Berechnung von kostenoptimalen Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

Beim Neubau oder der Sanierung eines Gebäudes werden in der OIB Richtlinie 6 (Österreichische Gebäuderichtlinie), sowie in den bundesländerspezifischen Bauordnungen verpflichtende Mindestanforderungen an die Energieeffizienz des Objektes gestellt.

Die Richtlinie 2010/31/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden verlangt die Prüfung dieser Mindestwerte hinsichtlich optimaler Kosten.
Dies bedeutet, dass das Verhältnis Kosten-Nutzen optimal zwischen den Gesamtkosten (Investitionskosten, laufende Kosten) und Energieeinsparungen (Primärenergieverbrauch) sein muss.

Zur Überprüfung gibt es zur Berechnung ein vorgegebenes Schema. Anhand dieses Berechnungsschemas sollen die EU-Mitgliedstaaten feststellen ob ihre bis heute gültigen Mindestanforderungen einem optimalen Kosten-Nutzen-Verhältnis entsprechen. Gegeben falls, haben die Mitgliedsstaaten eine Anpassung ihrer Mindestanforderungen vorzunehmen.

Die Österreichische Energieagentur hat dazu Berechnungen angestellt und hat Einfamilienhäuser sowie mehrgeschossige Wohnbauten betrachtet. Zunächst wurde zwischen neuen und bestehenden Gebäuden unterschieden. Da in Österreich sowohl die Ziegelbauweise als auch die Holzbauweise entsprechend häufig vorkommt, wurden bei den Neubauten unterschiedliche Bauweisen untersucht.

Für jede Gebäudekategorie wurden Referenzgebäude und Maßnahmenpakete zur Steigerung der Energieeffizienz definiert. Die Definition der Referenzgebäude stützt sich dabei auf die im EU-Projekt TABULA entwickelte Gebäudetypologie für österreichische Wohngebäude. Schlussendlich wurden die Energieverbräuche und Kosten der einzelnen Varianten gegenüber gestellt und das optimale Kosten-Nutzen-Verhältnis eruiert. Stellvertretend sind in nachstehender Abbildung die Ergebnisse des Einfamilienhauses Neubau in Holzleichtbauweise dargestellt.

Die höchsten spezifischen Gesamtkosten weisen die kombinierten Systeme auf, also jene welche sowohl ein konventionelles Heizsystem als auch eine mechanische Lüftungsanlage beinhalten.
Zu erwähnen ist, dass die Kostendifferenz der Grundsysteme zu den Systemen mit thermischer Solaranlage minimal ist. Jedoch diese Varianten einen deutlich geringeren Primärenergieverbrauch aufweisen. Allgemein zeigt sich eine starke Abhängigkeit optimaler Kosten zu gewählten Berechnungsparametern.

Ebenso sind in der Grafik die Ergebnisse bei einer jährlichen Energiepreissteigerungsrate von 3% dargestellt (graue Linien im Diagramm). In diesem Fall wäre das Gasbrennwertsystem bei einem Heizwärmebedarf von 52 kWh/m²a die kostenschonendste Ausführungsvariante.

Werden anstatt 3% jährlicher Energiepreissteigerungsrate die durchschnittlichen Steigerungsraten der letzten sieben Jahre angesetzt (farbige Linien im Diagramm), so stellt sich jene Variante mit einem Heizwärmebedarf von 15 kWh/m²a in Kombination mit einem Kompaktlüftungsgerät am kostengünstigsten heraus.

Projektdaten
Projektleiter/inManuel Mitterndorfer, MSc
DI Dr. Günter Simader
ProjektteamOskar Mair am Tinkhof, MSc
Projektdauer01/2012 – 09/2012