REQUEST - Qualitätssteigerung im Sanierungsprozess

Der Energieausweis eines Gebäudes liefert Informationen und Empfehlungen, welche Maßnahmen zur Sanierung dieses Objekts gesetzt werden können. Um die vorgeschlagenen Maßnahmen auch zur Umsetzung zu bringen, muss der Gebäudeeigentümer motiviert werden. Einerseits müssen die Sanierungsvorschläge im Energieausweis dem tatsächlichen Zustand des Gebäudes entsprechen und andererseits müssen Gebäudeeigentümer Zugang zu Sanierungsangeboten haben, bei denen sie sich auf die Qualität der durchgeführten Sanierung verlassen können. Das EU-Projekt REnovation through QUality supply chains and EPC Standards – REQUEST analysierte Tools und Strategien zur Steigerung der Sanierungsqualität und -tätigkeit ausgehend vom Energieausweis. Elf EU-Länder waren an dem Projekt beteiligt, das von April 2010 bis September 2012 lief. Das Projekt setzte folgende Schwerpunkte:

Schließen der Lücke zwischen Energieausweis und Lieferkette
Mögliche Tools und Strategien, um die Umsetzung von empfohlenen Sanierungsmaßnahmen voranzutreiben, insbesondere um die Lücke zwischen Gebäudeeigentümern oder Mietern und der Lieferkette zu schließen, wurden identifiziert und analysiert. Dabei spielte der Energieausweis eine wichtige Rolle.

Entwicklung eines Qualitätsrahmens für hochwertige Sanierungen
Die Projektpartner entwickelten eine Zusammenstellung von ambitionierten Standards und Qualitätssicherungsmechanismen für den Sanierungsprozess. Um eine hohe Sanierungsqualität zu erreichen, ist nicht nur die hohe Qualität der Arbeit der einzelnen Gewerke entscheidend, sondern auch die Kommunikation zwischen den Gewerken. Durch Workshops mit Architekten, Installateuren, Energieberatern u. a. wurden Schlüsselprobleme und typische Schnittstellen identifiziert. Ziel war es, den gesamten Sanierungsprozess systematisch zu betrachten und Vorschläge zur Erhöhung der Qualität zu entwickeln.

Die Aktivitäten basierten auf einer Analyse bereits bestehender und auch geplanter Qualitätsmodelle und Energieausweissysteme für Wohnhaussanierungen in der EU. Ausgewählte Tools wurden vom Projektteam in Pilotprojekten angewendet, um die Praktikabilität zu prüfen und die Tools gegebenenfalls anzupassen. Die EU-weite Analyse von bestehenden Tools und Programmen ermöglichte darüber zudem guten Überblick über die Umsetzungsmethoden der EU-Gebäuderichtlinie in den einzelnen Mitgliedstaaten.

Ergebnisse

Das Projekt hat in den Partnerländern über 1000 Professionisten, Energieberater und Energieerzeuger erreicht und somit tatsächlich viele Renovierungen initiiert. Über 50 staatliche Organisationen und Vereine waren in diesen Prozess involviert. Im Endeffekt wurden Einsparungen von mehr als 36.000MWh und 10.000 t CO2 ausgelöst. Ca. 18 Mio. € wurden in die Sanierungen investiert.

Eine Datenbank mit Strategien, Tools und Methoden zur Erhöhung der Sanierungsqualität und Sanierungsrate sowie Best-Practice-Beispiele und weitere Projektinformationen finden sich auf der Projektwebsite: www.building-request.eu

    Österreichisches Pilotprojekt

    Das österreichische Pilotprojekt – Entwicklung einer Gebäudetypologie für Wiener Wohngebäude – wurde in Kooperation mit dem Bauphysiklabor der Wiener MA 39 durchgeführt. Die Gebäudetypologie wurde auf Basis von Energieausweisen erstellt und teilt die Wiener Wohngebäude in sechs Bauepochen ein. Gebäudegrößen, Heizsysteme und unterschiedliche Bauweisen bilden wesentliche Unterscheidungskriterien. Zu jedem "Gebäudetyp" wurden mögliche Sanierungsmaßnahmen vorgeschlagen.

    Die Evaluierung des Tools ergab, dass die Typologie besonders in der frühen Planungsphase ein äußerst nützliches Instrument darstellt. Sie eignet sich u.a. für folgende Zwecke:

    • zur Schätzung des Heizwärmebedarfs bestehender Gebäude,
    • zur Schätzung des zukünftigen Energieverbrauchs,
    • als Grundlage für Basisdaten, um Sanierungspotentiale zu erheben und für die Erstellung von regionalen und lokalen Energiekonzepten,
    • für Szenario-Analysen,
    • für die Überprüfung möglicher Anwendungsfelder in einzelnen Projekten der Initiative "Smart City Vienna".

    Die gesamte Gebäudetypologie sowie der Fragebogen zur Evaluierung des Tools stehen zum Download bereit.

    Projektdaten
    AuftraggeberExecutive Agency for Competitiveness & Innovation (EACI)
    Projektleiter/inDI Naghmeh Altmann, MSc
    ProjektpartnerEnergy Efficiency Agency of Bulgaria EEA, Bulgarien
    Flemish Institute for Technological Research, Belgien
    Danish Building Research Institute, Dänemark
    Deutsche Energie-Agentur GmbH – dena, Deutschland
    Centre for Renewable Energy Sources and Saving, Griechenland
    Krajowa Agencja Poszanowania Energii KAPE, Polen
    Slovak Innovation and Energy Agency SEA, Slowakei
    Energy Saving Trust, UK (Projektkoordinator)
    Ente per le Nuove tecnologie l’Energia e l’Ambiente ENEA, Italien
    Agência para a Energia ADENE, Portugal
    Projektdauer04/2010 – 11/2012