optimierung des grundsätzlich erfolgreichen österreichischen Fördersystems. Beispiele dafür wären etwa eine automatische, vom Anlagenzubau abhängige Degression der Einspeisetarife oder Maßnahmen zur Reduzierung der Ausgleichsenergiekosten.

Notwendigkeit für einen Umbruch des österreichischen Fördersystems aktuell nicht gegeben

Auf längere Sicht ist eine stärkere Integration in ein funktionierendes, nachhaltig gestaltetes generelles Strommarktmodell anzustreben – das gegenwärtige Marktmodell wird diesem Anspruch noch nicht gerecht.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Notwendigkeit für einen Umbruch des österreichischen Fördersystems aber auch aus folgenden Gründen nicht gegeben:

Die Förderkosten liegen in Österreich weit unter jenen in Deutschland. Die diesjährigen „Ökostromkosten“ typischer Haushaltskunden betragen hierzulande weniger als ein Drittel des deutschen Wertes, und die auf das BIP bezogenen, gesamten Förderkosten waren in Deutschland 2012 sogar mehr als 4 mal höher als in Österreich. Darüber hinaus ist Österreich auch aufgrund des deutlich geringeren Anteils volatiler Stromerzeugung aus PV- und Windkraftanlagen (bezogen auf den Stromverbrauch unter 4 % im Vergleich zu 13 % in Deutschland) und seiner (bezogen auf den Stromverbrauch) weitaus höheren Pumpspeicherkapazitäten nicht mit denselben systemtechnischen Herausforderungen konfrontiert wie Deutschland.

Projektdaten
AuftraggeberLebensministerium
Projektleiter/inDI Dr. Gerald Kalt
ProjektteamBernhard Lang
DI Johannes Schmidl