"Life Style 2030" - Stromverbrauch in österreichischen Haushalten

Ziel des Projektes ist eine detaillierte Analyse des Stromverbrauchs der österreichischen Haushalte und die Abschätzung der Entwicklung im Zeitraum 2010 bis 2030 unter Anwendung von Life Style-Konzepten. Zentrales Ergebnis ist ein Maßnahmen-Katalog mit Handlungsoptionen auf nationaler Ebene als synergetische bzw. komplementäre Ergänzung zu EU-Politiken.

Ausgangslage

Der Stromverbrauch des Sektors "Haushalte" zeigt einen signifikanten Aufwärtstrend. Im Zeitraum von 1990 bis 2006 ist der Verbrauch trotz der zum Teil beträchtlichen Effizienzverbesserungen um 30% gestiegen. Die Ursachen hiefür sind vielschichtig, primär liegen sie im wachsenden Ausstattungsgrad sowie in der demografischen Entwicklung und steigendem Wohlstand begründet.

Die bislang angewandten Instrumente in der Marktgestaltung auf EU-Ebene (wie Labelling, Mindest-Standards, freiwillige Vereinbarungen, Procurement) – zeig(t)en Wirkungen, die jedoch angesichts des stetig steigenden Verbrauches bei weitem nicht als hinreichend betrachtet werden können.

In allen energiepolitischen Szenarien nimmt eine massive Energieeinsparung bzw. signifikante Effizienzsteigerung eine vordringliche Rolle ein. Im 2006 veröffentlichten Grünbuch für Energieeffizienz "Weniger ist mehr" unterstreicht die EU die eminente Bedeutung von wirkungsvollen Effizienz-Maßnahmen in allen Sektoren. Im Anfang 2007 vorgestellten EU-Klimaschutzpaket 2020 wird im Hinblick auf die Senkung der Treibhausgas-Emissionen nochmals die Bedeutung der Energieeffizienz neben einer Steigerung des Anteils erneuerbarer Energieträger betont.

Während in den Sektoren "Industrie" sowie "Gewerbe und Dienstleistung" bereits Effizienzmaßnahmen in einem gewissen Ausmaß greifen, ist der Bereich "Haushalte" nach wie vor ein diffizil und schlecht steuerbares Handlungsfeld. Dies ist primär auch ein strukturelles Problem dieser Zielgruppe. Herausforderungen stellen hiefür die Vielzahl von Einzelverbrauchern und der Handlungshintergrund der Akteure – ökonomisches Kalkül vs. kulturellen und psychologischen Faktoren.

Projekt-Phasen im Überblick

  • Analyse des Stromverbrauch Haushalte status quo und bestimmender Parameter
  • Evaluierung der Technologiepfade und Effizienzpotentiale von Geräten im Haushaltssektor
  • Evaluierung des Spannungsfeldes "Bedürfnis und technische Lösung"
  • Foresight Modell-Entwicklung & Szenarien und Sensitivitäts-Analyse
  • Identifizierung der Handlungsspielräume & Definition der Anforderungen an Gestaltung der Rahmenbedingungen
  • Stakeholder-Einbindung und Dissemination

Status quo Analyse des Haushaltsstromverbrauch unter Berücksichtigung von Life Style-Konzepten

Die aggreggierte Darstellung von Energieverbräuchen in Haushalten, die oftmals in Studien und Analysen zu finden ist, suggeriert fälschlicherweise, dass es "den" Haushalt gibt, der paradigmatisch bestimm- bzw. definierbar wäre. Allerdings ist der gemeinhin in diesem Statistik-Kontext eingesetzte Haushaltsbegriff eine reine, aus der Durchschnittsbildung abgeleitete statistische Größe.

Dabei zu berücksichtigen ist, dass verschiedene Lebensstil-Konzepte sehr unterschiedliche Prioritäten-Setzungen bedingen. Die damit verbundenen Prämissen stellen somit jeweils spezifische Einfluss-Faktoren auf den Haushaltsenergieverbrauch dar.

Dieses Projekt setzt hier an, in dem die für den Stromverbrauch bestimmenden Parameter identifiziert und vor dem methodischen Hintergrund von Lebensstil-Konzepten evaluiert werden.

Bottom up-Modellierung der Stromnachfrage im Sektor "Haushalte"

Das Szenario steigender Energie- bzw. Strompreise ist zumindest mittelfristig durchwegs plausibel. Der demografische und soziale Wandel unser Gesellschaft und wachsende Ausstattungsgrade der Haushalte nebst weiteren Aspekten bilden ein Spannungsfeld angesichts der virulenten Frage der Versorgungssicherheit und möglicher steuernden Faktoren, der Energiepreisentwicklung und der Problematik begrenzter Ressourcen.

Eine Herausforderung stellt die Abschätzung der Stromverbrauchsentwicklung dar. Gegenwärtige wie zukünftige Lebensstil-Konzepte, Ausstattungsgrade von Geräten und daraus resultierenden Nutzungskontexte sollen daher für den Zeitraum 2010 – 2030 einer eingehenden Analyse unterzogen werden.

Aus der Auswertung der bereits verfügbaren bzw. erwartbaren Effizienzpotentiale der im Haushaltskontext eingesetzten Technologien und der grundsätzlichen Auslotung des Spannungsfeldes "Bedürfnisse und technologische Lösungen" werden mögliche Entwicklungslinien definiert. Dabei werden unter Einbeziehung von NutzerInnen auch aus Nachhaltigkeitsperspektive vorteilhaftere innovative Ansätze identifiziert.

Aus dem Bewusstsein, dass es eben „den“ Haushalt nicht gibt, müssen Modellierungen und vor allem Verbrauchsabschätzungen verschiedene Life Style-Typologien berücksichtigen, um belastbare Aussagen ableiten zu können.

Ein Schwerpunkt im Projekt ist auch eine direkte Einbeziehung von Stakeholdern – Wissenschaft (Sozial/Politik/Volkswirtschaft/Demografie), EVUs, Sozialpartner, Marktakteure, etc. – in einem offenen Beteiligungsprozess, mit dem Rahmenbedingungen und Annahme für Szenarien im Sinne einer breiten Akzeptanz abgestimmt werden.

Maßnahmen-Katalog für Handlungsoptionen auf nationaler Ebene

Wesentliche Rahmenbedingen werden auf EU-Ebene definiert und gestaltet. Aktivitäten, die Auswirkungen auf den innereuropäischen freien Warenverkehr haben, wie bsp. Energielabels und Mindeststandards können sinnvollerweise nur EU-weit umgesetzt werden. Unabhängig davon bleibt die nationale Handlungsebene auch zukünftig eminent wichtig für Maßnahmen zur Energieverbrauchssenkung im Haushaltssektor.

Die Szenarien-Analyse und Evaluierung der Handlungsoptionen legt die Schwerpunkte für eine nachhaltige Gestaltung des Bereiches "Stromverbrauch im Haushalt" offen.


Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms "NEUE ENERGIEN 2020" durchgeführt.

Projektdaten
AuftraggeberKlima- und Energiefonds
Projektleiter/inDI Thomas Bogner
ProjektteamDr. Bernd Schäppi
ProjektpartnerKERP Research Elektronik & Umwelt GmbH
Energy Economics Group, Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft, TU Wien