TABULA - Typology Approach for Building Stock Energy Assessment

Die ambitionierten 20-20-20-Ziele der EU bedeuten freilich nicht nur für Österreichs Gebäudesektor gewaltige Herausforderungen. Europaweit stehen Energie- und Gebäudeexperten denselben Fragen gegenüber:

  • Welche Energieeffizienz haben verschiedene Gebäudetypen des nationalen Gebäudebestands?
  • Welche Energieeinsparpotenziale sind im Gebäudebestand durch bestehende Technologien möglich?
  • Welche Sanierungsmaßnahmen wurden in der Vergangenheit bereits durchgeführt?
  • Kann das durchschnittliche Verhältnis zwischen berechnetem Bedarf und tatsächlichem Energieverbrauch ermittelt werden?
  • Welche Sanierungsstrategien müssen implementiert werden, um die nationalen Klimaziele zu erreichen?

Das 2009 gestartete EU-Projekt TABULA (Typology Approach of Building Stock Energy Assessment), gefördert durch das Programm Intelligent Energy Europe (IEE) und in Österreich kofinanziert durch klima:aktiv, setzt auf nationale Gebäudetypologien, um rasch und systematisch eine energetische Beurteilung von Bestandsgebäuden durchzuführen und jene Gebäude zu eruieren, die das höchste CO2 Einsparpotenzial besitzen.

Beispiel Wohngebäudetypologie Österreichs

Eine Gebäudetypologie setzt sich zusammen aus verschiedenen Modellgebäuden, die bestimmte Gebäudekategorien in unterschiedlichen Baualtersklassen repräsentieren. Diese Modellgebäude veranschaulichen welche Energieeinsparpotenziale bestehen.

In Österreich setzt sich diese aus einem Satz von 28 Modellgebäuden mit charakteristischen, energierelevanten Merkmalen zusammen. Jedes Modellgebäude steht beispielhaft für eine bestimmte Bauperiode und einen bestimmten Gebäudetyp und weist bestimmte energetische Merkmale auf. Für jeden Gebäudetyp wurde ein Gebäude ausgesucht, das repräsentativ für alle Gebäude dieser Klasse steht. Dafür wurden reale Gebäude, deren Energieausweise nach der OIB-RL 6 gerechnet wurden, aus der Energieausweisdatenbank ZEUS  ausgewählt. So war es möglich, die Gebäudetypologie nicht auf Basis von synthetischen Gebäuden zu entwickeln, sondern reale "Mittelwert"-Gebäude mit den entsprechenden Geometrien abzubilden.

Gebäudematrix: Schema zur Klassifizierung der nationalen Gebäudetypologie

Die nationalen Modellgebäude werden in der TABULA-Broschüre dargestellt. Pro Gebäudetyp ist das Bestandsgebäude und jeweils zwei Sanierungsvarianten – eine Standardsanierung sowie eine auf die klima:aktiv Bewertungskriterien abgestimmte Sanierung – abgebildet. Die Datensätze zu den einzelnen Gebäuden werden in den Gebäudedatenblättern aufbereitet.

Nutzen

Gebäudetypologien sind generell breit anwendbar: vom Hauseigentümer über Immobilienverwalter, Architekten, Energieberater und Finanzdienstleister zur Bewertung und Sanierungsplanung von Häusern und Liegenschaften, bis zur Modellierung von kommunalen und nationalen Gebäudebeständen für Energieeffizienz- und Einsparstrategien.

Im Rahmen des im Mai 2012 abgeschlossenen TABULA-Projekts wurde ein auf europäischer Ebene abgestimmtes Konzept für Gebäudetypologien und ein gemeinsames Webtool entwickelt.

Europäische Gebäudetypologien im Vergleich

Das Web-basierte europäische TABULA-Tool  ist seit November 2011 verfügbar. Auf Basis einer harmonisierten Berechnungsmethode ermöglicht es eine Online-Energiebilanzierung sowie den Zugriff auf die Gebäudedaten der beteiligten Länder. Es können Gebäudetypologien verglichen und – mit statistischen Werten hinterlegt – für Energieeinsparprognosen und CO2-Einsparpotenzialanalysen herangezogen werden. Damit steht ein derartiges Instrument erstmals auf europäischer Ebene zur Verfügung.

Expertenworkshop in Wels

Die Österreichische Energieagentur als nationaler TABULA-Projektpartner organisierte am 29. Februar 2012 im Rahmen der heurigen World Sustainable Energy Days in Wels den internationalen Expertenworkshop  "Energy Assessment of National Housing Stocks".

Projektdaten
AuftraggeberEuropäische Union – Intelligent Energy Europe (IEE)
Projektleiter/inDI Maria Amtmann
ProjektpartnerIWU – Institut für Wohnen und Umwelt (DE)
NOA - National Observatory of Athens (GR)
BCEI - Building and Civil Engineering Institute ZRMK (SI)
POLITO - Politecnico di Torino – Department of Energetics (IT)
ADEME – Agence de l’Environment et de la Maîtrise de l’Energie (FR)
Energy Action – Energy Action Limited (IE)
VITO – Flemish Institute of Technological Research (BE)
NAPE – Narodowa Agencja Poszanowania Energii (PL)
SOFENA – SOFIA ENERGY AGENCY (BG)
MDH – Mälardalens university (SE)
STU-K – Structural Design (CZ)
SBi – Danish Building Research Institute (DK)
Projektdauer06/2009 – 05/2012